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Bittere Bilanz trotz süßer Herzen Was Air Berlin noch retten könnte

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Für Air Berlin wird es eng: Auch im siebten Krisenjahr wird die Airline wohl Verluste schreiben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auch im siebten Krisenjahr ist bei Air Berlin keine Besserung in Sicht. "Chefpilot" Pichler muss den verlustgeplagten Aktionären jetzt erklären, wie es trotz anhaltender Millionendefizite weitergeht. Eine letzte Hoffnung gibt es noch.

Die Aktionäre von Air Berlin müssen sich am Donnerstag auf eine herbe Enttäuschung gefasst machen. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, die die Herzen der Deutschen vor fast zwanzig Jahren mit dem Mallorca-Shuttle im Flug eroberte, schafft es immer noch nicht aus den roten Zahlen.

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Eigentlich hatte Vorstandchef Stefan Pichler die Aktionäre bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr auf bessere Zeiten eingestimmt: "Ich übernehme die Verantwortung, dass wir 2016 wieder in die Gewinnzone kommen." Seitdem hat er einiges versucht: Gehaltsverzicht bei den Managern, gestrichene Überstundenabgeltung, stagnierende Bezüge für Piloten, Abbau unrentabler Strecken. Doch trotz alldem ist die Wende bei Air Berlin auch im siebten Krisenjahr nicht in Sicht.

Dass die neuste Bilanz wohl bitter ausfallen wird, lassen die jüngsten Passagierzahlen erahnen: Die Zahl der Fluggäste ging im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent zurück. Auch die Auslastung sank um einen Prozentpunkt auf 85,4. Die Bilanz der Airline ist ernüchternd. Seit 2008 hat sie nur einmal Gewinn geschrieben - und das nur wegen hoher Sondereffekte.

Sogar Air France macht Gewinn

"Air Berlin ist nicht sanierungsfähig" lautete kürzlich das vernichtende Urteil von dem ehemaligen Formel-1-Rennfahrer und Air-Berlin-Kenner Niki Lauda. Das Management mache "seit sechs Jahren einen Fehler nach dem anderen", sagte der frühere Geschäftspartner der Airline. Lauda hat seine Airline Niki 2004 an Air Berlin verkauft. Nach einer Phase der Zusammenarbeit gehen der Österreicher und die Deutschen seit 2013 getrennte Wege.

Kritik äußerte der ausgebildete Pilot vor allem an den Tarifverträgen für Piloten und die "üppigen Flugdienstzeit-Regeln", die "nicht zur wirtschaftlichen Lage" passten. Als Air Berlin sich an Niki beteiligt habe, seien die Kosten dort noch "rund 40 Prozent niedriger" gewesen. Danach sei alles "nur teurer" geworden. Er selbst sähe sich trotz seiner Erfahrung in der Luftfahrtbranche außerstande, Air Berlin zu retten.

Auch Konkurrent Ryanair hat Air Berlin abgeschrieben. Der irische Überflieger findet es bemerkenswert, dass die Berliner Verluste einfliegen, obwohl das Flugbenzin so billig sei. Sogar Air France mache Gewinne. Die Lage könnte tatsächlich kaum dramatischer sein. Das Eigenkapital ist aufgebraucht, Air Berlin finanziell praktisch am Ende. Ohne den Großaktionär Etihad aus Abu Dhabi, der knapp 30 Prozent hält und bereits eine Milliarde Euro in die marode Airline gepumpt hat, wäre sie längst pleite.

Deutsch-italienische Hochzeit im Himmel ?

Geld nachschießen werden die Emirate nicht, sonst würde Air Berlin Start- und Landerechte verlieren. Offenbar gibt es aber noch einen anderen Plan. Seit Wochen halten sich Gerüchte, wonach Abu Dhabi Air Berlin von der Börse nehmen und mit seiner anderen Beteiligung Alitalia verschmelzen könnte. An Alitalia halten die Scheichs 49 Prozent.

Doch ob es diese deutsch-italienische Hochzeit am Himmel geben wird und ob sie die ersehnte Rettung bringen kann, ist ungewiss. Trotz Millioneninvestitionen entwickeln sich beide Airlines nicht so gut wie von den Arabern erhofft. Lauda stellt das Engagement von Etihad bei Air Berlin deshalb auch grundsätzlich in Frage: "Etihad hat so viel in Air Berlin investiert, dass der Zeitpunkt überschritten ist, damit jemals Geld zu verdienen."

Es gibt aber noch eine andere Variante, um zwischenzeitlich an frisches Geld zu kommen: Air Berlin könnte sein Tafelsilber verkaufen. Auch hierzu kursieren Pläne in der Branche. Am wahrscheinlichsten wäre der Verkauf der profitablen Tochtergesellschaft Niki. Noch macht Niki Gewinn, was dafür sprechen würde, schnell zur Tat zu schreiten.

Kahlschlag trotz Herz, Eis und Bier

Denn in Zukunft wird es nicht leichter. Arbeitskämpfe wie bei der Gewerkschaft Verdi in dieser Woche machen es Air Berlin nur schwerer. Und auch der Druck von der Konkurrenz steigt. Selbst die altehrwürdige Lufthansa erfindet sich neu. Sie passe sich mit der Günstigmarke Eurowings besser an die veränderten Marktbedingungen an, findet Lauda. "Wenn Eurowings so ausgebaut wird wie geplant, wird das die Konkurrenz massiv unter Druck setzen".

Air Berlin hat in Sachen Umstrukturierung bisher nur eins in petto: Stellenabbau. Ende Januar schrieb Pichler an seine 8500 Mitarbeiter: "Für den Aufbau nachhaltiger Strukturen werden noch mehr Kollegen unser Unternehmen verlassen müssen. Die Veränderungen werden alle Unternehmensbereiche betreffen." Der große Job-Kahlschlag beim Kampf um Passagiere lässt bislang also noch auf sich warten.

Dafür kümmert sich Air Berlin aber beherzt um das leibliche Wohl seiner Passagiere. Pünktlich zum Sommerflugplan sieht das Bord-Menü Häagen-Dasz-Eis der Sorten Vanille und Belgian Chocolate vor. Und Bierliebhaber kommen in den Genuss von Craft Beer der Berliner Start-Up-Brauerei BRLO. Das beliebte Gratis-Schokoherz - das übrigens gar keine Erfindung der Berliner Fluggesellschaft ist, sondern der dba, die 2006 übernommen wurde - steht zum Glück nicht auf der Streichliste.

Quelle: n-tv.de

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