DAX stoppt erst einmal den Abwärtstrend
Die Frankfurter Börse hat einmal mehr einen zähen Handelstag hinter sich. Die Anleger agierten weiterhin vorsichtig und verwiesen auf die Gefahr, dass die Notenbanken bei der Straffung der Geldpolitik überziehen könnten. "Damit könnte die Konjunktur ein zweites 'Rezessionsbein' ausbilden", befürchtete ein Börsianer.
Im Fokus standen die Aussagen vom Notenbankertreffen im portugiesischen Sintra. In den USA wurden wichtige Konjunkturindikatoren veröffentlicht, so das Verbrauchervertrauen und vor allem die Neubauverkäufe. Positiv aufgenommen wurden die US-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter, sie deuten eher auf eine weiche als auf eine harte Landung der US-Wirtschaft hin.
Der DAX ging nach sechs Tagen mit Verlusten mit einem kleinen Plus von 0,2 Prozent auf 15.847 Punkte aus dem Handel. Sein Tageshoch vom Vormittag lag bei 15.896 Zählern. Der EUROSTOXX50 notierte 0,6 Prozent höher bei 4305 Stellen.
Bei den Einzelwerten gewannen im DAX Siemens Energy 2,3 Prozent. Die Analysten von Goldman Sachs bezeichneten die Marktreaktion auf die jüngsten Probleme als "übertrieben" und hievten damit die Aktie ins Plus. Die Experten empfehlen die Papiere zum "Kauf". Die Aktie war seit Freitag um mehr als 30 Prozent abgestürzt.
Gedämpfte Geschäftsaussichten in den USA belasteten dagegen den Dialysekonzern Fresenius Medical Care. Die im MDAX notierten FMC-Aktien fielen um 5,5 Prozent. Zuvor war bekannt geworden, dass in Übersee die Erhöhung der Erstattungssätze für Dialysedienstleistungen durch die staatliche Krankenversicherung Medicare für Senioren wohl geringer als erwartet ausfällt.
Eine Drosselung der Produktion von E-Autos im Emdener Werk ließ die VW Vorzüge um 1,7 Prozent sinken. Ein Konzernsprecher sagte, dass der DAX-Konzern "sein Geschäft aktiv steuert" und sich dabei auf die Rentabilität und nicht auf das Volumen konzentriert.
"Wir sehen erste Indikatoren für wirtschaftliche Abkühlung"
Deutsche-Bank-Chef vergleicht Inflationsverlauf mit Fieberverlauf
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sieht die Notenbanken im Kampf gegen hohe Inflation weiterhin gefordert. "Es wäre ein schwerer Fehler, jetzt in irgendeiner Form nachzulassen", sagte der Manager, der auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) ist, dem Portal "The Pioneer": "Das ist genauso, als wenn Sie 40 Fieber gehabt haben, und das Fieber ist auf 38,5 oder 39 zurückgegangen und Sie hören auf, ihre Medizin zu nehmen. Dann haben Sie einen Rückschlag."
Die EZB hat die Zinsen im Euroraum seit Juli 2022 acht Mal in Folge angehoben. Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Geld bei der EZB besorgen können, liegt mittlerweile bei 4,00 Prozent.
Luxusjachten-Hersteller startet an der Mailänder Börse
In einem ruhigen Fahrwasser verläuft bisher der erste Handelstag von Ferretti an der Mailänder Börse. Der Hersteller von Luxusjachten mit bekannten Marken wie Riva und Pershing platzierte Aktien bei drei Euro bei den Investoren, aktuell wird die Aktie zu diesem Kurs an der Börse gehandelt, die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt bei rund einer Milliarde Euro.
Der Börsengang "stieß auf großes Interesse bei führenden italienischen und internationalen institutionellen Anlegern, was zu einer Erweiterung und Stärkung der institutionellen Beteiligungsstruktur des Unternehmens führen wird", teilte das Unternehmen mit. Die Aktien waren bisher nur in Hongkong gelistet, der chinesische Mischkonzern Weichai bleibt weiterhin Großaktionär.
Wall Street nach starken Konjunkturdaten im Plus
Überraschend starke Konjunkturdaten haben die Wall Street am Dienstag ins Plus gehievt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zur Eröffnung 0,1 Prozent höher bei 33.739 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 0,2 Prozent auf 4337 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,4 Prozent auf 13.389 Stellen.
