Wirtschaft

Energierekord ohne neue Anlagen Windräder könnten alle Haushalte abdecken

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Fast die Hälfte des Ökostroms stammt in Deutschland von Windrädern.

(Foto: picture alliance/dpa)

Lange Genehmigungsverfahren und Klagen haben den Ausbau der Windenergie in Deutschland fast zum Erliegen gebracht. Ärgerlich, denn laut dem größten deutschen Stromversorger produzieren die Anlagen so viel Strom wie nie. Ein ungewöhnlich windreiches Jahr hilft allerdings.

Der Ausbau der Windenergie in Deutschland stockt, die Stromerzeugung klettert dagegen auf Rekordwerte. Bis zu diesem Wochenende haben die Windräder an Land und auf See nach Berechnungen des Energiekonzerns Eon fast 108.000 Gigawattstunden Strom erzeugt. Das seien etwa 15 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres und fast genauso viel wie im gesamten vergangenen Jahr. Mit dieser Menge an Windenergie ließe sich Eon zufolge der Stromverbrauch aller deutschen Haushalte für ein komplettes Jahr decken.

Grund für den Rekord sei das bisher ungewöhnlich windreiche Jahr 2019. Intensive Tiefdruckgebiete hätten im Frühjahr und im Herbst für überdurchschnittlich viel Windstrom gesorgt. Ende November hätten zudem Ausläufer des ehemaligen Tropensturms "Sebastien" die Windräder besonders kräftig angetrieben. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur lieferten sie am vergangenen Donnerstag rund 48 Prozent der an diesem Tag erzeugten Strommenge.

Der starke Wind drückt auch die Gesamtmenge an Ökostrom, die in diesem Jahr produziert wird, nach oben: Bis Ende November wurde Eon zufolge mit 202.000 Gigawattstunden knapp zehn Prozent mehr Ökostrom produziert und in die Netze eingespeist als im Vorjahreszeitraum. Rund die Hälfte des bisher erzeugten Ökostroms stammte dabei von Windrädern an Land und auf See.

Lange Genehmigungsverfahren und Klagen

Der Ausbau der Windkraft ist in Deutschland fast zum Erliegen gekommen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres gab es den schwächsten Zubau an Windrädern in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Zwischen Januar und September 2019 gingen nur 150 neue Anlagen ans Netz. An den Auktionen der Bundesnetzagentur für neue Windkraftanlagen beteiligen sich nur noch wenige Bieter.

Hauptgründe für den weitgehenden Stillstand sind lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und Klagen gegen neue Anlagen. Die Energiebranche sowie Umweltverbände befürchten, dass die Ausbaukrise sich weiter verschärft. Die Ministerpräsidenten der fünf Nord-Bundesländer hatten am Freitag einen Elf-Punkte-Plan zur Belebung der Windenergie vorgelegt. Sie fordern unter anderem einen starken Ausbau der Windenergienutzung auf See, das Ausschöpfen aller möglichen Flächen für Anlagen, die Optimierung des Netzausbaus und die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren.

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Quelle: n-tv.de, chr/dpa

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