Wirtschaft

Überangebot bei SuperbenzinWarum deutsche Raffinerien nicht genug Kerosin herstellen

20.04.2026, 19:48 Uhr
imageVon Max Borowski
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Airlines schlagen bereits Alarm, dass der Treibstoff an deutschen Flughäfen knapp werden könnte. (Foto: picture alliance/dpa)

Der Preis schießt in die Höhe, die Fluggesellschaften schlagen Alarm. Das Kerosin für die Luftfahrt könnte bald knapp werden. Gleichzeitig produzieren die Raffinerien in Deutschland viel mehr Superbenzin, als gebraucht wird. Die Hersteller können dieses Missverhältnis kaum ändern.

Deutschland ist der bedeutendste Raffineriestandort in Europa. Obwohl fast das gesamte Erdöl importiert werden muss, reicht die Kapazität der hiesigen Raffinerien theoretisch aus, daraus etwa die Menge an Mineralölprodukten herzustellen, die die deutsche Wirtschaft braucht. Von knapp 100 Millionen Tonnen Raffinerie-Erzeugnissen, die in Deutschland in den vergangenen Jahren jeweils verbraucht wurden, wurden netto nur vier Millionen Tonnen aus dem Ausland eingeführt. Und damit waren die Anlagen noch nicht einmal voll ausgelastet.

Dennoch kann sich Deutschland mit einigen wichtigen Kraftstoffen nicht selbst versorgen. Tatsächlich passt der Ausstoß der deutschen Raffinerien zwar von der Menge, nicht aber von der Zusammensetzung her mit der hiesigen Nachfrage zusammen. Das wird in der Iran-Krise gerade deutlich. Der Preis für Diesel und Heizöl ist noch stärker angestiegen als der für Superbenzin. Kerosin droht laut Vertretern der Luftfahrtbranche knapp zu werden.

In den vergangenen Jahren importierte Deutschland rund die Hälfte seines Kerosin- und ein Drittel seines Dieselbedarfs. Ein Teil dieser Lieferungen stammte aus Raffinerien am Persischen Golf, die derzeit vom Weltmarkt abgeschnitten sind, oder aus asiatischen Ländern, die ihr Rohöl vom Golf bezogen und denen nun der Nachschub fehlt.

Gleichzeitig produzieren deutsche Raffinerien deutlich mehr Ottokraftstoff als nachgefragt wird. Ein Teil davon wird - unter anderem in die USA - exportiert. In Europa verkaufen die Hersteller Super- und Normalbenzin zuletzt sogar unter ihren Herstellungskosten. Der Börsen-Referenzpreis für Benzin in Nordwesteuropa fiel zeitweise unter den Rohölpreis. Während Diesel und Kerosin knapp geworden und die Margen für die Raffinerien entsprechend in die Höhe geschossen sind, zahlen die Hersteller bei jedem Liter Super drauf.

Einfach der Nachfrage anpassen können die Raffinerien ihre Produktpalette nicht. Am stärksten nachgefragt sind derzeit sogenannte Mitteldestillate: Diesel, Heizöl und Kerosin. Diese Produktgruppe macht etwas weniger als die Hälfte der Raffinerieproduktion in Deutschland aus. Die andere Hälfte entfällt auf Schwer- und Leichtdestillate sowie Restprodukte. Normal- und Superbenzin sind Leichtdestillate. Das Verhältnis dieser Produktgruppen ist in den meisten Raffinerien weitgehend fix. Unter anderem wird es durch die chemische Zusammensetzung des Rohöls und die technischen Anlagen bestimmt.

Vereinfacht gesagt: Der Dieseloutput ließe sich auf Kosten des Kerosinanteils etwas erhöhen. Die technischen Möglichkeiten, den Anteil von Leichtdestillaten wie Superbenzin zugunsten der begehrten Mitteldestillate zu steigern, sind allerdings stark begrenzt - und in den deutschen Raffinerien bereits weitgehend ausgereizt. Aktuell sind die Preise für Diesel und Kerosin so hoch, dass die Hersteller trotz der negativen Marge beim Superbenzin insgesamt ein ordentliches Plus machen. Der Anreiz, die Produktion insgesamt zu erhöhen, ist jedoch gering.

Quelle: ntv.de

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