Wirtschaft

Drohender Machtkampf bei VW Winterkorn trotzt Piëchs Angriff

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Jahrzehntelang enge Vertraute - doch nun ist das Verhältnis zwischen Piëch und Winterkorn zerrüttet.

(Foto: imago/Lars Berg)

Jahrelang lenkte das Duo Piëch und Winterkorn die Geschicke bei VW. Doch nach der überraschenden Distanzierung seitens Piëch ist das Vertrauen erschüttert. Die Folge könnte ein Machtkampf um die Führung sein - denn weichen will Winterkorn nicht.

Bei Volkswagen droht ein erbitterter Machtkampf um die Führungsspitze. Dabei geht es um die Zukunft von Vorstandschef Martin Winterkorn, nachdem Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch von seinem langjährigen Wegbegleiter abgerückt war. VW-Chef Martin Winterkorn will sich aber offenbar nicht von Piëch aus dem Konzern drängen lassen. "Winterkorn wird nicht aufgeben, er wird weitermachen", verlautet es aus Unternehmenskreisen. "Winterkorn hat starke Verbündete - Niedersachsen und den Betriebsrat."

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass Winterkorn sich nicht vom Hof jagen lassen wolle. Der VW-Chef blicke auf eine außerordentlich erfolgreiche Managerkarriere zurück. So schnell werfe er den Bettel nicht hin. Der VW-Konzern wollte dies bislang nicht kommentieren.

Piëch hatte sich zuvor im "Spiegel" mit dem Satz zitieren lassen: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn." Damit säte Piëch Zweifel, ob Winterkorn ihn nach seiner Amtszeit an der Konzernspitze als Aufsichtsratschef beerbt. Viele in Wolfsburg hatten erwartet, dass Winterkorn, dessen Vertrag bis Ende 2016 läuft, auch danach noch etwa zwei Jahre an der Spitze des Konzerns bleibt, bevor er Piëch als Aufsichtsratschef ablöst.

Keine Entscheidung ohne Piëch

Betriebsratschef Bernd Osterloh stellte sich bereits hinter Winterkorn. Mit ihm habe der Konzern "den erfolgreichsten Automobilmanager an Bord", erklärte Osterloh. Wenn es nach dem Willen der Arbeitnehmer gehe, solle Winterkorns Vertrag über 2016 hinaus verlängert werden.

Auch das Land Niedersachsen, der zweitgrößte Aktionär, stärkte Winterkorn den Rücken. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sei "unangenehm überrascht" über Piëchs Aussagen, sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei. Niedersachsen sehe die Entwicklung von Volkswagen positiv und pflege eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Vorstandsvorsitzenden.

Sowohl Osterloh als auch Weil sitzen im VW-Aufsichtsrat. Dort bräuchte es rein rechtlich eine Mehrheit von elf aus zwanzig Stimmen, um Winterkorn abzusetzen. Zwar könnte Piëch als Vorsitzender von seinem Doppelstimmrecht Gebrauch machen, er müsste aber auch noch die weiteren Mitglieder der Familien Porsche und Piëch auf der Arbeitgeberbank auf seine Seite ziehen.

Piëch hatte die Konzernspitze vor Winterkorn selbst geführt. Jahrzehntelang besaß er ein großes Vertrauensverhältnis zu ihm. Die Familien Porsche und Piëch haben die Stimmenmehrheit bei Volkswagen. Ohne Piëch, das ist Konsens, fällt keine zentrale Entscheidung bei VW.

Quelle: ntv.de, fma/rts/dpa