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Schnell noch zugreifenAlpina B3 GT im Fahrbericht - das war es noch nicht ganz

29.11.2025, 07:32 Uhr Patrick-portraetfotoPatrick Broich
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Wer einen Alpina B3 GT haben möchte, muss sich sputen. Die Bestellungen sind durch, viel Individualität beim Wunschfahrzeug ist nicht mehr möglich. Noch gibt es aber reichlich Fahrzeuge im Handel. (Foto: Patrick Broich)

Mit dem B3 GT verschwindet quasi die Möglichkeit, Alpina in seiner sportiven Urform zu erleben, wenngleich er sicher nicht der letzte Alpina-Neuwagen ist. ntv.de hat sich diese Art des Autofahrens noch einmal im Limousinen-Gewand verordnet.

Jetzt bitte keine Tränen, alles hat einmal ein Ende oder verändert sich eben. Porsche baut keine luftgekühlten Elfer mehr, Jaguar keine Zwölfzylinder - und BMW keinen M5 ohne großes Elektromodul zusätzlich zum Achtzylinder. Aber immerhin ist noch der Achtzylinder an Bord! Und was bitte wird aus Alpina, wenn Familie Bovensiepen nicht mehr das Zepter in der Hand hält? Wir wissen es noch nicht, aber wollen keine Kulturpessimisten sein. Vielleicht werden die künftigen Alpina ja auch irgendwie cool.

Hoffentlich. Doch noch einmal in den G20-3er mit Alpina-Badge geworfen und Nachdenklichkeitsmodus eingeschaltet. Das Grinsen macht sich breit trotz aller Trauer über das nahende Ende der Alpina-Schmiede wie bisher. Diese BMW-Basis wird wohl der modernste Ur-Alpina gewesen sein, mit dem alte Fans jedoch schon hadern. Keine klassischen Instrumente mehr, schon gar keine mechanischen Anzeigen. Stattdessen bloß noch eine Displaywand, deren als schick geltende Krümmung es gar nicht besser macht. Wenn es dort wenigstens noch eine virtuelle Drehzahl-Skala nach klassischer Manier geben würde. BMW sagt: nope.

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Die 4,73 Meter lange Mittelklasse ist komfortabel-sportlich, wie es kaum auf andere Fahrzeuge zutrifft. (Foto: Patrick Broich)

Okay, führen wir uns diesen letzten B3 nun zu Gemüte, auf dessen daytonaviolett lackiertem Heckdeckel in großen Lettern "GT" prangt. Wobei man sagen muss, dass dieser Testwagen ein besonderes Exemplar ist - konfiguriert für den Supertest der Fachzeitschrift "Sport Auto" mit quasi null Sonderausstattungen, um so leicht wie möglich zu sein. Also hier gibt es nicht mal einen aktiven Tempomat, obwohl der für die Langstrecke gut gewesen wäre. Schwamm drüber, es geht ja auch ohne automatisierte Längsregelung.

Ein wenig lustig ist das trotzdem, denn mit 1,9 Tonnen Leermasse ist ein Auto eben kein Trackbiest. Viel spannender sind die Maßnahmen der Alpinisten beim GT im Vergleich zum Nicht-GT. Aero optimiert, fancy Domstrebe installiert und dem Fahrwerk einen letzten Feinschliff verpasst - na klar, und eine kleine Leistungsspritze muss natürlich auch sein. Also statt 495 PS nun 529 - kein großer Sprung, aber immerhin eine feine Differenzierung.

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Daytonaviolett mit goldfarbenen Akzenten steht dem B3 GT ausgezeichnet. (Foto: Patrick Broich)

Perfekte Balance zwischen M3 und M340i

Aber was macht den B3 eigentlich grundsätzlich aus? Wer entscheidet sich für ihn? Im Prinzip ist es simpel: Wem ein M3 zu roh und ein M340i zu langsam ist, dem macht der B3 ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Dieser Alpina verknüpft Komfort und Performance zu einer perfekten Kombination. Außerdem pfeift er auf die 250-km/h-Konvention und geht sogar traditionell über 300 Sachen dank seiner ALP-gekennzeichneten Pneus.

