Wirtschaft

Piëch hat es prophezeit Winterkorn konnte nicht gewinnen

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Winterkorn (l.) und Piëch: zwei Manager, deren Schicksal untrennbar miteinander verwoben ist

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Rücktritt von VW-Chef Winterkorn scheint am Ende logisch. Im Grunde war seine Karriere schon im April mit der Fehde an der Konzernspitze beendet. Sein Widersacher Piëch wusste, woran er scheitern würde.

Es ist tragisch: Erst Ende April hatte Martin Winterkorn sich überraschend gegen die Attacken seines Ziehvaters im Konzern, Ferdinand Piëch, behauptet. Und jetzt, kaum ein halbes Jahr später doch der Rücktritt. Sein Sieg über den damaligen VW-Aufsichtsratschef wird zum Pyrrhussieg. Und Piëch geht mit Verspätung als der wahre Sieger aus dem Machtkampf hervor. Verloren aber hat VW. Denn zurück bleibt ein Scherbenhaufen.

Wer den Showdown Ende April mitverfolgt hat, hatte Winterkorn den Sieg gegönnt. Piëch hatte es zu weit getrieben. Der 68-jährige Winterkorn trat endlich raus aus dem Schatten des übergroßen Piëch. Und der 78-Jährige zog sich vermeintlich in die zweite Reihe zurück.

Dass Winterkorn intern von einem Großteil der Eigentümer noch vor wenigen Wochen als Aufsichtsratschef favorisiert wurde, schien fast logisch. Aber daraus wurde dann nichts mehr. Seine interne Nominierung für den Spitzenposten im Kontrollgremium scheiterte. Warum? Angeblich, weil ausgerechnet Piëch, der immer noch einen Posten im Aufsichtsrat inne hat, dazwischengefunkt hat.

Nur wenige Wochen später sieht es wieder so aus, als hätte jemand im Hintergrund Strippen gezogen. Winterkorn geht, aber viele Fragen bleiben. Warum fliegt dem Mann, der VW acht Jahre vorstand, die Manipulation von Abgaswerten ausgerechnet jetzt um die Ohren? Pünktlich zur IAA und genau zu dem Zeitpunkt, wo Winterkorns Vertrag um drei Jahre verlängert werden sollte? Seit Mai 2014 ist das Thema aktenkundig. Im Dezember 2014 gab es sogar einen ersten Rückruf von Fahrzeugen in den USA.

Seltsame Zufälle

Piëchs Worte von vor einem halben Jahr hallen nach. Damals ging er mit der Begründung auf "Distanz zu Winterkorn", dass der VW-Boss das US-Geschäft nicht im Griff habe. Jetzt zeigt sich: Piëch hatte recht. Sind das visionäre Fähigkeiten? Kann das Zufall sein?

Tragisch für Winterkorn: Die illegale Software, mit der die Diesel-Fahrzeuge manipuliert wurde, stammt tatsächlich aus dem Jahr 2005 - also vor seiner Zeit an der Spitze der Marke VW. Damals war Bernd Pischetsrieder Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Piëch war bereits Vorsitzender des Aufsichtsrats. Winterkorn, der als ausgewiesener Technik-Spezialist gilt, übernahm den Chefposten bei VW mit einer eigenen Crew erst im Jahr 2007.

Ist es möglich, dass Winterkorn wirklich nichts gewusst hat? Zumindest die Wolfsburger Führungsriege beteuert das. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil erklärte nach dem Rücktritt: "Wir reden über Vorgänge, die sehr weit zurückliegen und die sehr diskret behandelt worden sind." Auch Berthold Huber, amtierender Aufsichtsratsvorsitzender, fühlte sich bemüßigt, klarzustellen: "Wir wollen eindeutig festhalten, dass Herr Winterkorn keine Kenntnis hatte von der Manipulation der Abgaswerte."

Aber alle sind sich einig, dass es gut ist, dass Winterkorn die Verantwortung übernimmt. Weil spricht von einer "sehr honorigen Haltung". Auch Huber drückt seine "größte Hochachtung" aus. Winterkorn selbst sagt von sich, er trete "im Interesse des Unternehmens" zurück. Er sei sich aber keines Fehlverhaltens bewusst.

Wer ist schuld?

Stimmt das, ist Winterkorn nur der Sündenbock. Dem Konzern und Ferdinand Piëch mag das im Moment genügen. Ausreichen tut es nicht. Es reicht weder, um den erlittenen Imageschaden zu kitten, noch wird es die Gerichte davon abhalten, Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe zu verhängen. Das Wichtigste ist jetzt, herauszufinden, wer diesen Betrug wirklich angezettelt hat. Nur dann ist ein Neuanfang möglich.

Winterkorn und Piëch werden derweil in die Geschichte eingehen als zwei Ausnahmemanager, die mit ihrem Tatendrang viel für Deutschland bewegt haben. Die aus Volkswagen fast einen Weltmarktführer gemacht hätten. Aber so verdienstvoll die Arbeit der beiden war, das Karriere-Ende dieser beiden Manager ist würdelos. Der Schaden ist für den Traditionskonzern nicht absehbar.

Quelle: n-tv.de

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