Die US-Industrie hat im Mai überraschend ein Auftragsplus eingefahren. Auch die Daten zum US-Verbrauchervertrauen fielen unerwartet stark aus. Analysten zufolge interpretierten die Investoren die Zahlen als Hinweis, dass die US-Notenbank sich ihrem Ziel nähert, mit Zinserhöhungen die Inflation zu dämpfen, ohne die Wirtschaft abzuwürgen.
Die nachlassende Nachfrage nach Covid-19-Tests und -Impfstoffen belastete unterdessen die Aktie von Walgreens Boots. Die Papiere der US-Apothekenkette brachen nach einer Prognosesenkung um neun Prozent ein.
Deutschland hat mit massiven Kapitalabflüssen zu kämpfen
Trotz der jüngsten Ansiedlungen großer Konzerne wie Intel oder Wolfspeed meiden einer Studie zufolge immer mehr Investoren den Standort Deutschland. 2022 flossen 132 Milliarden US-Dollar mehr Direktinvestitionen ab als in Deutschland investiert wurden, wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) berichtete. Unter 46 Staaten sei das der stärkste Abfluss.
"Die Zahlen sind als Warnsignal zu verstehen, dass der Standort an Attraktivität verliert: Demografie oder hohe Energiepreise setzen Deutschland zu", wird IW-Ökonom Christian Rusche zitiert. "Viele Probleme sind aber hausgemacht." Hohe Unternehmenssteuern, bleierne Bürokratie und eine marode Infrastruktur hätten Deutschland immer unattraktiver gemacht.
Risiken für Geschäfte von Banken in Russland gestiegen
Die EZB warnt eindringlich vor steigenden Gefahren, die mit Geschäften der Banken in Russland verknüpft sind. Die Reputations-, Rechts-, und Finanzrisiken, die mit Aktivitäten dort und in Belarus verbunden seien, hätten zugenommen, erklärte EZB-Chefbankenaufseher Andrea Enria in einem Brief an Mitglieder des EU-Parlaments.
Von der EZB beaufsichtigte Institute hätten zwar ihre Engagements dort verringert. Dennoch habe er wiederholt und öffentlich seine Besorgnis über die enttäuschend langsamen Fortschritte der Banken bei der Verringerung der Risiken geäußert, die sich aus Geschäften in Russland ergeben.
DAX am Rekordhoch gescheitert - Wo ist jetzt der Boden?
Der DAX hat es wieder nicht geschafft, nachhaltig über seine alten Hochpunkte auszubrechen. Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen? Raimund Brichta spricht darüber mit Dirk Heß von der Citigroup.
Inflationsbekämpfung könnte länger dauern
Die wichtigsten Zentralbanken der Welt werden nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) möglicherweise länger brauchen, um die Inflation auf das anvisierte Niveau zu senken. Zudem könnten neue Turbulenzen an den Finanzmärkten den Prozess weiter in die Länge ziehen, sagt die stellvertretende IWF-Chefin Gita Gopinath. "Die Inflation braucht zu lange, um wieder auf das Zielniveau zu kommen", sagt sie auf der Jahrestagung der Europäischen Zentralbank in Sintra in Portugal.
"Während die Gesamtinflation deutlich zurückgegangen ist, ist die Inflation bei Dienstleistungen hoch geblieben", so Gopinath. Der Zeitpunkt, bis das Inflationsziel erreicht werde, könnte sich verschieben. Eine solche Verzögerung wäre kostspielig, denn die Zentralbanken müssten ihre straffe Geldpolitik fortsetzen, obwohl sich dies negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirke.
VW kürzt E-Auto-Produktion in Emden - Aktie fällt
Eine Drosselung der Produktion von E-Autos im Volkswagen-Werk in Emden setzt der Aktie der Wolfsburger zu. Die Papiere des Autobauers verloren 2,4 Prozent und waren damit zeitweise Schlusslicht im DAX.
Ein Konzernsprecher sagte, dass Volkswagen "sein Geschäft aktiv steuert" und sich dabei auf die Rentabilität und nicht auf das Volumen konzentriert. Zuvor hatte dpa-AFX unter Berufung auf den VW-Betriebsrat in Emden berichtet, der Konzern wolle die Produktion in den nächsten zwei Wochen kürzen, weil die Nachfrage geringer sei als ursprünglich erwartet.
