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Digital Health und Roboter-Küche Auf diese Trends spekulieren Investoren 2021

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Der Berliner Wagniskapitalgeber La Famiglia hat in die Roboter-Kantine von Aitme investiert.

(Foto: Aitme)

Kommunikations-Tools wie Slack und Teams erleichtern in vielen Unternehmen seit der Corona-Pandemie die digitale Zusammenarbeit. Auch im Jahr 2021 werden mehr Menschen weniger Zeit im Büro verbringen. Investoren haben aber nicht nur Startups im Blick, die Arbeit neu denken.

Insolvenzen, Kurzarbeit, Entlassungen: Für viele Unternehmen war das Corona-Jahr 2020 eine Herausforderung - auch die Startup-Szene ist von Umsatzeinbußen nicht verschont geblieben. Besonders die Reisebranche hat es hart getroffen. Das gefeierte und mittlerweile mit einer Milliarde bewertete Berliner Unternehmen Getyourguide musste beispielsweise mit 90 Mitarbeitern entlassen. Das entspricht etwa einem Sechstel der Belegschaft. "Das Unternehmen hat zwar ein hartes Jahr hinter sich, doch die Gründer wissen Investoren an ihrer Seite, die an ihr Geschäftsmodell glauben", sagt Judith Dada, Partnerin beim Berliner Wagniskapitalgeber La Famiglia ntv.de.

Während viele Reise-Startups im Pandemie-Jahr um ihr Überleben kämpfen mussten, gibt es allerdings auch Bereiche, die von dem weltweiten Ausnahmezustand profitiert haben. Besonders Technologien, die das Arbeiten von zu Hause erleichtern, waren spätestens seit dem ersten Lockdown so gefragt wie nie. "Im März vergangenen Jahres mussten die Menschen von heute auf morgen ihre Büros verlassen. Viele haben zum ersten Mal eine VPN-Verbindung oder einen Zoom-Call genutzt", sagt Dada.

Das hat Konsequenzen. "Das Jahr 2021 wird sehr stark geprägt sein von einem sogenannten Zweite-Welle-Effekt." Jetzt sei es wichtig, eine neue Balance zu finden. La Famiglia hat deswegen beispielsweise in Back investiert. Das Berliner Startup bietet eine Aufräumlösung für unterschiedliche Chat- und Mailkanäle, die das Chaos in der Online-Kommunikation reduzieren soll.

Impfstoffauslieferung überfordert Logistikbranche

"Wenn ich unser Portfolio angucke, dann geht es gar nicht mehr darum, einen Kompromiss zwischen digitaler Arbeit und Arbeit im Büro zu finden", sagt Dada. Was jetzt gebraucht werde, seien viel mehr Anwendungen, die zum Beispiel Video-Anrufe effizienter machen, einen nahtlosen Übergang zwischen der digitalen und der Offline-Arbeit schaffen und es dabei den Angestellten gleichzeitig ermöglicht, flexibel zwischen beiden Welten zu wechseln.

Damit das klappt, darf digitale Arbeit laut Dada nicht als Offline-Arbeit verstanden werden, die jetzt eben im Internet stattfindet. Unternehmen müssen sich genau überlegen: Was heißt es im Jahr 2021, im Büro zu arbeiten? Auch in einer Zeit "nach Corona" werden die Menschen weniger Zeit im Büro verbringen, ist sich Dada sicher. "Gesund, hygienisch und frisch müssen wir aber weiterhin essen." La Famiglia hat deswegen in die Roboter-Kantine von Aitme investiert, die ohne menschliche Hilfe bis zu 120 Gerichte pro Stunde
kochen kann.

Neben Anwendungen, die die Arbeit von zu Hause erleichtern, haben Investoren auch Startups aus Logistik, Digital Health und KI im Blick. Gerade mit Blick auf die Impfstoffauslieferung ist in den vergangenen Wochen deutlich geworden: Die Logistikbranche ist laut Dada, weder was das Tracking noch was die Resilienz angeht, für solch eine Aufgabe vorbereitet gewesen. "Unternehmen müssen sich 2021 neu aufstellen, um sich verändernde Angebote gut ausliefern zu können", sagt Dada. "Von Gesundheit über E-Commerce bis hin zu Offline-Retail haben wir im vergangenen Jahr gemerkt, wie abhängig wir von unseren vermeintlich perfekten Logistikketten sind."

KI wird immer weniger abstrakt

Noch viel offensichtlicher: "Während der Pandemie ist auch dem Letzten klar geworden, wie wichtig die Digitalisierung der Gesundheitsbranche ist", sagt Fabian von Trotha, Managing Partner bei Dieter von Holtzbrinck Ventures gegenüber ntv.de. Bereits im vergangenen Jahr war in Deutschland ein wachsendes Interesse von Investoren am Gesundheitsmarkt spürbar. Dieser wird sich auch 2021 fortsetzen. Der Wagniskapitalgeber, der bislang in den Bereichen Fintech und Pädagogik aktiv war, hat bereits mitten in der Corona-Pandemie im vergangenen August einen Digital-Health-Fonds in Höhe von 60 Millionen Euro aufgelegt.

Mit dem neuen Fonds peilt der Kapitalgeber rund 15 Investments an. Denkbare Bereiche sind hierfür die Telemedizin, Software für Ferndiagnosen, Wearables für die mobile Messung von Körperfunktionen, Anbieter elektronischer Patientenakten sowie Künstliche Intelligenz im Medizinbereich. "Während KI noch vor zwei Jahren eine sehr abstrakte Technologie war, nehmen Berührungsängste immer mehr ab. Umso konkreter die Anwendungen werden, desto mehr schwindet die Angst", sagt von Trotha. Auch wenn die Corona-App am Ende ziemlich missraten sei, weil die Anwendung hinter ihren Möglichkeiten bleibt, zeige sie trotzdem, was für ein Potenzial in der Digitalisierung des Gesundheitssystems liege.

Quelle: ntv.de

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