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Jagd auf Spitzentechnologie Alibaba greift bei deutschem Startup zu

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Mehreren Medienberichten zufolge legte Alibaba rund 90 Millionen Euro für das 2014 gegründete Startup Data Artisans auf den Tisch.

(Foto: picture alliance / Crab Hu/epa/d)

Durch gezielte Übernahmen in Schlüsselindustrien stärkt China seine Wirtschaft. Dafür geht Peking regelmäßig in Deutschland auf Einkaufstour. Oft gilt das Interesse dem Mittelstand. Jetzt entdecken die Chinesen auch deutsche Startups für sich.

Im internationalen Wettkampf um die Vorherrschaft bei Spitzentechnologien greift China bis 2025 nicht nur tief in die Tasche, das Reich der Mitte geht in Deutschland und Europa auch kräftig auf Einkaufstour. Bislang waren die Chinesen vor allem an Unternehmen aus klassischen Industriezweigen wie Maschinenbau und Automobilzulieferern interessiert.

Doch eine neue Übernahme zeigt: Chinesische Konzerne schnappen jetzt auch nach deutschen Startups. Das junge Berliner IT-Unternehmen Data Artisans bestätigt in einem Blogeintrag  die Übernahme durch den Onlineriesen Alibaba. "Wir freuen uns, dass Artisans sich mit Alibaba zusammengetan hat, um im Anschluss an eine Finanzierungsrunde im vergangenen Jahr eine neue Initiative rund um Big-Data-Open-Source-Technologien aufzubauen", erklären die Firmenchefs Kostas Tzoumas und Chief Technology Officer Stephan Ewen. Ziel sei es, nun in neue Bereiche zu expandieren.

Beide Unternehmen kennen sich bereits gut. Als Kunde nutzt der Tech-Riese die Dienste des Berliner Startups schon seit 2016. Laut Medienberichten habe sich Alibaba die Übernahme 90 Millionen Euro kosten lassen. Eine Bestätigung für diese Summe gibt es bislang nicht.

*Datenschutz

Das erst vor fünf Jahren gegründete Unternehmen hat eine Technologie namens Apache Flink entwickelt, die es erlaubt, "schnelle, verlässliche und aussagekräftige Analysen von riesigen Datenmengen" zu ermöglichen - und zwar fast in Echtzeit. Das Besondere: Die Daten müssen dafür nicht erst gespeichert sein. Die Big-Data-Analyse ermöglicht es Firmen, schnellere Geschäftsentscheidungen zu treffen, erklärt das Startup auf seiner Website die Technologie. Diese dürfte in Zukunft sicherlich auch bei selbst fahrenden Autos oder der Industrie 4.0 gefragt sein.

Die Technologie ist eine sogenannte Open-Source-Anwendung, die für Entwickler frei zugänglich ist. Das Unternehmen verdient sein Geld also nicht mit dem Programmiercode, sondern mit Dienstleistungen wie Betrugserkennung, Interaktion mit Internetbesuchern sowie Finanztransaktionen.

Zu den Kunden zählen schon heute namhafte Firmen wie etwa Netflix, Uber, Huawei oder Zalando. "Gemeinsam werden Data Artisans und Alibaba die Beiträge zu Apache Flink und Open Source Big Data nicht nur fortsetzen, sondern beschleunigen", schreiben Tzoumas und Ewen. Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" will Alibaba in den Berliner Standort investieren und alle Mitarbeiter übernehmen. Beide Gründer sollen im Unternehmen bleiben und die Technologie weiter vorantreiben.

Potenzial der Zukunftstechnologien

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Auf die Frage, warum der E-Commerce-Riese den Kauf einer Partnerschaft oder einer weiteren Investition vorziehe, antwortet Alibaba-Vizepräsident Jingren Zhou gegenüber "TechCrunch": "Wir sind zuversichtlich, dass wir dank unserer gemeinsamen Fähigkeiten noch mehr zu Flink beitragen können, sowohl in Bezug auf die Technologie als auch auf die Entwicklung der Community. Wir schätzen es, voneinander zu lernen und die Open-Source-Community für die Datenverarbeitung offener, kollaborativer und vielfältiger zu gestalten."

Aus technologischer Sicht sei die Übernahme "etwas wirklich Aufregendes für Entwickler auf der ganzen Welt". Für Kunden und Partner stelle sie eine wirksame Möglichkeit dar, sich den Herausforderungen zu stellen, vor denen viele Unternehmen im Zeitalter der digitalen Transformation stehen. Bedenken bezüglich der Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen hat Tzoumas nicht. Die Daten blieben zu 100 Prozent in der Obhut des Kunden und seien von jedem Nutzer vollständig einseh- und überprüfbar, versichert er.

Der Wettkampf darum, wer als Wirtschaftsnation in Zukunft die Nase vorn hat, wird sich nicht zuletzt an Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Big Data entscheiden. Das hat auch die Bundesregierung erkannt. Die Chancen seien groß, erklärte Wirtschaftsminister Peter Altmaier: "Durch KI sind allein im produzierenden Gewerbe rund 32 Milliarden Euro an zusätzlicher Wertschöpfung in den nächsten fünf Jahren möglich", sagte er am Dienstag auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung in Nürnberg. Auch deswegen soll bis 2025 die Entwicklung mit insgesamt drei Milliarden Euro vorangetrieben werden. Die Pläne aus China sind weitaus ambitionierter: Staatspräsident Xi Jinping will sein Land bis 2030 in eine führende KI-Macht verwandeln, mit einer Branche im Wert von 130 Milliarden Euro.

Quelle: n-tv.de

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