Der Börsen-Tag
20. Januar 2026
imageHeute mit Thomas Badtke und Wolfram Neidhard
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08:02 Uhr

Hoffen auf Davos – Grönland im Fokus

In einer weiter vorsichtigen Seitwärtsbewegung werden Europas Börsen erwartet. Der Finger liege zwar weiter auf der Verkaufstaste, heißt es im Handel, jedoch würden konkrete politische Entscheidungen der EU abgewartet. Gerade die persönliche Nähe der Politiker auf dem Gipfeltreffen in Davos erlaube kurze Entscheidungswege, um eine Eskalation wegen Trumps Grönland-Drohungen zu vermeiden. Solange diese Hoffnung noch bestehe, dürfte ein erneuter Abverkauf an Europas Börsen vermieden werden. Die Dax-Futures rutschten in der Nacht zwar kurz weiter ab, die tieferen Kurse wurden vom Markt aber sogleich wieder gekauft.

Entscheidend dürfte die Reaktion der US-Börsen am Nachmittag auf den Zollkonflikt werden. Denn Trump ist bekannt dafür, auf die Kursreaktionen an der Wall Street zu achten. "Kräftige US-Verluste wären insofern gut, Trump würde dann verstehen, dass er auf dem falschen Weg ist", kommentierte ein Händler. Schon das Alleinlassen der Opposition im Iran habe gezeigt, dass seinen markigen Worten nichts folge.

Die heutigen Konjunkturdaten seien aktuell irrelevant, da sie die Eskalation um Grönland kaum einfangen können. Viele deutsche Unternehmensverbände wie der VCI hatten am Vortag über die Unberechenbarkeit der Lage geklagt. Weder Kosten, noch Aufträge und Einnahmen seien bei den unzuverlässigen Rahmenbedingungen kalkulierbar. Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen dürfte diese Situation nicht einfangen. Dazu steht am Nachmittag ein Urteilstermin des US-Supreme-Court an. Er könnte sich dann zur Rechtmässigkeit der US-Zölle äußern, muss es aber nicht.

Hoffen auf Davos – Grönland im Fokus
07:44 Uhr

OpenAI zündet Wachstumsturbo

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OpenAI hat ChatGPT entwickelt. (Foto: Richard Drew/AP/dpa)

OpenAI hat seinen Umsatz 2025 dank massiv ausgebauter Rechenkapazitäten mehr als verdreifacht. Der annualisierte Erlös habe die Marke von 20 Milliarden Dollar überschritten, so die Finanzchefin Sarah Friar. Im Jahr 2024 habe der Umsatz noch bei sechs Milliarden Dollar gelegen. Auch die Rechenleistung sei deutlich gestiegen auf 1,9 Gigawatt von 0,6 Gigawatt im Vorjahr. Auch die Zahl der wöchentlich und täglich aktiven Nutzer bewege sich auf Höchstständen.

Für das Jahr 2026 kündigte Friar einen Fokus auf die "praktische Anwendung" der Technologie an, insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Wissenschaft und Unternehmen. Die nächste Phase der Plattform werde sich auf sogenannte Agenten und die Automatisierung von Arbeitsabläufen konzentrieren.

OpenAI zündet Wachstumsturbo
07:27 Uhr

Briten wollen Fusionen stärken

Großbritannien will sein Wettbewerbsrecht reformieren, um den Wirtschaftsstandort zu stärken. Die Regierung kündigte am Montag, sollten Untersuchungen, ob Übernahmen oder Fusionen den Wettbewerb behindern würden, schneller und einfacher werden. Das Regelwerk solle "vorhersehbarer und verhältnismäßiger" gestaltet werden. Die staatliche Wettbewerbsaufsicht CMA will deshalb vergangene Entscheidungen überprüfen, um zu bewerten, ob sie auch heute noch sinnvoll seien. Bereits jetzt gebe es eine Liste von 33 Maßnahmen, die möglicherweise nicht mehr notwendig seien und deren Wegfall die Bürokratielast für Firmen verringern könnte.

Briten wollen Fusionen stärken
07:10 Uhr

Trump-Drohungen: Wirtschaftsweiser fordert Härte von EU

Der Wirtschaftsweise Martin Werding hat die Europäische Union angesichts der Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit Grönland zu einer harten Antwort aufgefordert. Der "Rheinischen Post" sagte Werding, alle Gegenmaßnahmen gehörten wieder auf den Tisch, die in den Diskussionen über die von Trump im vergangenen Jahr angedrohten Zölle vorbereitet worden seien. Trump lasse klar erkennen, dass es ihm in Grönland nicht um Sicherheitsinteressen gehe, sondern um Gebietsansprüche. Damit verletze er die Souveränität von Partnerländern und gefährde die Funktionsfähigkeit und damit den Fortbestand der Nato. Die Zollfrage sei dabei nur ein Nebenkriegsschauplatz, erklärte der Ökonom. Genau darum dürfe die EU in diesem Streit jedoch nicht einknicken.

