Mittwoch, 10. Juli 2019Der Börsen-Tag

17:49 Uhr

Powell-Push verpufft: Dax-Anleger zögern trotz Zinsbekenntnis

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Fed-Chef Powell stellt eine baldige Zinssenkung in Aussicht.

REUTERS

Fed-Chef Jerome Powell hat die Anleger am Nachmittag nur kurz aus der Reserve gelockt. Der Dax löste sich nach dem vorab veröffentlichten Rededokument für den Finanzausschluss des US-Repräsentantenhauses zwar kurz von seinem Tagestief, sackte dann aber wieder.

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Bei Handelsschluss notierte der deutsche Leitindex wieder 0,5 Prozent leichter bei 12.372 Punkten.

Powell hatte die Investoren kurzfristig damit beruhigt, dass er auf die unsicheren Wirtschaftsaussichten und auf die Risiken hinwies, die aus einer geringen Inflation resultieren. Nach dem starken US-Arbeitsmarktbericht in der vergangenen Woche hatten Anleger Zweifel, ob die Fed wirklich die Zinswende einleiten und Billiggeld in die Märkte pumpen will.

Unter den Einzeltiteln waren vor allem Bankentitel gefragt. Spitzenreiter im europäischen Branchenindex waren die Anteilsscheine der Commerzbank mit einem Plus von 2,5 Prozent. Die Papiere der Deutschen Bank stoppten ihren Abwärtstrend der vergangenen beiden Tage zunächst und gewannen noch 0,3 Prozent.

Unter Druck gerieten Immobilienwerte. Die Papiere von Vonovia büßten im Dax 0,8 Prozent ein. Die Aktien von LEG Immobilien, Deutsche Wohnen und TAG Immobilien verzeichneten Abgaben zwischen 0,1 und 1,6 Prozent.

16:35 Uhr

Erdogan: Gefeuerter Notenbankchef hat "Anweisungen" ignoriert

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(Foto: picture alliance/dpa)

Wer noch irgendeinen Zweifel daran hatte, dass der türkische Präsident sein Land wie einen Hofstaat führt, dem liefert er nun selbst den Beweis. Bei einem Gewerkschaftstreffen in Ankara bemüht sich Recep Erdogan nicht mal mehr, den Anschein zu wahren, die türkische Zentralbank sei unabhängig. Der Staatspräsident bestätigt unverhohlen, dass er Notenbankchef Murat Cetinkaya gefeuert hat, weil der sich seinem Wunsch nach niedrigeren Zinsen verweigerte hatte.

"Wir haben es für notwendig erachtet, unseren Freund, der sich hier in der Geldpolitik nicht an Anweisungen gehalten hat, auszutauschen", sagte Erdogan. Von nun an werde die Zentralbank das Wirtschaftsprogramm der Regierung "viel stärker unterstützen". Mit dem Wechsel vom parlamentarischen zum präsidialen System im vergangenen Jahr habe der Präsident die Befugnis für Eingriffe in Wirtschaftsangelegenheiten bekommen. "Wenn die Zentralbank sich in der Wirtschaftspolitik an die Rolle gehalten hätte, die wir von ihr erwarten, wäre so ein Wechsel nicht nötig gewesen."

15:47 Uhr

Powell verzückt Börsen mit Zinssenkungsplan

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(Foto: picture alliance/dpa)

Nur ein paar Worte reichen zur Trendwende: Der vorab veröffentlichte Redetext von Fed-Chef Jerome Powell löst bei den Börsianern schon Jubelstürme aus, bevor der Notenbankchef überhaupt vor dem US-Kongress seine Zinsstrategie erläutert hat. Die Fed stehe bereit, "angemessen zu handeln", um nachhaltiges Wachstum zu sichern, erklärte Powell in dem Dokument. Für viele Marktteilnehmer ist eine US-Zinssenkung am 31. Juli damit nun so gut wie ausgemacht.

Der Dax erholt sich nach Powells Aussagen deutlich: Der Leitindex liegt nun nur noch rund 0,1 Prozent im Minus, nachdem er zuvor mit einem Minus von rund 0,5 Prozent gehandelt wurde. Der MDax dreht sogar ins Plus. Auch der TecDax rückt 0,6 Prozent vor.

Auch an der Wall Street geht es pünktlich zur Eröffnung nach oben: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte steigt rund 0,5 Prozent. Der S&P-500 klettert ebenfalls rund 0,5 Prozent. Die Technologieindex Nasdaq-100 legt sogar rund 1,0 Prozent zu.

14:36 Uhr

"Keine Dellen auf dem Aktienmarkt in Sicht"

Der Vermögensverwalter Markus C. Zschaber sieht trotz vieler Krisensignale bei deutschen Unternehmen momentan keinen Anlass für Zweifel an der Aktienkonjunktur. Vieles hängt jedoch von den politischen Weichenstellungen der nächsten Monate ab.

 

13:50 Uhr

Türkei steuert auf Zusammenbruch zu

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(Foto: picture alliance/dpa)

Der auf Schwellenländer spezialisierte Vermögensverwalter Ashmore sieht nach der Entlassung des türkischen Notenbankchefs schwarz für die Türkei: Präsident Recep Erdogan bringe das Land mit seiner Politik an den Rand eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs wie in Lateinamerika, heißt es in einer Studie der Investmentgesellschaft.

Obwohl die Türkei besser diversifiziert sei als Venezuela ähnelten die politischen Fehltritte den fatalen Entwicklungen in dem Land. Kapitalkontrollen, die Verstaatlichung wichtiger Betriebe und andere Maßnahmen, mit denen die Flucht von Investoren verhindert werden soll, seien die "nächsten logischen Schritte", zitiert "Bloomberg" den Chefanalysten des Londoner Analysehauses, Jan Dehn. Die Erdogan-Regierung hat mehrfach dementiert, Kapitalkontrollen und andere Eingriffe in die freie Wirtschaft vorzubereiten.

13:09 Uhr

Dax-Anleger fiebern Zinsaussagen entgegen

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(Foto: picture alliance / Boris Roessle)

Zur Mittagszeit herrscht an den deutschen Aktienmärkten weiter Flaute: In Erwartung neuer Hinweise auf die US-Zinspolitik halten sich die Anleger zurück. Der Dax gibt 0,5 Prozent nach. Der MDax sinkt rund 0,2 Prozent. Der TecDax notiert kaum verändert.

Die Börsianer waren gespannt, ob US-Notenbankchef Jerome Powell bei seiner halbjährlichen Anhörung vor dem US-Kongress baldige Zinssenkungen signalisiert. "Die Chancen für eine 'Sicherheitssenkung' Ende Juli stehen weiterhin gut", sagt Volkswirt Kevin Cummins vom Brokerhaus NatWest Markets. Daher werden Investoren auch die Worte in den am Abend zur Veröffentlichung anstehenden Protokollen der jüngsten Fed-Sitzung auf die Goldwaage legen.

12:26 Uhr

E-Mobilität könnte Bayern 55.000 Jobs kosten

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(Foto: picture alliance / dpa)

Laut einer Studie des Ifo-Instituts gefährdet die Elektrifizierung der Modellpalette zehntausende Arbeitsplätze bei Automobilzulieferern. Die E-Mobilität werde insbesondere in Bayern Verlierer produzieren, heißt es in der Analyse zur Veränderung der Wertschöpfungsketten im Fahrzeugbau, die die Bayerische Industrie- und Handelskammer in Auftrag gegeben hatte. "Firmen, die Teile und Komponenten für herkömmliche Antriebsstränge herstellen, werden mit fortschreitenden Marktanteilen elektrischer Fahrzeuge zunehmend unter Druck geraten."

Hiervon sind in Bayern nach Ifo-Schätzung rund 55.000 Angestellte betroffen. Bereits 2030 stünden 15.000 bis 31.000 hochproduktive und gut bezahlte Jobs vor dem Aus. Zwar erwarteten viele Unternehmen, dass die meisten Beschäftigten altersbedingt ausscheiden können. Doch es besteht laut Ifo Institut die Gefahr, dass US-Firmen eine dominante Marktstellung erreichen und die deutsche Autoindustrie von amerikanischen Konzernen wie Google, Amazon oder Microsoft abhängig werden.

11:37 Uhr

DIW: Keine Panik wegen Jobmassaker bei Deutsche Bank

Deutsche Bank
Deutsche Bank 7,28

Trotz der angekündigten Stellenstreichungen bei großen Firmen wie BASF und Deutsche Bank rechnen Wirtschaftsforscher nicht mit einem flächendeckenden Jobabbau in Deutschland. Es gebe keinen Grund, wegen der anstehenden Entlassungen bei der Deutschen Bank und bei BASF "in Panik zu verfallen", zitiert die "Funke"-Mediengruppe den Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher.

Die deutsche Wirtschaft sei robust und sollte in diesem und im nächsten Jahr unter dem Strich mehr neue Jobs schaffen, als alte wegfallen. "Über die gesamte Wirtschaft rechnen wir nicht mit einem Beschäftigungsabbau, sondern nur mit einer Verlangsamung der Neueinstellungen", sagt auch der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, der Funke-Mediengruppe. Nach herben Kursabschlägen am Montag und Dienstag geht es für die Deutsche-Bank-Aktie heute wieder rund 1,8 Prozent aufwärts.

10:55 Uhr

Händler wetten auf BASF-Absturz

BASF
BASF 63,32

Mein Kollege Max Borowski hatte es gestern schon in seinem Kommentar erklärt: Die überraschende Gewinnwarnung bei BASF ist ein Alarmsignal für die deutsche Wirtschaft. Die Zeichen stehen auf Abschwung. Auch an der Börse sehen das die Händler offenbar so: Am Terminmarkt werden heute Optionen auf BASF mit Abstand am stärksten gehandelt.

Dabei stehen 21.577 Calls 30.667 Puts gegenüber. Die Händler wetten also mehrheitlich auf kommende Kursverluste bei BASF. Einziger Trost für den Chemiekonzern: Eine Put-Call-Quote von etwa 1,4 ist noch ein vergleichsweise niedriges Verhältnis. Noch ist keine Panik zu erkennen. Aber die Optionshändler bauen schon mal für die kommende Flaute vor. Im Dax liegt die BASF-Aktie mit rund 0,7 Prozent im Minus.

10:13 Uhr

Anleger finden Superdry-Zahlen gar nicht super

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(Foto: REUTERS)

Wegen eines drohenden Verlustes steuert Superdry auf den größten Kurssturz des Jahres zu. Die Aktien der britischen Modefirma fallen um bis zu 10,6 Prozent auf ein Sieben-Monats-Tief. Dabei wechselten innerhalb der ersten halben Handelsstunde bereits mehr Superdry-Papiere den Besitzer als durchschnittlich an einem gesamten Handelstag.

Wegen einer umgerechnet 144 Millionen Euro schweren Abschreibung auf umsatzschwache Filialen hat der Hersteller von Kapuzenpullis und Jacken im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Vorsteuerverlust von 95 Millionen Euro gemacht. Im Vorjahr hatte Superdry noch einen Gewinn von 72 Millionen Euro geschrieben. Außerdem warnte die Firma, dass ein Ende des schwierigen Branchenumfelds nicht in Sicht sei.

09:34 Uhr

Autozulieferer gefragt: Leoni plant Börsengang

Dax
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Der deutsche Aktienmarkt startet zur Wochenmitte vor einem mit Spannung erwarteten Auftritt des US-Notenbankchefs Jerome Powell leicht negativ. Der Dax sinkt in den ersten Handelsminuten um 0,21 Prozent auf 12.409 Punkte.

Bei den Unternehmen sticht Leoni mit einem Kursplus von 5,2 Prozent heraus. Der Autozulieferer will seine Kabel-Sparte WCS verkaufen oder an die Börse bringen und das Geld in die Bordnetz-Sparte stecken.

In der Vorwoche hatte der Leitindex mit 12.656 Punkten noch den höchsten Stand seit August 2018 erreicht. Seither war er wegen eines überraschend starken US-Arbeitsmarktberichts und der Gewinnwarnung von BASF aber wieder gefallen.

08:01 Uhr

Rückgang der US-Reserven treibt Ölpreise

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 64,95

Nach Meldungen über einen Rückgang der US-Ölreserven sind die Ölpreise gestiegen. Am Morgen kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent 64,82 US-Dollar. Das waren 66 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 81 Cent auf 58,64 Dollar zu.

Marktbeobachter erklärten den Preisanstieg mit der jüngsten Entwicklung der amerikanischen Lagerbestände an Rohöl. Am Vorabend war bekannt geworden, dass der Interessenverband American Petroleum Institute (API) in der vergangenen Woche einen Rückgang der Ölreserven um 8,13 Millionen Barrel registriert hat.

Am Nachmittag werden die offiziellen Daten der amerikanischen Regierung zu den Ölreserven der vergangenen Woche erwartet. Hier geht der Markt ebenfalls von einem Rückgang aus.

07:52 Uhr

Euro vor Powell-Anhörung kaum verändert

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,10

Der Euro hat sich vor der mit Spannung erwarteten Anhörung von US-Notenbankpräsident Jerome Powell vor dem amerikanischen Kongress kaum verändert. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung zu 1,1207 US-Dollar gehandelt und damit etwa zum gleichen Kurs wie am Vorabend.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Dienstagnachmittag auf 1,1205 Dollar festgesetzt.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern warten die Anleger am Devisenmarkt auf einen Auftritt des amerikanischen Notenbankchefs vor Parlamentsmitgliedern des Landes. Am Nachmittag dürfte sich Jerome Powell auch zur Zinspolitik äußern.

Experten gehen davon aus, dass sich die Fed mit einem Zinsschritt noch etwas Zeit lassen werde. Als Grund gilt die weiter robuste Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft.