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Sharing Economy in der Krise Niemand braucht WeWork, alle einen Pool

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Keinen Pool? Kein Problem! Mit Swimply naht trotzdem eine Abkühlung.

(Foto: imago images/Cavan Images)

In der Corona-Krise sind Unternehmen gefragt, die die Menschen trotz Distanz verbinden. Airbnb, WeWork und Uber leiden dagegen extrem. Die sogenannte Sharing Economy könnte zum großen Verlierer der Pandemie werden. Doch Ausnahmen beweisen: Auch in der Krise wird geteilt.

Egal ob Grillpartys mit Freunden, Sportveranstaltungen, Musikfestivals oder Fernreisen - diesen Sommer müssen wir auf vieles verzichten. Die Mehrzahl der Menschen stellt sich wegen der Corona-Pandemie auf einen Urlaub zu Hause ein. Doch mit steigenden Temperaturen und geschlossenen Schwimmbädern lässt sich die sommerliche Hitze nur schwer ertragen.

Auf der Suche nach Abkühlung wandten sich viele Fernweh-Geplagte an Amazon. Laut dem US-Portal "Vox" schoss der Suchbegriff "aufblasbarer Pool" im Onlineshop in der 20. Kalenderwoche im Vergleich zum Vorjahr um 1404 Prozent in die Höhe. Zeitgleich machten sich die Gründer des Pool-Vermietungs-Startups Swimply aus den Vereinigten Staaten ernsthafte Sorgen um ihr Geschäftsmodell. Rund zwanzig Prozent der 3300 Pool-Vermieter hätten ihr Angebot zurückgezogen, sagte Co-Gründer Asher Weinberger. Eine wichtige Finanzierungsrunde, die eigentlich vor dem Sommer abgeschlossen werden sollte, habe man verschieben müssen. Ausgangs- und Kontaktsperren sowie strenge Hygienevorschriften trieben das erst 2017 gegründete Unternehmen in Richtung Pleite - genauso wie viele bereits etablierte Anbieter der Sharing Economy.

Während der Messengerdienst Slack und der Videokonferenzdienst Zoom von der Pandemie profitieren, ist das Coronavirus für den Wohnungsvermittler Airbnb, Bürovermittler WeWork und Fahrdienstvermittler Uber ein Desaster. Dabei sollten die Umsätze der Sharing Economy laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC bis 2025 auf etwa 335 Milliarden US-Dollar klettern. Innerhalb von zehn Jahren wären sie damit um mehr als das Zwanzigfache gestiegen: 2015 lag der Umsatz der Branche noch bei 15 Milliarden US-Dollar. Die Pandemie dürfte diese Entwicklung deutlich ausbremsen, denn an gemeinsamen Wohnungen, Büroflächen und Autos besteht derzeit kaum Bedarf.

Airbnb trennt sich von Mitarbeitern

Uber
Uber 31,12

Entsprechend düster sind die Prognosen. Airbnb erwartet für dieses Jahr weniger als die Hälfte des Umsatzes, den der Wohnungsvermittler vergangenes Jahr gemacht hat. Die Vermittlungsplattform hat deshalb einen massiven Stellenabbau beschlossen und geht davon aus, dass die Pandemie das Geschäft nachhaltig verändern wird - selbst dann, wenn die Menschen wieder auf Reisen gehen.

Auch bei WeWork sind die Sorgen groß. Der Bürovermittler steckte seit dem geplatzten Börsengang im vergangenen September und der jüngst abgesagten Finanzspritze des größten Investors Softbank eh schon in der Existenzkrise. Jetzt muss er wegen der Ausgehbeschränkungen Mietausfälle verkraften, seine Büroräume für viel Geld Corona-konform einrichten und fürchten, dass sich viele frühere Kunden so sehr ans Homeoffice gewöhnt haben, dass sie nicht mehr wiederkommen.

Und das Fahrdienstgeschäft von Uber? Rutscht mit Verlusten im ersten Quartal von rund 190 Prozent auf 2,9 Milliarden US-Dollar tief in die roten Zahlen. Immerhin konnte das Unternehmen seine Erlöse um 14 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar steigern. Das lag vor allem am starken Wachstum des Essensbringdienstes Uber Eats, der sich in Zeiten des Zuhausebleibens hoher Beliebtheit erfreut. Aber die Konkurrenz auf dem Markt bleibt groß: Die Übernahme des Mitbewerbers Grubhub scheiterte vor weniger als zwei Wochen. Das britisch-niederländische Unternehmen Just Eat Takeaway war bereit, mehr als Uber zu zahlen.

Dass die Krise allerdings nicht das Aus für die Sharing Economy bedeuten muss, zeigt das Pool-Vermietungs-Startup Swimply. Gerade, als die Gründer begannen, sich für die Krise neu aufzustellen, kehrte sich der Trend um: Als das Wetter besser und die Langeweile größer wurde, stiegen die Buchungen plötzlich wieder an - um unglaubliche 1200 Prozent.

Die App listet inzwischen Pools in 39 US-Bundesstaaten, Kanada und Australien. Die Gebühren, die Gastgeber verlangen, hängen maßgeblich vom Standort ab. In Gegenden mit vielen Pools werden pro Stunde zwischen 35 und 50 US-Dollar fällig, in Nachbarschaften mit einem kleineren Angebot zwischen 50 und 100 US-Dollar. Geld verdient das Start-up über eine Provision. Swimply streicht pro Buchung von den Pool-Vermietern 15 Prozent ein.

Lokale Anbieter haben besseres Krisen-Management

Gründer Bunim Laskin war 19 Jahre alt, als er 2017 in einem heißen Sommer auf einen verlassenen Pool starrte. "Als ältestes von zwölf Kindern war es für meine Familie schwierig eine Möglichkeit zu finden, gemeinsam draußen Zeit zu verbringen. Dann habe ich gesehen, dass unser Nachbar seinen Pool nur selten nutzt und habe ihn gefragt, ob wir darin schwimmen dürfen", sagte Laskin der "Los Angeles Times". Für ihn und seinen Mitgründer Weinberger ist Swimply ein Weg, Luxus zu demokratisieren und für jeden zugänglich zu machen. Immerhin kostet ein Pool in der Anschaffung laut dem digitalen US-Marktplatz für Hausbesitzer Home Advisor rund 26.000 US-Dollar und zwischen 80 und 150 US-Dollar im Unterhalt.

Auch wenn die Nutzung eines fremden Pools in Zeiten einer globalen Pandemie nicht besonders sicher erscheinen mag: Die Vermieter würden viel Wert auf Sauberkeit legen und die Plattform schließe Nutzer aus, die gegen Richtlinien der US-Seuchenschutzbehörde CDC verstießen, sagte Weinberger "Vox". Zugleich weist er darauf hin, dass es keine Beweise dafür gäbe, wonach Covid-19 durch Gewässer übertragen werde und das wegen Poolchemikalien wie Chlor praktisch keine Infektionsgefahr bestünde. Menschenmassen und schmutzige Oberflächen seien potenziell problematischer und in einer privaten Umgebung leichter zu vermeiden.

Die Strategie von etablierten Start-ups wie Airbnb, WeWork und Uber besteht darin, schnell in vielen Märkten zu wachsen. Und am Ende, wenn die Konkurrenz ausgeschaltet ist, werden die Preise erhöht und die Gewinne eingestrichen. Das bedeutet in der Corona-Krise aber auch, dass sie weltweit teure Hygiene-Konzepte entwickeln und umsetzen müssen. Als relatives junges Unternehmen hat Swimply einen klaren Vorteil: Eine lokal organisierte Plattform kann Infektionsschutzmaßnahmen schneller umsetzen - und ihren Kunden somit ein Gefühl von Sicherheit geben. Zumindest im Sommer, wenn der Gedanke an einen Nachmittag am Pool 19-Jährige dazu bringt, ein Start-up zu gründen, das Luxus demokratisiert.

Quelle: ntv.de