Trump-Drohungen: Wirtschaftsweiser fordert Härte von EU
06:52 Uhr

Henkel bestätigt Kaufgespräche in den Niederlanden 

Henkel hat Gespräche über einen möglichen Kauf der niederländischen Stahl Holdings bestätigt. Derzeit liefen Verhandlungen mit dem Mehrheitseigentümer Wendel aus Frankreich, wie der Konsumgüterkonzern mitteilte. Damit reagierte das Unternehmen auf Spekulationen am Markt. Ob es zu einer Einigung komme, sei derzeit jedoch offen. Ein möglicher Deal stehe zudem unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Gremien sowie der Kartellbehörden.

Henkel bestätigt Kaufgespräche in den Niederlanden 
06:34 Uhr

"Sell America"-Handel gewinnt an Fahrt

Die Drohung von US-Präsident Donald Trump, die Kontrolle über Grönland notfalls mit neuen Zöllen zu erzwingen, schürt die Furcht vor einem neuen Handelskrieg. An den asiatischen Börsen drücke dies auf die Stimmung. Anleger flüchten in als sicher geltende Anlagen wie den Schweizer Franken und Gold. Zudem gewinnt der "Sell America"-Handel an Fahrt, bei dem Investoren US-Aktien, den Dollar und US-Staatsanleihen verkaufen. "Auch wenn es zu einer Deeskalation kommt, wird diese Episode viele dazu veranlassen, an der Glaubwürdigkeit eines jeden Abkommens mit Trump zu zweifeln, so dass die Unsicherheit über die Zölle hoch bleiben wird", sagt Henry Cook, Europa-Volkswirt bei MUFG.

Der japanische Nikkei-Index gibt 1,1 Prozent auf 52.992,02 Punkte nach. Hier belasten zusätzlich Sorgen vor den Wahlen im kommenden Monat. Die von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi in Aussicht gestellten Steuersenkungen und Mehrausgaben könnten die Staatsfinanzen weiter belasten. Der Shanghai Composite verliert 0,3 Prozent.

"Sell America"-Handel gewinnt an Fahrt
06:17 Uhr

Das ist los im frühen Devisengeschäft

Am Devisenmarkt gewinnt der Dollar geringfügig auf 157,96 Yen und legt leicht auf 6,9606 Yuan zu. Zur Schweizer Währung rückt er etwas auf 0,7964 Franken vor. Parallel dazu bleibt der Euro fast unverändert bei 1,1656 Dollar und zieht leicht auf 0,9282 Franken an.

Das ist los im frühen Devisengeschäft
06:00 Uhr

Angst vor "noch nie dagewesener Spirale aus Zöllen"

Zum Wochenstart hat der Dax direkt die 25.000er-Marke hergeschenkt. Der Grund liegt in den USA, denn Präsident Donald Trump droht mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, im Grönland-Streit mit Zöllen. Der deutsche Börsenleitindex, der am Freitag noch mit fast 25.300 Zählern ins Wochenende gegangen war, gab 1,3 Prozent auf 24.959 Stellen nach. "Anders als in früheren Verhandlungen wird die EU wohl diesmal nicht klein beigeben", sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. "Es besteht das Potenzial für eine noch nie dagewesene Spirale aus Zöllen, Gegenzöllen und weiteren Maßnahmen."

Heute nimmt das Weltwirtschaftsforum im Schweizer Alpenort Davos mit prominenten Rednern Fahrt auf. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, US-Finanzminister Scott Bessent und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gehören ebenso zu den Rednern wie Chinas Vize-Ministerpräsident He Lifeng, Kanadas Ministerpräsident Mark Carney oder die britische Finanzministerin Rachel Reeves. Aus Deutschland treten unter anderem Bundesbank-Präsident Joachim Nagel oder Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp auf. Im Fokus diplomatischer Bemühungen am Rande dürften neben den jüngsten Zoll-Drohungen aus den USA der Krieg in der Ukraine und der Grönland-Streit stehen.

Hierzulande veröffentlicht das ZEW die Umfrage zur Konjunktureinschätzung der Investoren im Januar. Experten erwarten einen Anstieg des ZEW-Barometers auf 50 Zähler von 45,8 Punkten. Im Vormonat hatten die Börsenprofis die Aussichten der deutschen Wirtschaft überraschend positiv beurteilt. Nach drei Jahren wirtschaftlicher Stagnation spiegelte das Stimmungsbild laut dem ZEW gute Chancen für eine Konjunkturbelebung wider. Dies geht einher mit der Erwartung vieler Experten, dass die Wirtschaft dieses Jahr wieder Tritt fassen wird.

Unternehmensseitig läutet der Streamingdienst Netflix wie üblich die Bilanzsaison der großen US-Technologiewerte ein. Die Quartalsergebnisse von Netflix spielen diesmal jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Börsianer richten ihre Aufmerksamkeit auf Neuigkeiten zum Bieterwettkampf mit Paramount Skydance um Warner Bros Discovery. Analysten gehen davon aus, dass Netflix dank der finalen Staffel der Serie "Stranger Things" und des neuen Films der Krimireihe "Knives Out" mit einem Plus von knapp 17 Prozent das größte Wachstum in einem vierten Quartal seit 2020 verbucht hat.

Angst vor "noch nie dagewesener Spirale aus Zöllen"