Analysten: Abhängigkeit von russischen Rohstoffen weiter hoch
Laut den Rohstoffanalysten der Commerzbank scheint der innenpolitische Konflikt in Russland keine tiefen Spuren an den Rohstoffmärkten hinterlassen zu haben. Dennoch blicken die Experten erneut auf die Risiken für die Rohstoffmärkte. Auch wenn die bereits bestehenden Sanktionen Russlands Exporteinnahmen erheblich beschnitten, gebe es durchaus noch wichtige Bereiche, die bislang nicht von Sanktionen belegt seien und entsprechend bei einer Verschärfung des Konflikts betroffen sein könnten.
Hier sei insbesondere der Handel von wichtigen Industriemetallen zu nennen. Die britische wie auch US-Regierung hätten zwar Sanktionen gegen vereinzelte Metalle aus Russland verhängt. Allerdings sei Russland für beide Länder kein essenzieller Handelspartner in dem Bereich, sodass die direkten Konsequenzen überschaubar seien. Das gelte aber nicht für die EU. Diese habe 2022 noch mehr als 40 Prozent ihrer Nickelimporte aus Russland bezogen. Ähnlich verhalte es sich bei Palladium. Hier habe Russland sogar einen globalen Marktanteil von etwas mehr als 40 Prozent und sei damit ebenfalls Spitzenanbieter des Edelmetalls. Schätzungsweise machten Palladium-Importe aus Russland ein Drittel der Gesamtimporte der EU aus.
Bei den Ölpreisen zeigen die Pfeile wieder steiler nach unten
Die Ölpreise sind am frühen Nachmittag wieder kräftiger nach unten gegangen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete 72,92 US-Dollar, das waren 2,1 Prozent weniger als am Montag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 2,4 Prozent auf 67,86 Dollar.
Die Anleger am Ölmarkt blicken insbesondere auf die unerwartet schwache konjunkturelle Entwicklung in China. Nach dem Ende der harten Corona-Maßnahmen konnte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zwar zu einer Konjunkturerholung ansetzen. Diese hat aber zuletzt deutlich an Fahrt verloren, was die Nachfrage nach Rohöl in China bremst.
Brent Rohöl
Aktuelle Geldmarkt-Sätze
Wenig verändert zeigen sich die europäischen Geldmärkte. Der Overnight-Satz wird weiterhin breit gestellt mit 3,30 zu 3,65 Prozent, in dieser Spanne dürfte er bis zur nächsten EZB-Zinserhöhung bleiben. Auch bei den Terminsätzen und den Euribors fallen die Veränderungen nur noch gering aus.
Hier die jüngsten Daten: Tagesgeld: 3,30 - 3,65 (3,32 - 3,62), Wochengeld: 3,31 - 3,66 (3,31 - 3,66), 1-Monats-Geld: 3,34 - 3,74 (3,34 - 3,74), 3-Monats-Geld: 3,47 - 3,87 (3,46 - 3,86), 6-Monats-Geld: 3,71 - 4,11 (3,71 - 4,11), 12-Monats-Geld: 3,90 - 4,30 (3,89 - 4,29), Euribors: 3 Monate: 3,5540 (3,5770), 6 Monate: 3,9150 (3,9080), 12 Monate: 4,0940 (4,0920)
Experten: Tankrabatt-Effekt lässt deutsche Inflationsrate im Juni steigen
Der Rückgang der hohen Inflation in Deutschland wird Ökonomen zufolge im Juni unterbrochen. Die Verbraucherpreise dürften um durchschnittlich 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat steigen, sagten die Volkswirte von 16 Banken voraus. Im Mai war die Teuerungsrate noch auf 6,1 Prozent gefallen, den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr. Kommt es so, wäre das der erste Anstieg seit Januar. "Im Juni letzten Jahres haben die Einführung des befristeten Neun-Euro-Tickets sowie der Tankrabatt die Inflationsrate gedrückt", sagte der Chefvolkswirt der BayernLB, Jürgen Michels. "Diese Sondereffekte wiederholen sich dieses Jahr nicht."
"Der Weg zu einer niedrigeren Inflation bleibt holprig, das werden die Daten für Juni zeigen", sagte der Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Union Investment, Jörg Zeuner. Das Statistikamt veröffentlicht am Donnerstag seine erste offizielle Schätzung.
