Wirtschaft

Zwischen Hoffen und Bangen Welche Dax-Titel müssen Brexit fürchten?

RTSCYRY.jpg

Ob Großbritannien in der EU bleibt, ist ungewiss.

(Foto: REUTERS)

Sollten sich die Briten tatsächlich für einen Brexit entscheiden, würde das auch Dax-Titel treffen. Nicht nur Bank-Aktien dürften darunter leiden.

Panik war schon immer ein schlechter Rategeber für Anlageentscheidungen. Lohnt es sich also nach den kräftigen Kurseinbrüchen im Vorfeld der Brexit-Entscheidungen schon wieder in den Markt einzusteigen, obwohl erst am Donnerstag über den Austritt Großbritanniens aus der EU entschieden wird? Schließlich gab es in der Vergangenheit für langfristig orientierte Anleger häufig sehr gute Einstiegsgelegenheiten, nachdem richtungsweisende Ereignisse überstanden wurden. Fest steht: Anleger sollten die Risiken kennen.

Dax
Dax 11.635,26

Im Falle eines Brexit dürfte sich die britische Wirtschaft deutlich abkühlen und das Pfund spürbar unter Druck kommen. "Das würde insbesondere die exportabhängigen Unternehmen aus dem Dax deutlich belasten", sagt Michael Proffe, Chefanalyst vom Börsendienst Proffes Trend Depot. Die wichtigsten Export­güter Deutschlands nach Großbritannien waren im Jahr 2015 Kraft­wagen und Kraft­wagen­teile (29,1 Milliarden Euro) sowie Maschinen (8,8 Milliarden Euro).

Die Analysten der UBS haben durchgerechnet, welche Auswirkungen ein Rückgang des Pfund um zehn Prozent gegenüber dem Euro und ein Rückgang der britischen Autokäufe um zehn Prozent auf die europäischen Autohersteller hätten. "Die Abwärtsrisiken beim Gewinn je Aktie für die Autohersteller belaufen sich auf 5 bis 17 Prozent", schrieben die Experten der UBS bereits im Februar. Mit der Eintrübung der Perspektiven für die Autohersteller trüben sich aber auch jene für viele andere Zykliker, also Unternehmen aus stark konjunkturabhängigen Branchen, ein, wie den Autozulieferer Continental oder den Halbleiterhersteller Infineon, der einen wichtigen Teil seiner Umsätze im Autobereich generiert.

Bankaktien schwer im Stress

Deutlich betroffen wären außerdem die Banken, haben sie doch einen wichtigen Teil ihrer Aktivitäten im Investmentbanking - gerade im Handel mit Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffen, in London. Was die Geldhäuser, wie etwa die Deutsche Bank, absolut nicht gebrauchen können, ist noch mehr Gegenwind, haben sie doch ohnehin mit den sinkenden Zinsen stark zu kämpfen, die in den Industrieländern täglich neue Rekordtiefs erreichen. Wenn die Anleihekurse immer weiter steigen, drückt das das Handelsvolumen deutlich. Gleichzeitig kommt die Zinsmarge weiter unter Druck.

Ein Teil dieser Risiken ist allerdings schon in den Kursen reflektiert. Autobauer und Banken gehören seit Tagen zu den größten Verlierern im Dax. Eine Tendenz zu einem Verbleib von Großbritannien in der EU würde diesen Aktien auch schnell wieder Auftrieb geben. Bis zur Brexit-Entscheidung am 23. Juni dürfte es aber sehr volatil bleiben.

Außerhalb der Banken und Autobauer haben auch Linde und Hannover Rück kräftig gelitten, weil sie viel Geschäft in Großbritannien haben und unter einem schwächelnden Pfund leiden würden. Bei einem "Bremain" haben all diese Titel aber entsprechendes Kurspotenzial.

Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Aktien oder Anlageprodukten dar.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema