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Dax geschwächt Wall Street knickt nach Katar-Schock ein

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(Foto: picture alliance / dpa)

Politische Unsicherheiten prägen das internationale Marktgeschehen - vor allem die Katar-Krise belastet. Auch in den USA halten sich die Anleger zurück. Die wichtigsten Indizes beenden den Tag mit Verlusten.

Nach und nach weiter nach unten ging es für den Dax am ersten Handelstag nach dem langen Pfingstwochenende. Der deutsche Leitindex fiel am Ende sogar nachhaltig unter die 12.700er-Marke und damit unter das Niveau vom vergangenen Rekord-Freitag. Der Dax war vor dem verlängerten Pfingstwoche knapp unter seinem jüngsten Allzeithoch bei 12.822,94 Punkten aus dem Handel gegangen.

Mehrere Unsicherheitsfaktoren belasteten den Dax zum verspäteten Wochenstart. Politische Spannungen im Nahen Osten, die nahende Wahl in Großbritannien sowie die unsicheren Aussichten in der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Fed stimmten Anleger nach dem langen Pfingstwochenende vorsichtig.

Der Dax notiert am Nachmittag bei 12.690 Punkten und damit 1,0 Prozent schwächer. Für den Nebenwerte-Index MDax ging es ebenfalls 1,0 Prozent nach unten auf 25.449 Zähler. Ein Minus von 0,5 Prozent verzeichnete der TecDax, der auf 2310 Punkte absank. Der Euro-Stoxx-50 verlor 0,8 Prozent auf 3553 Punkte.

"Börsianer sind heute vorsichtig nach sieben Wochen Rekordfahrt", sagte n-tv Börsenkorrespondentin Corinna Wohlfeil. Die Vorsicht am Markt könnte bis Donnerstag anhalten, weil erst dann die zentralen Ereignisse der Woche anstehen, nämlich die Anhörung des von Trump entlassenen FBI-Direktors James Comey vor einem Senatsausschuss, die EZB-Sitzung und besonders die Wahlen in Großbritannien. Hier könnte es zu Überraschungen kommen, wenngleich den jüngsten Umfragen zufolge der Vorsprung von Premierministerin Theresa May und ihrer Tory-Partei wieder gewachsen ist.

Hauptthemen war die Lage im Nahen Osten, nachdem Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen haben wegen des Vorwurfs, Terrorismus zu unterstützen. Auch weil das vor allem von seinem Erdgasreichtum lebende Katar die größte US-Luftwaffenbasis im Nahen Osten beherberge, sorgte dies für Erstaunen. US-Präsident Donald Trump will mit den Beteiligten sprechen, um die Situation zu beruhigen, wie eine Sprecherin des Weißen Hauses inzwischen sagte.

Die Börse in Katar erholte sich nur kurz: Der Leitindex stieg in der Spitze zwar um 3,3 Prozent, rutschte dann aber wieder leicht ins Minus ab. Am späten Nachmittag notierte er 1,6 Prozent leichter.

Dax: Lufthansa an der Spitze

Bei den Einzelwerten ragten im Dax die Lufthansa-Titel heraus mit einem Kursplus von 2,8 Prozent. Laut Firmenchef Carsten Spohr entwickelt sich die Nachfrage aus den USA und Asien besser als erwartet. Zudem hob der Luftfahrt-Verband IATA die Umsatz- und Gewinnprognosen für Airlines an.

Der Druck auf die Beteiligungen Katars nahm hingegen zu. Im Dax führten zeitweise Deutsche Bank und Volkswagen die Verliererliste an. An beiden Unternehmen hält das Investment-Vehikel des Emirats größere Aktienpakete. VW verloren am Ende 1,9 Prozent, Deutsche Bank 1,7 Prozent.

SDax: Neuer Trainer pusht BVB-Aktie

Borussia Dortmund stiegen gegen einen schwächeren Markt um bis zu 2,7 Prozent auf 6,42 Euro, das ist der höchste Kurs seit über 15 Jahren. "Die Verpflichtung von Peter Bosz als neuem Trainer ist bereits am Morgen eingepreist worden", sagte ein Marktteilnehmer. Entsprechende Hinweise hätten sich bereits am späten Montag verdichtet.

Rocket Internet gaben 2,1 Prozent ab nach der Nachricht, dass die Beteiligung Delivery Hero in den kommenden Monaten an die Börse gehen will. Das sei seit längerem so erwartet worden hieß es. Zudem fehlten noch die Details.

Daneben sorgten Umstufungen für Bewegung: So fielen Wacker Chemie im MDax um 4,1 Prozent auf 96 Euro, nachdem sie von der UBS auf "Sell" von "Buy" abgestuft wurden. Auch das Kursziel wurde drastisch zusammengestrichen auf 81 nach zuvor 117 Euro.

In der dritten deutschen Reihe brachen Tom Tailor um rund 7,5 Prozent ein nach der Ankündigung einer Kapitalerhöhung. Der Modekonzern will auf diesem Weg 61,2 Millionen Euro einnehmen. Den Großteil wollen die Hamburger für Investitionen verwenden, hauptsächlich für die Verbesserung der Informationstechnologie und des E-Commerce.

Europa: Roche-Aktien brechen ein

Bei den europäischen Einzelaktien ragten Roche mit einem Minus 5,2 Prozent hervor. Hier harmoniert das erst kürzlich auf den Markt gebrachten Medikament Perjeta gegen Brustkrebs nicht wie erhofft mit anderen Wirkstoffen. Dies sorgt nach hohen Erwartungen für eine kräftige Enttäuschung. Die Analysten von Bryan Garnier senken darauf ihre Umsatzschätzung für das Medikament um 900 Millionen Franken und ziehen ihre Kaufempfehlung für die Aktie zurück.

Der Aluminiumhersteller Norsk Hydro verzeichnet Lieferschwierigkeiten wegen der Spannungen in Katar. Normalerweise würde ein ansässiges Gemeinschaftsunternehmen der Norweger die meisten Aluminiumexporte vom großen Hafen Jebel Ali in die Vereinigten Arabischen Emirate befördern. Dieser Hafen scheine aber für alle Lieferungen aus Katar seit Dienstagmorgen geschlossen zu sein, so Norsk Hydro. Norsk Hydro verloren 0,1 Prozent.

USA: Dow Jones fällt um 0,2 Prozent

Vor einer mit Spannung erwarteten Aussage des früheren FBI-Chefs haben sich Anleger an der Wall Street zurückgehalten. Die wichtigsten Indizes beendeten den Tag mit Verlusten. Der Dow Jones fiel um 0,2 Prozent auf 21.136 Punkte und der S&P 500 um 0,3 Prozent auf 2429 Zähler. Der Nasdaq-Index gab um 0,3 Prozent auf 6275 Stellen nach.

Im Mittelpunkt standen die Aktien des weltgrößten Einzelhändlers Wal-Mart Stores, der sich einer Offensive von Amazon.com ausgesetzt sieht. Der Onlinekonzern kündigte an, seine Prime-Mitgliedschaft für arme Amerikaner günstiger anzubieten. Damit zielt er direkt auf eine wichtige Kundengruppe von Wal-Mart. Die Aktien des Supermarktbetreibers fielen um 1,7 Prozent. Papiere von Amazon gaben um 0,8 Prozent nach.

Aktien von Michaels gaben um 8,4 Prozent nach. Der Anbieter von Wohnaccessoires hatte seine Prognose zusammengestrichen. Auch andere Einzelhandelsunternehmen mussten Kursverluste verbuchen. Auslöser war der Tweet eines CNBC-Reporters, demzufolge der Macy's-Finanzchef vor einem Rückgang der Gewinnmarge warnte. Macy's fielen um mehr als acht Prozent. Für den Konkurrenten Nordstrom ging es um 3,6 Prozent bergab.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 834 Millionen Aktien den Besitzer. 1332 Werte legten zu, 1584 gaben nach, und 170 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,88 Milliarden Aktien 1089 Werte im Plus, 1769 im Minus und 227 unverändert.

Devisen: Euro top, Rand flop

Der Kurs der Euro hat leicht zugelegt. Die europäische Gemeinschaftswährung stieg zuletzt auf 1,1273 US-Dollar. Das war etwas mehr als am Vormittag. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1258 Dollar festgesetzt.

Die wenigen Wirtschaftsdaten, die im Euroraum veröffentlicht wurden, gaben dem Handel keine entscheidenden Impulse. So hatte sich die Anlegerstimmung im Währungsraum, gemessen am Sentix-Index, von bereits hohem Niveau aus weiter aufgehellt. Zahlen aus dem Einzelhandel des Euroraums fielen dagegen durchwachsen aus. Anleger meiden laut Commerzbank-Analystin Esther Reichelt derzeit das Risiko.

Unter deutlichem Druck stand unterdessen der südafrikanische Rand. Auslöser waren Wachstumsdaten, die zeigten, dass das Schwellenland zu Jahresbeginn in die Rezession gefallen war. Der Rand verlor zum US-Dollar in der Spitze 1,3 Prozent. Südafrika leidet seit längerem unter mehreren gravierenden Problemen. Staatspräsident Jacob Zuma ist gerade im Ausland sehr umstritten.

Die Digitalwährung Bitcoin hat ihren Höhenflug auch zu Beginn der neuen Woche fortgesetzt. Der Wert eines Bitcoins stieg laut Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg auf einen Rekordstand von mehr als 2871 US-Dollar.

Rohstoffe: Turbulenzen bei Ölpreisen

Der Ölpreis reagierte mit erhöhter Volatilität auf die Ereignisse im Nahen Osten. Der offene Bruch verschiedener arabischer Ölstaaten und Mitgliedern des Erdölkartells Opec dürfte die Handlungsfähigkeit der Organisation vor dem Hintergrund einer steigenden US-Förderung schwächen, hieß es im Handel. Daher reagiere der Markt nicht mit Panikkäufen auf die Krise im Nahen Osten.

US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligt sich um 0,6 Prozent auf 47,13 US-Dollar. Die global gehandelte Ölsorte Brent ist mit 49,19 Dollar je Fass ebenfalls 0,6 Prozent günstiger zu haben.

Der Goldpreis stieg um 1,2 Prozent auf knapp 1294 Dollar je Feinunze. Damit stand der Preis für das Edelmetall nur noch wenig unter dem bisherigen Jahreshoch vom 17. April von knapp 1296 Dollar. "Gold erhält dabei gleich von mehreren Seiten Unterstützung", sagte Rohstoffanalyst Eugen Weinberg von der Commerzbank. Er verwies auf die Krise um Katar und den schwachen US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag.

Asien: Nikkei gibt deutlich nach

Am japanischen Aktienmarkt haben ein stärkerer Yen und Verluste an der Wall Street auf die Stimmung gedrückt. Der Nikkei-Index fiel im späten Handel unter die psychologisch wichtige Marke von 20.000 Punkten, die er erst in der vergangenen Woche übersprungen hatte. Der 225 Werte umfassende Index gab zum Handelsschluss rund 1,0 Prozent nach auf 19.979,90 Punkte. Der chinesische Shanghai Composite fiel um 0,2 Prozent auf 3084 Punkte. Der MSCI-Index für Aktien im Asien-Pazifik-Raum ohne Japan gab 0,2 Prozent nach.

Bei den Einzelwerten standen in Tokio die Papiere von Toshiba im Blickfeld, die gegen den Trend fast drei Prozent zulegten. Die Zeitung "Asahi" berichtete, der angeschlagene Konzern wolle mit dem US-Chiphersteller Broadcom exklusiv über den Verkauf seiner lukrativen Chipsparte verhandeln. Toshiba wollte sich nicht äußern. Durch den Verkauf erhofft sich der Konzern einen Befreiungsschlag.

Im fernöstlichen Devisenhandel verlor der Dollar gegenüber der japanischen Währung und war für 109,66 Yen zu haben. "Dass der Dollar relativ deutlich unter die Marke von 110 Yen gefallen ist, beunruhigt die Anleger", sagte Analyst Norihiro Fujito von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities.

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Quelle: n-tv.de, kst/mmo/DJ/dpa/rts

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