Rezessionssignal am Bondmarkt wird immer stärker
Immer mehr Bond-Anleger wetten auf eine tiefgreifende Konjunkturabschwächung in Deutschland. Der viel beachtete Rendite-Abstand - im Fachjargon Spread genannt - zwischen zwei- und zehnjährigen Bundesanleihen stieg auf 0,844 Prozentpunkte und übertraf damit sein am Freitag erreichtes 31-Jahres-Hoch.
Experten sprechen hier von einer "inversen Renditekurve", weil üblicherweise kürzer laufende Titel wegen des kleineren Risikos niedriger verzinst werden als Langläufer. Unter Experten gilt eine solche Entwicklung als Vorbote einer Rezession.
Wall Street freundlich erwartet
Nach einer schwierigen Phase für die Aktienmärkte dürften die Bullen zum Start an der Wall Street wieder die Kontrolle übernehmen. Der S&P-500 ist in fünf der vergangenen sechs Sitzungen aufgrund anhaltender Sorgen über eine Konjunkturabkühlung und wegen Gewinnmitnahmen von Fondsmanagern gefallen.
Für mehr Risikobereitschaft sorgen Äußerungen des chinesischen Ministerpräsidenten Li Qiang, der sagte, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt sei weiterhin auf dem besten Weg, ihr jährliches Wachstumsziel von rund fünf Prozent zu erreichen. Peking werde Maßnahmen zur Steigerung der Binnennachfrage und zur Öffnung der Märkte ergreifen.
Kommen jetzt Solarkraftwerke für die breite Masse?
Solar-Technologie erfreut sich in Deutschland großer Akzeptanz, doch noch ist sie für viele zu teuer. Der Vorstandsvorsitzende von SMA Solar Technology, Jürgen Reinert, rechnet mit einem Preiskampf in naher Zukunft. Mit Blick auf die Massentauglichkeit der Technologie gibt der Manager jedoch eines zu bedenken.
DAX ist seine Gewinne wieder los
Der DAX hat seine Auftaktgewinne wieder vollständig abgegeben. Am Mittag notierte der deutsche Leitindex kaum verändert bei 15.810 Punkten. Der EUROSTOXX50 stieg minimal um 0,1 Prozent auf 4286 Stellen.
Zalando setzten an der DAX-Spitze ihren Erholungskurs der vergangenen Tage fort, die Titel des Internet-Modehändlers gewannen 3,1 Prozent. Im SDAX gerieten die Anteile des Gewerbeimmobilien-Spezialisten Hamborner Reit unter Druck, sie büßten 5,1 Prozent ein. Hamborner sieht den Wert seiner Vermögenswerte stärker sinken als bisher gedacht.
Beginnt jetzt ein Bärenmarkt?
Bullen- oder Bärenmarkt, das ist hier die Frage: Für den US-Index S&P 500 haben Charttechniker gerade erst einen neuen Bullenmarkt ausgerufen. Fundamental orientierte Analysten warnen dagegen vor dem Gegenteil, einem Bärenmarkt, der begonnen haben könnte. Wie passt das zusammen und welche Handlungsoptionen gibt es jetzt? Darüber spricht Raimund Brichta mit Dirk Grunert von Morgan Stanley.
Trübere Geschäftsaussichten in USA drücken FMC-Aktie kräftig
Gedämpfte Geschäftsaussichten in den USA belasten den Dialysekonzern Fresenius Medical Care. Die im MDAX notierten FMC-Aktien fielen um gut vier Prozent.
In den Vereinigten Staaten war zuvor bekanntgeworden, dass die Erhöhung der Erstattungssätze für Dialysedienstleistungen durch die staatliche Krankenversicherung Medicare für Senioren wohl geringer als erwartet ausfällt. Die staatliche Gesundheitsbehörde CMS schlug für 2024 eine Erhöhung des Basissatzes um etwa 1,6 Prozent vor. Viele Analysten hatten dagegen eine Erhöhung zwischen drei und vier Prozent erwartet.
Lagarde weiß nicht, wie hoch die Zinsen noch gehen müssen
Die EZB steuert im Kampf gegen die Inflation auf die nächste Zinserhöhung zu. "Unsere Aufgabe ist (...) noch nicht erfüllt. Sofern sich die Aussichten nicht wesentlich ändern, werden wir die Leitzinsen im Juli erneut anheben", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde bei einer Konferenz der Notenbank im portugiesischen Sintra. Es sei "unwahrscheinlich, dass eine Zentralbank in naher Zukunft mit absoluter Überzeugung erklären kann, dass die Leitzinsen ihren Höchststand erreicht haben".
Die EZB hat die Zinsen im Euroraum seit Juli 2022 achtmal in Folge angehoben. Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Geld bei der EZB besorgen können, liegt mittlerweile bei 4,0 Prozent. Höhere Zinsen verteuern Kredite. Die nächste EZB-Zinssitzung ist für den 27. Juli anberaumt.
KPMG streicht erneut Stellen
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG baut erneut Jobs ab. In den USA sollen fünf Prozent der Mitarbeiter entlassen werden, wie das Unternehmen mitteilt. Per Ende September 2022 hatte die KPMG mehr als 39.000 Angestellte in den USA. Bereits im Februar mussten zwei Prozent der amerikanischen KPMG-Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Grund sei der konjunkturelle Gegenwind in Verbindung mit einer historisch niedrigen Personalfluktuation. Konkurrent Ernst & Young hatte sich im April ebenfalls von fünf Prozent seiner US-Belegschaft getrennt.
Chinas Wachstum beschleunigt sich
Die chinesische Wirtschaft hat nach den Worten von Ministerpräsident Li Qiang im zu Ende gehenden zweiten Quartal an Schwung gewonnen. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dürfte die jährliche Zielmarke von rund fünf Prozent erreichen, sagt Li. Im ersten Quartal hatte es nur zu einem Plus von 4,5 Prozent gereicht. Angesichts einer verlangsamten Industrieproduktion infolge der schwächeren Auslands- und Inlandsnachfrage will die Regierung gegensteuern. "Wir werden mehr praktische und wirksame Maßnahmen ergreifen", kündigt Li an.
Der Regierungschef, der gerade von Besuchen in Deutschland und Frankreich zurückgekehrt ist, fordert Europa zur Zusammenarbeit auf. "Die unsichtbaren Barrieren, die einige Leute in den vergangenen Jahren errichtet haben, machen sich breit und treiben die Welt in die Zersplitterung und sogar in die Konfrontation", sagt Li in Anspielung auf Pläne der EU, sich wirtschaftlich und politisch unabhängiger von China zu machen. "Wir lehnen die künstliche Politisierung von Wirtschafts- und Handelsfragen entschieden ab", so Li.
Bradley-Nachfolger: Rheinmetall im Rennen um US-Milliarden-Deal
General Dynamics und die US-Tochter des deutschen Rheinmetall-Konzerns sind im Rennen um die Entwicklung eines Nachfolgers des US-Schützenpanzers Bradley eine Runde weiter. Die beiden Konzerne seien unter fünf Bewerbern ausgewählt worden, um konkrete Vorschläge und später Prototypen für das Waffensystem zu entwickeln, teilt die US-Armee mit. Dem Sieger der Ausschreibung könnten Aufträge mit einem Volumen von mehr als 45 Milliarden US-Dollar winken. Die nun erteilten Aufträge haben zunächst ein Volumen von rund 1,6 Milliarden Dollar. 2027 könnte dann ein Vertrag für die Produktion des Bradley-Nachfolgers erteilt werden, sagen Vertreter des US-Militärs. 2029 könnten die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden.
Immobilienfirma senkt Prognose
Die auf Gewerbeimmobilien spezialisierte Hamborner Reit erwartet einen Wertrückgang ihres Immobilienportfolios. Der Verkehrswert des Immobilienportfolios (like-for-like) dürfte zum 30. Juni 2023 nach derzeitigem Kenntnisstand im Vergleich zum Jahresende 2022 um voraussichtlich 5,5 Prozent bis 6,0 Prozent sinken, teilt das im SDAX notierte Unternehmen mit. Grund sei eine negative Entwicklung des Büro- als auch des Einzelhandelsbestands. Deshalb senkt die Immobilienfirma ihre Gesamtjahresprognose für den Nettovermögenswert (NAV) je Aktie. Die Gesellschaft gehe nun davon aus, dass sich der NAV je Aktie zum 31. Dezember 2023 zwischen sieben und zwölf Prozent unter dem Vorjahresniveau bewegen werde. Hamborner hatte bislang nur mit einem leichten Rückgang des NAV je Aktie gegenüber dem Jahresende 2022 kalkuliert.
Bewährungs- und Geldstrafe für Ex-Audi-Chef Stadler
Im Diesel-Betrugsprozess ist der frühere Audi-Chef Rupert Stadler zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden. Zudem muss er ein Bußgeld in Höhe von 1,1 Millionen Euro zahlen, wie das Landgericht München II mitteilte. Stadler hatte in dem Prozess ein Geständnis abgelegt und dabei Betrugsvorwürfe eingeräumt.
Mit Stadler angeklagt war der frühere Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz. Er gestand in dem Verfahren, mit zwei Ingenieuren die Installation der Steuerungssoftware veranlasst zu haben. Hatz erhielt eine zweijährige Bewährungsstrafe und muss ein Bußgeld von 400.000 Euro zahlen.
Nach Zukauf rückt Kering-Bewertung in den Blick
Gespannt auf die Kursreaktion bei Kering zeigen sich Händler nach dem Kauf des Parfümherstellers Creed. "Das ist ein sehr hoher Preis für Nischenprodukte", kommentiert ein Händler. Wenn der berichtete Kaufpreis von 2 Milliarden Euro in bar korrekt sei, zahle Kering damit das 8-fache Umsatz-Multiple. Branchenüblich dürfte eher das 4-fache sein, wobei der Einfluss von eventuellen Schulden hier nicht quantifiziert werden könne. "Per Saldo scheinen die Multiples aber hoch, und Analysten werden hier bestimmt noch genauer nachfragen, vor allem mit Blick auf die Wachstumsprojektionen", so der Händler.
Alle Zeichen auf Rezession: Was gehört ins Depot?
DAX-Anleger hören bei Lagarde sehr genau hin
Der DAX beginnt den Dienstagshandel mit Kursgewinnen - auch wenn diese nur leicht ausfallen. Der deutsche Börsenleitindex notiert aktuell mit Kursen um 15.880 Punkte etwa 0,4 Prozent fester. Zuletzt hatte der Index sechs Tage in Folge Verluste eingefahren, nachdem er zuvor bei 16.427 Zählern ein neues Allzeithoch markiert hatte.
"Gemischte Vorgaben in Asien, dazu schwache Tech-Werte an der Wall Street: Das bremst den DAX zunächst etwas aus", kommentiert ntv-Börsenkorrespondentin Nancy Lanzendörfer. "Nach dem gestrigen IFO-Index, der eingebrochen ist, schauen die Anleger nach Portugal, zu einem EZB-Treffen", erläutert sie. "Die große Frage dabei ist: Was sagt EZB-Chefin Christine Lagarde zur weiteren Geldpolitik?"
Synlab fester erwartet
Leicht positiv für die Aktien des Labordienstleisters Synlab werten Händler den Verkauf des schweizerischen Geschäfts an Sonic Healthcare aus Australien. Trotz einer Umsatzerwartung von rund 50 Millionen Euro für das Schweiz-Geschäft bestätigt Synlab die Umsatzprognose für 2023 von rund 2,7 Milliarden Euro. Der Verkauf erhöhe aber die bereinigte EBITDA-Marge und werde die bereinigte Nettoverschuldung um rund 154 Millionen Euro reduzieren, heißt es. "Nach den Kursverlusten seit Ende des Corona-Hypes könnte das zu einer Stabilisierung der Aktie beitragen", sagt ein Händler. Zudem sei es gut für die ganze Healthcare-Branche, dass die Transaktion auf ein aktives M&A-Geschäft im Hintergrund deute.
Von Robinhood bis ATI: Diese Aktien standen nachbörslich im Fokus
Arena Group Holdings haben am Montag nachbörslich gut sieben Prozent zugelegt. Auslöser war ein Bericht des Wall Street Journals, wonach das Medienunternehmen Group Black in Gesprächen über den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an Arena sei, dem Herausgeber von mehr als 50 Publikationen, darunter Sports Illustrated.
ATI Physical verteuerten sich um knapp drei Prozent nach der Mitteilung, dass Onex Corporation und Verbundunternehmen Anteile an ATI erworben haben.
Illumina plant, die Zahl der Mitarbeiter weiter zu reduzieren, als Teil einer breiteren Anstrengung, die Betriebskosten zu senken. Der Hersteller von Gensequenzierungsgeräten und -dienstleistungen will dazu auch seinen Immobilienbestand verringern. Der Kurs legte nachbörslich 0,7 Prozent zu.
Auch für die Robinhood-Aktie ging es 0,7 Prozent aufwärts. Das Wall Street Journal hatte berichtet, dass der Finanzdienstleister weitere etwa 7 Prozent seiner Vollzeitmitarbeiter, etwa 150, entlasse.
Tokio schwach - Hongkong fester
Uneinheitlich geht es im Handelsverlauf an den Börsen in Ostasien und Australien zu. Während sich insbesondere Tokio der schwächeren Tendenz der US-Börsen anschließt, geht es an den chinesischen Börsen nach oben mit den Indizes. Der japanische Nikkei liegt nach einem behaupteten Start mittlerweile 1,0 Prozent im Minus bei 32.380 Punkten, auch der Kospi in Südkorea gibt nach, aber nur leicht um 0,3 Prozent. Marktteilnehmer in Tokio führen als Belastungsfaktor weiter Konjunktursorgen an, die von den jüngsten falkenhaften Auftritten der Notenbanken noch befeuert worden seien.
In Hongkong erholt sich der HSI nach zuletzt teils deutlicheren Ausreißern nach unten um 1,6 Prozent, in Shanghai geht es immerhin um 0,9 Prozent nach oben. Auch Sydney zeigt sich erholt mit einem Anstieg um 0,5 Prozent.
Düstere Stimmung in Exportindustrie
Die IFO-Exporterwartungen sind im Juni auf minus 5,6 Punkte von plus 1,0 im Mai gefallen. Das ist der niedrigste Wert seit November 2022. "Die Stimmung in der deutschen Exportindustrie hat sich deutlich eingetrübt", sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der IFO-Umfragen. "Neben der inländischen Nachfrageschwäche zeichnen sich jetzt auch noch weniger Aufträge aus dem Ausland ab. Dies sind keine guten Nachrichten für die deutsche Exportwirtschaft."
Die Mehrzahl der Branchen geht davon aus, dass die Exporte in den kommenden drei Monaten rückläufig sind. Einzig die Bekleidungshersteller und die Getränkeindustrie gehen von merklichen Zuwächsen aus. Einen deutlichen Dämpfer musste aber die Nahrungsmittelindustrie verkraften. Nach Monaten mit Zuwächsen gehen die Unternehmen nun von rückläufigen Auslandsumsätzen aus. Auch in der Metallindustrie haben sich die Aussichten merklich eingetrübt. Gleiches gilt für die Möbelindustrie, die auch unter der schwachen Baukonjunktur leidet.
Wall Street steuert auf bestes erstes Halbjahr der Geschichte zu
Zurückhaltung ist derzeit angesagt an der Wall Street: Wichtige Konjunkturdaten stehen ebenso an wie frische Unternehmensberichte. Es winkt ein historischer Wurf.
Synlab verkauft Schweizer Laborkette
Europas größte Laborkette Synlab verkauft seine Schweizer Standorte an die auf medizinische Tests spezialisierte australische Gruppe Sonic Healthcare. Das Unternehmen werde für die Übernahme von Synlab Suisse 150 Millionen Schweizer Franken - rund 167,52 Millionen Dollar - auf den Tisch legen, um seine Präsenz in der Schweiz zu erweitern, teilt der in Sydney ansässige Gesundheitsdienstleister mit. Die Finanzierung erfolge mit bestehenden Barmitteln und Krediten. Synlab Suisse decke mit seinen 19 Laboren alle drei Schweizer Sprachregionen ab und werde voraussichtlich einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen Schweizer Franken erzielen. Die Transaktion hat von den Schweizer Kartellbehörden bereits grünes Licht erhalten und wird voraussichtlich am 3. Juli abgeschlossen sein.
Euro stabilisiert sich über 1,09
Im asiatischen Devisenhandel verliert der Dollar 0,1 Prozent auf 143,36 Yen und gibt 0,4 Prozent auf 7,2091 Yuan nach. Zur Schweizer Währung notiert er 0,1 Prozent niedriger bei 0,8944 Franken. Parallel dazu steigt der Euro 0,2 Prozent auf 1,0927 Dollar und zieht 0,1 Prozent auf 0,9775 Franken an. Das Pfund Sterling gewinnt 0,1 Prozent auf 1,2729 Dollar.
