Wirtschaft

Spekulieren auf Dürren Wasser-Future hilft Farmern und Hedgefonds

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Hunderte Millionen Dollar zahlen Kaliforniens Landwirte jährlich für das dringend benötigte Wasser.

(Foto: REUTERS)

Wasser wird knapper und teurer. In Kalifornien lassen Dürren infolge des Klimawandels den Preis in die Höhe schießen. Ein neues Finanzprodukt ermöglicht Farmen jetzt, sich gegen solche Preisschwankungen abzusichern. Hedgefonds können mit dem Future auf Wasserknappheit wetten.

"2025 wird erwartet, dass zwei Drittel der Weltbevölkerung von Wassermangel betroffen sind", sagt Tim McCourt. Heute lebten immerhin schon zwei Milliarden Menschen in Staaten mit Wasserknappheit. Mit diesen Worten warnt McCourt, Leiter des Bereichs alternative Investmentprodukte der Chicagoer Terminbörse CME, nicht nur vor einer dramatischen globalen Entwicklung. Er wirbt auch für ein neues Finanzprodukt: Seit dieser Woche können neben Rohstoffen wie Öl und Gold oder Agrarprodukten wie Soja und Weizen an der CME erstmals Kontrakte auf den wohl wichtigsten Rohstoff der Welt abgeschlossen werden: Wasser.

Wasser wird seit Jahren in vielen Teilen der Welt knapper und teurer. Das Interesse von Investoren an Firmen, die Wasserrechte besitzen und vermarkten oder an Herstellern abgefüllten Trinkwassers ist groß. Finanzprodukte, um auf die Preisentwicklung von Wasser zu wetten, gab es aber bisher nicht. Das Interesse an dem neuen Terminkontrakt ist entsprechend groß. "Klimawandel, Dürren, Bevölkerungswachstum und Umweltverschmutzung dürften Wasserknappheit und die Preisentwicklung zu einem heißen Thema in den kommenden Jahren machen", zitiert die Finanzagentur Bloomberg die Analystin und Direktorin von RBC Capital Markets, Deane Drey.

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Der Terminkontrakt ist ein reines Finanzderivat, das heißt Investoren erwerben kein physisches Wasser zu einem bestimmten Termin, sondern gehen lediglich eine Wette auf die Preisentwicklung in Kalifornien im jeweiligen Zeitraum ein. Gemessen wird der Preis an einem Index, der die fünf größten Wassermärkte des Bundesstaats umfasst. Das neue Finanzprodukt richtet sich dabei keineswegs nur an Hedgefonds und andere Anleger, die von einem steigenden Wasserpreis profitieren möchten. Wasserverbraucher, allen voran die Agrarunternehmen Kaliforniens, können den Terminkontrakt nutzen, um sich gegen Preissteigerungen abzusichern.

Für landwirtschaftliche Betriebe in Kalifornien, vom kleinen Familienunternehmen bis zum Agrarkonzern, stellt der Wasserpreis ein immer größeres, kaum noch zu kalkulierendes Risiko dar. In extremen Dürrezeiten, die sich infolge des Klimawandels häufen, schnellt der Preis extrem in die Höhe. Der Wasser-Future bietet den Landwirten eine Möglichkeit, sich gegen dieses Risiko mit einer Art Gegenwette abzusichern. Ein solches "Hedging" an der Börse ist in anderen Branchen, die Ressourcen mit stark schwankenden Preisen benötigen, seit Langem üblich. Fluglinien sichern sich etwa so gegen Preisausschläge beim Kerosin ab.

Quelle: ntv.de, mbo

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