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Unter der Haube steckt ein angepasster M3-Motor mit der Bezeichnung "S58". Die Hightech-Domstreben sorgen für mehr Stabilität. (Foto: Patrick Broich)

Als Grundlage haben die Buchloer Techniker aber sehr wohl den M3-Motor mit der S58-Kennung herangezogen, um den drei Liter großen Reihensechszylinder für den Einsatz im Alpina zu ertüchtigen. Zwei Turbos sind eben besser als ein Twinscroll-Lader. Dazu kommt eine spezifische Abgasanlage und bessere Kühlperformance. Man erinnere sich - der Alpina kann richtig schnell fahren. Und er verkneift sich die dicken Backen des M3, Aufmerksamkeit generiert er lieber durch geklebte Dekorstreifen auf der Karosse. Tradition verpflichtet!

Lass einen Versuch wagen, den B3 zu beschreiben. Da wäre die Stufe "Komfort Plus" im Menü der adaptiven Dämpfung, wo die übrigen 3er-Varianten lediglich "Sport Plus" anbieten. Und einfaches "Komfort". Was ist denn bitte da los, sitzt man jetzt in einer Luxuslimousine oder im Sportwagen? Team Alpina ist zurückhaltend, der Gentlemen unter den Athleten eben. Mit Muskeln unter dem feinen Zwirn und Stil im Auftritt. Der B3 fordert nicht wie ein M3 zum ständigen Wüten auf, wobei er kann, wenn man nur will - 3,4 Sekunden bis 100 km/h und 11,6 Sekunden bis 200 Sachen sprechen da eine klare Sprache. Und der Vortrieb endet erst bei 308 Kilometern pro Stunde.

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Das sonst gefeierte Curved Display passt einfach nicht zu einem Alpina. Bequeme Sitze aber schon. (Foto: Patrick Broich)

Es gibt dank Allrad keine Traktionsprobleme, sondern fülligen Schub (730 Newtonmeter Drehmoment). Und die liegen nicht bloß punktuell an, sondern zwischen 2500 und 4500 Touren. Und dann zeigt der Tacho bloß eine Richtung - nach oben, während der ZF-Achtgänger mit ansehnlicher Geschmeidigkeit eine Übersetzungsstufe nach der anderen liefert. Das spürt man am Adrenalinlevel und im Kreuz, bedankt sich indes für die Unaufgeregtheit, die ein M3 niemals bietet. Dennoch kann der bei Leerlauf dieselartig schnarrende Direkteinspritzer gen Drehzahlende auch richtig bissig klingen. Bei mittleren Rotationen dagegen dringt eher kultiviertes Sechszylinder-Röhren in den Innenraum. Nicht zu laut für die gepflegte Fortbewegung. Und nicht zu hart für längere Touren am Stück.

Schon schade, dass es das jetzt gewesen sein soll. Aber noch gibt es ja reichlich B3-Auswahl im Handel, die auf Käuferschaft wartet. Ob so extravagant, wie man das Fotomodell wohl einordnen darf, sei dahingestellt. Immerhin sind die feinen 20-Zoll-Schmiederäder im golden schimmernden Ton "Oro Tecnico" ja Bestandteil der GT-Ausstattung und sorgen für den einen oder anderen gen Himmel gereckten Daumen bei Spottern.

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Auch in der zweiten Reihe des G20 kann man luftig verreisen. (Foto: Patrick Broich)

Und wie sieht es finanziell aus in puncto B3? Sicher kein Schnäppchen angesichts eines Listenpreises von 101.700 Euro. Für die Lackfarbe Daytonaviolett schreibt Alpina 4900 Euro extra auf die Rechnung. In den einschlägigen Internetbörsen muss man sich auf Kurse irgendwo zwischen 100.000 und 110.000 Euro einstellen - der Handel ist aber noch ordentlich bestückt. Sogar mit Exemplaren in Daytonaviolett.

Quelle: ntv.de

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