Euro / Dollar o
"Der Ausverkauf ist breit gefächert"
Gewinnmitnahmen drücken die Märkte in Japan zum vierten Mal in Folge. Der Nikkei liegt im Verlauf 0,8 Prozent tiefer bei 32.447 Punkten. Der breiter gefasste Topix sinkt 0,7 Prozent auf 2244 Zähler. "Der Ausverkauf ist breit gefächert", sagte Kazuo Kamitani von Nomura Securities. "Jede Verringerung der Verluste heute wird wahrscheinlich schnell mit erneutem Verkaufsdruck beantwortet werden." Viele der größten Technologiewerte standen durch die starken Rückgänge an der Wall Street zusätzlich unter Druck. Das Online-Unternehmen Cyberagent führe die Verluste im Nikkei mit einem Minus von 4,1 Prozent an. Die Papiere des Chip-Testgeräte-Herstellers Advantest brechen um 3,1 Prozent ein. Auch die Titel des Startup-Investors Softbank fallen um 1,66 Prozent. Sony rutscht um zwei Prozent ab.
Die Ankündigung des chinesischen Ministerpräsidenten Li Qiang, die Binnennachfrage mit weiteren politischen Maßnahmen ankurbeln zu wollen, ließ hingegen die Anleger in China aufatmen. Der Shanghai Composite gewinnt 0,9 Prozent. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen legt 0,5 Prozent zu. Chinas Wirtschaftswachstum werde im zweiten Quartal höher ausfallen als im ersten Quartal, sagte Li am Dienstag auf einem Gipfel des Weltwirtschaftsforums in Tianjin. Die Volkswirtschaft hatte sich bislang nur schleppend von den Auswirkungen der Corona-Pandemie erholt.
Schafft der DAX die Bodenbildung?
Zum Wochenauftakt hat sich der DAX kämpferisch gezeigt, stabilisiert sich nach eienm Vorwochenverlust von mehr als drei Prozent im Bereich von 15.800 Punkten. Im Montagsgeschäft verlor der deutsche Börsenleitindex 0,1 Prozent, schloss mit 15.813 Zählern. Auch an der Wall Street gab es Verluste.
Heute steht nur wenig Kursbewegendes auf der Agenda: Am Morgen dürften Zahlen zu den IFO-Exporterwartungen die Anleger interessieren. Zudem: EZB-Präsidentin Christine Lagarde will auf dem jährlichen geldpolitischen Forum der Euro-Notenbank im portugiesischen Sintra eine Schlüsselrede halten. Erwartet wird, dass sich die EZB-Chefin zum weiteren Kurs im Kampf gegen die hohe Inflation äußern wird. Die EZB hat seit Sommer 2022 die Zinsen im Eiltempo bereits acht Mal um zusammengenommen vier Prozentpunkte erhöht - zuletzt Mitte Juni um 0,25 Prozentpunkte. Das mehrtägige EZB-Forum in Portugal steht dieses Jahr unter dem Motto "Makroökonomische Stabilisierung in einem volatilen Inflationsumfeld". Der Höhepunkt des Treffens dürfte dann am Mittwoch sein. Dann wollen Lagarde, Fed-Chef Jerome Powell, der britische Notenbankchef Andrew Bailey und Japans neuer Notenbank-Gouverneur Kazuo Ueda in einer gemeinsamen Diskussionsrunde über die Geldpolitik sprechen.
Unternehmensseitig liefert Walgreens Boots Ergebnisse für das dritte Geschäftsquartal. Der Visa-Konkurrent Mastercard hat seine Aktionäre zur Hauptversammlung geladen. Wichtig zudem: Im Strafprozess um den Abgasskandal bei Audi will das Landgericht München am Dienstag sein Urteil verkünden. Der frühere Firmenchef Rupert Stadler und zwei Mitangeklagte müssen mit einer Verurteilung wegen Betrugs rechnen. Bei Stadler und einem Ingenieur haben sich die Beteiligten auf Bewährungsstrafen von eineinhalb bis zwei Jahren sowie Geldauflagen verständigt. Stadler soll 1,1 Millionen Euro und der Ingenieur 50.000 Euro zahlen. Beim ehemaligen Audi-Motorenchef und späteren Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz hingegen hat sich die Staatsanwaltschaft gegen einen solchen Deal gesperrt und eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und zwei Monaten gefordert. Es handelt sich um einen der prominentesten Prozesse in dem 2015 aufgeflogenen Skandal um millionenfache Abgasmanipulationen im Volkswagen-Konzern.