Wirtschaft

Düstere Stimmung wegen GrönlandZollängste sorgen für Abverkauf an der Wall Street

20.01.2026, 22:56 Uhr
00:00 / 07:13
Specialist-Gregg-Maloney-works-at-his-post-on-the-floor-of-the-New-York-Stock-Exchange-Tuesday-Jan-20-2026
Die Geopolitik macht den US-Anlegern Angst. (Foto: AP)

Das Angstbarometer an der Wall Street klettert auf einen Höchststand: Trumps Grönland-Kurs setzt die Kurse unter Stress und sorgt für eine Flucht aus US-Staatsanleihen. Auch Zweifel am KI-Boom setzen den Anlegern zu.

Die Eskalation im Streit um Grönland hat die Wall Street durchgerüttelt und alle drei großen Börsenindizes abrutschen lassen. Weil am Montag der US-Handel wegen eines Feiertags ruhte, konnten die Anleger erst jetzt auf die Eskalation des Streits um Grönland reagieren. Am Wochenende drohte der US-Präsident Donald Trump all jenen europäischen Ländern Strafzölle an, die sich seinem Streben nach Grönland widersetzen und sich stattdessen an die Seite Dänemarks stellen. Betroffen davon sind Deutschland, Dänemark, Schweden, Frankreich, die Niederlande und Finnland sowie Großbritannien und Norwegen.

Trump hatte erklärt, dass für die acht Länder ab dem 1. Februar Strafzölle von 10 Prozent gelten sollen, die ab dem 1. Juni dann sogar auf 25 Prozent steigen könnten. Diese Zölle sollen gelten, bis ein Abkommen über den Kauf Grönlands durch die USA erzielt werde. Kurz danach teilte Trump zusätzlich gegen Präsident Emmanuel Macron aus und drohte wegen der zögerlichen Haltung Frankreichs, dem Friedensrat für den Gazastreifen beizutreten, mit Zöllen von 200 Prozent auf Wein und Champagner. Investoren seien besorgt, dass die Androhung der Zölle der Beginn einer weiteren Eskalation der Handelsspannungen sein könnte, von denen viele gehofft hätten, sie im Jahr 2025 endlich hinter sich gelassen zu haben, erklärte ein Marktteilnehmer.

Der Cboe Volatility Index (VIX), der als Angstbarometer der Wall Street gilt, schnellte zeitweise auf 20.69 hoch, so hoch wie seit dem 25. November nicht mehr. Der Dow-Jones-Index verlor 1,8 Prozent auf 48.489 Punkte, der S&P-500 gab um 2,1 Prozent auf 6797 Punkte nach und der Nasdaq-Composite rutschte um 2,4 Prozent auf 22.954 Zähler ab. Dabei wurden an der Nyse 611 (Freitag: 1180) Kursgewinner und 2168 (1565)- verlierer gesehen. Unverändert schlossen 65 (68) Titel. Ein Devisen- und Zinsstratege von Macquarie beschrieb die Stimmung "auf der ganzen Welt" als recht düster. Zudem seien keine wichtigen Wirtschafts- oder Handelsdaten veröffentlicht worden, so dass die Anleger Zeit gehabt hätten, über Trumps jüngsten Schritt nachzudenken.

Gold und Silber im Höhenflug

Neben Aktien gerieten aber auch US-Staatsanleihen und der US-Dollar unter Druck. Normalerweise gelten diese Anlagen in Krisenzeiten als "sichere Häfen" und ein Marktteilnehmer verwies darauf, dass sich ein generelles "Sell-America"-Thema abzeichne. Nun richteten sich die Blicke auf das Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos, wo Trump am Mittwoch sprechen soll. Wegen der Angst vor einem eskalierenden Handelskonflikt hielt die Flucht in als sicher geltende Anlagen an. Die Preise für Gold und Silber stiegen zwischenzeitlich auf neue Rekordstände. Zur Schlussglocke zeigte sich der Goldpreis mit einem Plus von 3,7 Prozent und Silber verteuerte sich um 6,6 Prozent.

Unter Druck geriet hingegen der Dollar-Index, der rund 0,9 Prozent einbüßte. Nach Einschätzung von Analysten belastete einerseits die geopolitischen Spannungen rund um den Grönland-Streit und andererseits die "Sell-America-Trades". Eine weitere Eskalation des Grönland-Konflikts könnte den Dollar zudem weiter absacken lassen. Die Ölpreise haben unterdessen, auch gestützt von dem schwachen Dollar, etwas zugelegt. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März stieg um 0,1 Prozent und der Preis für US-Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 0,3 Prozent zu. Die Kursbewegungen hielten sich wie am Vortag in einer vergleichsweisen engen Handelsspanne und ein Rohstoffhändler sagte, die Ölpreise befänden sich in einem komplexen Spannungsfeld zwischen geopolitischen Risiken und einer steigenden Fördermenge.

Die Kurse von US-Staatsanleihen gaben nach und die Rendite zehnjähriger Anleihen legte um 6 Basispunkte auf 4,29 Prozent zu. Neben dem Streit um Grönland belastete auch der starke Renditeanstieg am japanischen Anleihemarkt. Wie Japan haben auch die Vereinigten Staaten einen hohen Schuldenstand. Zudem wird befürchtet, dass das aggressive Vorgehen der USA im Grönland-Konflikt zu einem Rückgang der Nachfrage nach deren Staatsanleihen führen könnte.

Zweifel am KI-Boom

Die Bilanzsaison spielte unterdessen eine untergeordnete Rolle angesichts der politischen Großwetterlage. Unter anderem hatte 3M über den Verlauf des vierten Quartals berichtet. Umsatz und Ergebnis übertrafen die Konsensschätzungen von Analysten. Allerdings schrumpfte die Marge im Quartal stärker als erwartet. Für das laufende Jahr stellt 3M ein beschleunigtes Wachstum in Aussicht. Die Aktie konnte sich der negativen Stimmung nicht entziehen und fiel um 6,9 Prozent. Die Aktie des KI-Chipherstellers Nvidia büßte 4,4 Prozent ein. Neben der der allgemeinen Marktunruhe wegen Grönland drückten auch die Zweifel, ob der Boom um Künstliche Intelligenz anhält.

Nach Handelsschluss wird Netflix Geschäftszahlen vorlegen. Zunächst galt das Interesse hier aber dem Bieterkampf mit Paramount Skydance um Warner Bros Discovery. Netflix hatte die bisherige Offerte durch ein reines Barangebot für die Film- und Fernsehstudios und das Streaming-Geschäft von Warner ersetzt. Warner wiederum bevorzugt das Netflix-Gebot, unter anderem weil seine Aktionäre Anteile an dem Teil des Unternehmens behalten würden, den der Streaminganbieter nicht kauft. Paramount hingegen hat erklärt, dass dieser Teil des Unternehmens seiner Meinung nach keinen Wert habe. Der Kurs von Netflix verlor 1 Prozent, Warner drehten im Verlauf ins Minus und schlossen mit einem Abschlag von 1,2 Prozent. Paramount gaben 2 Prozent ab.

Alles Weitere zum heutigen Börsengeschehen finden Sie hier.

Quelle: ntv.de, mau/DJ