Wirtschaft
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Freitag, 09. März 2018

Läuft Trump in die Bush-Falle?: Was US-Strafzölle bewirken

Dieser Schuss könnte nach hinten losgehen: Mit den neuen Zöllen für Stahl und Alu riskiert US-Präsident Trump, einen kapitalen Fehler seines Amtsvorgängers Bush zu wiederholen. Schutzzölle gab es schon einmal - mit verheerenden Folgen für den US-Arbeitsmarkt.

Die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle auf Importe von Stahl und Aluminium sind alles andere als ein historisches Novum. Im Gegenteil: Ein Blick in die jüngere Wirtschaftsgeschichte zeigt, zu welchen Konsequenzen eine solche Abschottungspolitik führen kann.

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Dafür müssen Befürworter und Gegner der umstrittenen Maßnahme nur wenige Jahre zurückgehen: Im März 2002 erließ der damalige US-Präsident George W. Bush Aufschläge zwischen acht und 30 Prozent auf Stahl- und Aluminiumimporte, um den maroden Stahlsektor der US-Industrie zu schützen, die zu diesem Zeitpunkt - kurz nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center - insgesamt geschwächt war. Zwei Drittel der Stahlexporte der EU-Länder in die USA waren von Bushs Schutzzöllen betroffen.

Kritiker deuteten diesen protektionistischen Schritt als wahltaktische Entscheidung: Bei einem knappen Ergebnis der Präsidentenwahl im November 2004 hätten die stahlproduzierenden Bundesstaaten den Ausschlag geben können. Die internationalen Reaktionen folgten damals ähnlichen Mustern wie heute: Die EU und andere Staaten reichten umgehend Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) ein und drohten als Gegenmaßnahmen mit Sanktionen gegen US-Produkte.

Die Zölle waren von Anfang an auch in der US-Wirtschaft heftig umstritten. Tatsächlich erwiesen sich die Folgen als katastrophal: Der Dollar-Kurs sackte ab und die stahlverarbeitenden Branchen, allen voran die Autoindustrie, bekam rasch höhere Materialpreise zu spüren.

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Die von der EU angedrohten Sanktionen gegen US-Produkte hätten - wäre es zu einer Umsetzung gekommen - ein Volumen von bis zu 2,2 Milliarden Dollar (damals 1,9 Milliarden Euro) erreicht. Die Vergeltungsmaßnahmen hätten weitere Branchen und Regionen der USA in Mitleidenschaft gezogen. Die wirtschaftliche Misere der USA drohte sich also durch die Schutzzölle massiv auszuweiten.

Die WTO erklärte Bushs Importabgaben anderthalb Jahre nach ihrer Einführung schließlich für unzulässig. Der Weg für Sanktionen war damit frei, im Dezember 2003 wären sie in Kraft getreten. Präsident Bush ruderte daraufhin zurück, hob die meisten Zölle auf und musste sich von der US-Stahlindustrie schließlich vorwerfen lassen, vor der "europäischen Erpressung" kapituliert zu haben. Die Präsidentschaftswahlen 2004 gewann er nur knapp.

Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl sanken die deutschen Stahlexporte nach Übersee wegen der Strafzölle damals um mehr als ein Drittel. Dem Branchenriesen ThyssenKrupp zufolge war bei dem deutschen Stahlkonzern damals ein Umsatzvolumen von rund 200 Millionen Euro pro Jahr betroffen - anteilig am Gesamtumsatz mit ein bis zwei Prozent war das eher wenig.

In den USA hingegen kosteten die wirtschaftlichen Folgen des Handelskonfliktes Studien zufolge rund 200.000 Arbeitsplätze. Steigende Materialkosten zwangen Industrieunternehmen zu Sparmaßnahmen. Hinter dem zeitweilig aufgerichteten Schutzschirm blieben Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit der US-Industriemetallerzeuger aus.

Damals ging der Handelsstreit glimpflich aus: Nachdem die USA ihre Strafzölle zurückgenommen hatten, normalisierte sich der Handel wieder. Die Beilegung der Auseinandersetzung durch Vermittlung der WTO wurde allgemein als Erfolg gewertet. Der freie und faire Warenaustausch entwickelte sich weitgehend ungestört weiter - bis knapp 14 Jahre später Donald Trump einen neuen Anlauf nahm, die bedrängte Stahl- und Aluminium-Industrie der USA abzuschirmen.

Quelle: n-tv.de