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Europa hat neuen Spitzenreiter Berlin verliert Titel als Start-up-Hauptstadt

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Im ersten Halbjahr vereint Berlin ein Investitionsvolumen von 520 Millionen Euro auf sich.

(Foto: picture alliance / dpa)

Investoren stecken im ersten Halbjahr weniger Geld in deutsche Startups. Innerhalb Deutschlands kann sich die Hauptstadt in der Gründerszene behaupten - doch die Konkurrenz aus Europa zieht an Berlin vorbei. Daran kann auch der Brexit vorerst nichts ändern.

Die deutsche Gründerszene hat im ersten Halbjahr 2016 deutlich weniger Geld durch Finanzierungsrunden eingenommen als im Vorjahreszeitraum: Von knapp zwei Milliarden Euro bricht der Gesamtwert auf 957 Millionen Euro um über die Hälfte ein, befindet das "Start-up-Barometer" der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, das auf einer Analyse der Risikokapitalinvestitionen in Europa beruht. Zur selben Zeit ist die Anzahl der Finanzierungsrunden aber um 60 Prozent angestiegen.

Zur Jahreshälfte verliert Berlin den Titel als Europas Start-up Hauptstadt. Im ersten Halbjahr konnte die Stadt nur 520 Millionen auf sich vereinen. London liegt mit seinem Investitionsvolumen knapp über einer Milliarde, Stockholm bei einer Milliarde und Paris bei 673 Millionen Euro. Sie ziehen damit deutlich an der deutschen Hauptstadt vorbei. Im vergangenen Jahr ließ Berlin London noch mit 1,5 Milliarden hinter sich.

Im ersten Halbjahr 2015 profitierte Berlin von einmaligen und außerordentlichen Finanzierungen vor allem von der Start-up-Schmiede Rocket Internet. Sie mischten im vergangenen Jahr bei den deutschen Risikokapitalinvestitionen mit und spülten bereits 2014 mit ihrem Börsengang frisches Geld in die Kassen. Eliminiert man die hohe Finanzierung des Online-Kreditgebers in Höhe von 173 Millionen Euro, beträgt die Finanzierungssumme nur noch rund 787 Millionen - und kommt dem Betrag aus diesem Jahr deutlich näher.

"Auf den ersten Blick wirken die Zahlen bedenklich: Das deutschlandweite Investitionsvolumen bricht um mehr als die Hälfte ein und obendrein verliert das lebendige und kreative Berlin gegenüber anderen europäischen Hauptstädten wie London oder Paris", sagt Peter Lennartz, Partner bei EY. "Doch ein zweiter Blick zeigt ein positives Bild: Immer mehr deutsche Start-ups erhalten frisches Kapital, es gibt immer mehr mittelgroße Finanzierungsrunden." Das beweise, dass deutsche Jungunternehmen für Investoren so attraktiv sind wie nie zuvor, so Lennartz.

Fintechs erhalten am meisten Geld

Die höchsten Investitionsvolumen konnten im ersten Halbjahr Fintechs einsammeln. Start-ups aus diesem Bereich kamen auf insgesamt 229 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr macht das zwar einen Rückgang gegenüber 252 Millionen aus. Den Fintechs gelingt es allerdings, Jungunternehmen aus dem elektronischen Handel zu überholen. Mit 61 Finanzierungsrunden bleibt der Handelsverkehr aber noch vor Software- und Analyseunternehmen und den Fintechs.

Innerhalb Deutschlands kann sich Berlin trotz des Rückgangs des Investitionsvolumens an der Spitze behaupten. Zwar stieg das Volumen in den meisten anderen Bundesländern. Es bleibt aber auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Nach Berlin folgen auf Platz zwei Bayern mit 194 Millionen Euro vor Nordrhein-Westfalen mit 70 Millionen Euro. Auch mit Blick auf die Finanzierungsrunden bleibt die Reihenfolge bestehen: Berlin steht an der Spitze vor Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Die Brexit-Entscheidung in Großbritannien wird auf die deutsche Gründerszene kaum Folgen haben. Lennartz rechnet kurzfristig nicht mit zahlreichen Neuansiedlungen britischer Start-ups in Deutschland. Verschiebungen könnte es aber mittelfristig vor allem im Bereich Finanzdienstleistungen geben. "Derzeit ist London der wichtigste europäische Fintech-Standort", sagte Lennartz. "Sollte den Fintech-Unternehmen nach dem Brexit aber der Zugang zu den Verbrauchern in der EU versperrt sein, könnte dies ein wichtiger Grund sein, London zu verlassen oder zumindest eine Dependance in der EU zu gründen." Davon könnte in Deutschland neben Berlin auch Frankfurt profitieren, sagte der EY-Experte.

Quelle: ntv.de, jki