Wirtschaft

Ifo-Index fällt im Januar Zweite Welle trübt Konjunkturaussichten

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Der Einzelhandel ist bereits seit Mitte Dezember geschlossen.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Alle Hoffnungen auf eine schnelle Erholung der Wirtschaft sind dahin. Viele Firmenchefs rechnen eher mit schlechteren Geschäften. Auch die Industrie fürchtet Corona-bedingte Betriebsschließungen. Ifo-Chef Fuest appelliert an die Regierung, ein Firmensterben zu verhindern.

Die Stimmung der Unternehmen in Deutschland verschlechtert sich zum Jahresauftakt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Januar auf 90,1 Punkte von 92,2 Zählern im Vormonat, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut mitteilte. An der Umfrage nahmen rund 9000 Manager teil. "Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft vorläufig beendet", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Manager beurteilten den Ausblick für ihre Geschäfte und ihre Lage ungünstiger als zuletzt.

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Ifo-Chef Clemens Fuest warnt davor, auch Industriebetriebe zu schließen.

(Foto: dpa)

Die deutsche Wirtschaft war 2020 wegen der Corona-Pandemie mit fünf Prozent so stark eingebrochen wie seit der Finanzkrise nicht mehr und schrumpfte zugleich erstmals seit elf Jahren. Ökonomen trauen der Konjunktur im laufenden Jahr wieder eine spürbare Besserung zu, die allerdings stark vom weiteren Pandemie-Verlauf abhängt und vom Erfolg der Impfungen. Die Bundesregierung hat bisher für 2021 offiziell mit einem Wachstum von 4,4 Prozent gerechnet, dürfte ihre Prognose laut Reuters-Informationen aber im neuen Jahreswirtschaftsbericht am Mittwoch auf drei Prozent senken.

Angesichts der angespannten Lage warnte Fuest vor der Schließung von Industriebetrieben. "Es wäre Wahnsinn, die Industrie jetzt stillzulegen", sagt er im ZDF. Das dürfe man unter keinen Umständen tun. "Wir müssen die Industrie offen halten, wir können uns einen wirtschaftlichen Zusammenbruch nicht leisten." Es müssten ja auch weiter Hilfen gezahlt werden können für die geschlossenen Bereiche. "Wo soll das denn sonst herkommen?", fragte Fuest.

Fuest hält Pleitewelle für vermeidbar

Seit Wochen warten viele Unternehmer auf die Auszahlung der beantragten sogenannten Novemberhilfen. Damit wollte der Bund Betrieben eigentlich schnell unter die Arme greifen: Bis zu 75 Prozent des Vorjahresumsatzes sollen die Antragsteller erhalten. Zudem wurde ein Dezember-Hilfsprogramm aufgelegt. Es sei kein Zustand, dass viele angekündigte Hilfen der Bundesregierung aus dem vergangenen Jahr noch nicht ausbezahlt worden seien, sagte Fuest. Er nahm aber auch die Behörden in Schutz, auf die in dieser Pandemie viel zukomme. "Das ist eine Belastungssituation, und deshalb ist es nicht überraschend, dass es da langsam geht."

Die Corona-Krise müsse nicht zwangsläufig zu einer Pleitewelle führen. Die betroffenen Branchen seien begrenzt. "Natürlich wird es mehr Insolvenzen geben", sagte Fuest. "Aber wir können ohne eine massive Insolvenzwelle durch diese Pandemie kommen, wenn wir es richtig angehen."

Quelle: ntv.de, jug/rts/dpa