Wirtschaft

Preise steigen kräftig Warum ignoriert die EZB die hohe Inflation?

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Die EZB siieht derzeit keinen Handlungsbedarf.

(Foto: REUTERS)

Die Inflation in Deutschland hat sich zum Jahreswechsel noch einmal beschleunigt. Trotzdem wird die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik nicht ändern.

Das kam überraschend: Die Inflation in Deutschland hat sich zum Jahreswechsel nochmals beschleunigt. Die Preise für Waren und Dienstleistungen kletterten im Dezember binnen Jahresfrist um 5,3 Prozent und damit so stark wie seit 1992 nicht mehr. Im Jahresschnitt 2021 kletterte die Teuerungsrate auf 3,1 Prozent. Damit dürfte der Druck auf die Europäische Zentralbank zunehmen, die Zinsen anzuheben. Doch die wird die Rufe genauso ignorieren wie sie das bisher auch gemacht hat.

Denn im Grunde hat sich für die EZB nichts geändert. Das liegt zunächst einmal daran, dass sie die gesamte Eurozone im Blick hat. Die aktuellsten Zahlen liegen für November vor, als sie bei 4,9 Prozent gelegen hatte. Das ist allerdings auch deutlich über dem Inflationsziel der EZB, das bei mittelfristig 2 Prozent liegt.

Doch die EZB ist davon überzeugt, dass die hohe Inflation nur vorübergehend ist und sich bald verlangsamt. Das sehen die meisten Ökonomen auch so. Die eine Frage ist allerdings, wann es so weit ist. Die andere ist, ob die EZB von ihrer Null-Zins-Strategie trotzdem langsam beenden soll.

Der entscheidende Punkt bei dieser Debatte ist, dass die Inflation - nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Eurozone - vor allem aufgrund stark gestiegener Energiepreise so hoch ist. Auch die durch die Corona-Krise gestörten Lieferketten tragen erheblich dazu bei, da sie den Transport verteuern und damit die Herstellungskosten vieler Produkte erhöhen.

Die EZB argumentiert deshalb: Es ergebe wenig Sinn, auf Faktoren mit Zinserhöhungen zu reagieren, auf die Geldpolitik keinen Einfluss habe. Höhere Zinsen würden weder für billigeren Strom noch für reibungslose Lieferketten sorgen. In der warmen Jahreszeit würden die Energiepreise aber wieder sinken, und auch die Lieferketten würden immer besser funktionieren.

Angst vor einer Lohn-Preis-Spirale

So gesehen steckt die Eurozone in einer Übergangsphase - und die Zinserhöhung wäre ein Fehler mit unerfreulichen Konsequenzen. Denn ohe Zinsen verteuern Kredite und verringern damit Investitionen und Konsum - und dämpfen damit die Konjunktur. Inmitten der Corona-Krise sei das keine gute Idee.

Höhere Zinsen seien für diejenigen, die Ersparnisse haben, erstrebenswert. Zugleich sorgen sie aber tendenziell für eine höhere Arbeitslosigkeit. Als Argument für eine weiterhin lockere Geldpolitik wird auch angeführt, dass die rasche Verbreitung der Omikron-Variante ohnehin schon als Konjunkturbremse wirken könne.

Die EZB geht vor diesem Hintergrund davon aus, dass die Preisentwicklung wieder in den grünen Bereich fällt, sobald die Produktion der Nachfrage hinterherkomme. Auch die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass sich die Teuerung wieder verlangsamt. Im Schnitt rechnen sie aber auch für das Gesamtjahr mit einer drei vor dem Komma.

Gefährlich wird es allerdings, wenn sich die Inflation festsetzt. Der Klassiker für eine solche Entwicklung ist die Lohn-Preis-Spirale, wenn eine sehr niedrige Arbeitslosigkeit auf eine sehr hohe gesamtwirtschaftliche Nachfrage trifft. Die Logik: Die Arbeitnehmer können höhere Löhne auf breiter Front durchsetzen, worauf die Unternehmen als Ausgleich die Preise erhöhen, woraufhin die Arbeitnehmer höhere Löhne durchsetzen, eine Kettenreaktion entsteht und die Inflation nicht von alleine in den grünen Bereich zurückkehrt.

Die jüngsten Lohnabschlüsse in Deutschland und der Eurozone deuten zwar nicht darauf hin. Doch sollten Arbeitnehmer und Gewerkschaften davon ausgehen, dass die Inflation nicht bald zurückgeht, dürften sie kräftigere Lohnerhöhungen verlangen.

Ironischerweise fordert etwa die Gewerkschaft der EZB-Angestellten bereits eine Aufstockung der Gehaltsanpassungen. Die von der EZB vorgeschlagene Erhöhung von 1,3 Prozent "schützt unsere Gehälter nicht mehr vor der Inflation", zitiert das Finanzportal "Bloomberg" aus einer E-Mail an die Mitarbeiter.

Quelle: ntv.de

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