Wirtschaft

"Schadet vor allem US-Industrie" Zypries warnt Trump vor Protektionismus

US-Präsident Trump will sein Land vor angeblich unfairen Praktiken seiner Handelspartner schützen. Das mögliche Abrücken vom freien Warenverkehr stößt in Berlin jedoch auf Kritik. Wirtschaftsministerin Zypries warnt vor den Folgen.

Die Bundesregierung zeigt sich zunehmend alarmiert über die Handelspolitik des US-Präsidenten Donald Trump. Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries kritisierte einen Erlass Trumps, mit dem die hohen US-Defizite im Handel mit Ländern wie China, Deutschland und Japan ins Visier genommen werden. Der Präsident ordnete eine Untersuchung an, die unfaire Praktiken durch Dumpingpreise, Subventionen und verzerrte Devisenkurse ermitteln soll.

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Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries fürchtet um den freien Handel mit den USA.

(Foto: imago/IPON)

"Das sind zwar zunächst nur Prüfaufträge", erklärte Zypries. "Sie zeigen aber, dass die USA offensichtlich abrücken wollen von freiem Handel und geltenden Handelsabkommen." Die Ministerin kündigte einen konstruktiven Dialog mit der Regierung in Washington an. Dabei müsse deutlich gemacht werden, dass die Gründe für das Handelsdefizit der USA nicht nur im Ausland lägen. "Ich werde meine Reise im Mai in die USA genau dazu nutzen." Die Differenzen waren bereits beim ersten Zusammentreffen von Kanzlerin Angela Merkel und Trump deutlich geworden.

"Trumps Kurs nach wie vor unklar"

Zypries sagte der Zeitung "Welt am Sonntag", Trumps Kurs sei nach wie vor unklar. "Das ist nicht gut für die Wirtschaft und nicht gut für langfristige Investitionen." Ihren Worten zufolge ist es bislang kaum möglich, mit der amerikanischen Seite ins Gespräch zu kommen. So gebe es immer noch keinen US-Handelsbeauftragten, auf Arbeitsebene seien Hunderte Stellen nicht besetzt. "Wir haben also oft schlicht noch keine Ansprechpartner."

Zypries warnte Trump vor einer protektionistischen Politik. Dadurch würde er die aus Deutschland gelieferten Maschinen und Anlagen für heimische Abnehmer teurer machen, erläuterte sie. "Er würde damit also vor allem der US-Industrie schaden." Notfalls müsse die EU die Welthandelsorganisation anrufen. Dazu könne es kommen, wenn die Zölle auf europäische Autos auf über 2,5 Prozent angehoben würden. Strafzölle gegen ausländische Stahlhersteller, darunter die deutschen Firmen Salzgitter und Dillinger Hütte, hat die US-Regierung bereits angekündigt.

Quelle: n-tv.de, kst/rts

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