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Alpines Gipfeltreffen Alpine V6 GT trifft Alpine A110

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Historische Alpine A110 und moderne A110: Das sieht nach einer Traumkombination aus.

(Foto: Patrick Broich)

Die Alpine steht in der Gunst der Franzosen so hoch wie hierzulande ein Porsche. Doch ist die Geschichte des Sportlers aus Frankreich lange nicht so konstant wie das der Modelle aus Zuffenhausen. Deshalb hier ein historisches Gipfeltreffen zwischen historischer und moderner Alpine A110.

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Jean Rédélé wäre mächtig stolz auf seine Marke gewesen, hätte er das Comeback noch miterlebt.

(Foto: Patrick Broich)

Eine wirkliche Modellvielfalt kann man der französischen Sportwagenschmiede Alpine ja nicht nachsagen, wenngleich die legendäre A110 viele Jahre parallel zur späteren A310 gebaut wurde. Obwohl auch die A310 grundsätzlich auf dem Rohrrahmen des Vorgängers aufbaut, wirkt sie deutlich opulenter (48 Zentimeter mehr Außenlänge) als der Rallye-Profi A110. Der „Nachfolger“ ist mehr 2+2 und auch mehr GT, vor allem mit dem später nachgereichten Sechszylinder, der gemeinsam von Peugeot, Renault und Volvo genutzt wurde.

Erst 1977 endete die Bauzeit der A110, die A310 wird noch weitere acht Jahre gebaut, bis abermals ein neues Modell aus Dieppe auf die Straße gelassen wurde: der GTA. Unter dem von Auto-Stardesigner Robert Opron gezeichneten Kunststoffkleid der Neukonstruktion kauert wieder einmal der herrlich brabbelig laufende PRV-Sechszylinder mit 90 Grad-Zylinderwinkel, weil er ursprünglich ein V8 werden sollte. Und die Gewichtsverteilung von 40:60 macht neugierig auf den etwas mehr als eine Tonne wiegenden Sportler.

Leichtgewicht für schweren Gasfuß

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Die neue Alpin A110 kann es mit 252 PS krachen lassen.

(Foto: Renault)

Doch zunächst ein kurzer Blick auf die neue A110. Mit einer Länge von 4,18 Metern hat der Purist aufgeholt und liegt beinahe auf Augenhöhe mit dem historischen GT. Nur bei der Leistung ist das neue Modell dem Oldie längst enteilt und kann es mit 252 PS krachen lassen, wenn der Gasfuß tief genug sinkt. Übrigens wiegt der Mittelmotor-Sportler mit 1,1 Tonnen fast auf das Kilogramm so viel wie der GT V6, der hier als 60 PS starker Sauger antritt.

Nebenbei: Es gibt auch eine scharfe Turboversion mit 200 PS. Doch vierzig Pferdchen weniger müssen es auch tun und das tun sie auch. Jedenfalls unter dem Aspekt, Fahrspaß zu liefen. Kernig dreht das PRV-Triebwerk hoch, während die Gänge für ein 35 Jahre altes Gefährt erstaunlich treffgenau einrasten. Forsch in die Kehre und bissig Richtung Gerade – übertreiben wollen wir es nicht, aber auch Fahrer ohne Rennlizenz können mit dem futuristisch anmutenden Zweitürer Spaß haben.

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Das Cockpit der modernen Alpine präsentiert sich recht reduziert.

(Foto: Patrick Broich)

Binnen acht Sekunden geht es auf 100 km/h, was für heutige Verhältnisse langsamer klingt, als es sich anfühlt. Vor allem, wer den PVR-Motor mal in diversen Renault- oder Volvo-Modellen gefahren hat, empfindet die Alpine als geradezu rasant. Erstens, weil sie entgegen dem optischen Eindruck ein Leichtgewicht ist und nicht zuletzt, weil die Fahrwerke heute doch ausgefeilter und die Geräuschpegel in den Innenräumen moderner Autos moderater sind.

Mit dem kann man sogar einen Porsche ärgern

Na ja, für die neuzeitliche A110 gilt das nicht wirklich. Der 1,8 Liter große und aufgeladene Vierzylinder schreit und kreischt mit dem Drehzahlband, reißt das kompakte Mittelmotor-Coupé vehement nach vorn und arbeitet mit jeder Menge Traktion, während der flinke Doppelkuppler einen Gang nach dem anderen nachschiebt. Die neue Alpine sorgt für Dauergrinsen, vor allem natürlich auf einsamer Landstraße.

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Die Alpine A110 kann wunderbar ums Eck tänzeln.

(Foto: Renault)

Mit 56 Prozent der Masse auf der Hinterachse tänzelt der Franzose auch mal energisch um die Ecke, wobei das rechte Pedal die Richtung vorgibt. Dass man mit dem Exoten auch den einen oder anderen Vertreter aus Zuffenhausen nicht nur auf kurvigem Geläuf, sondern ebenfalls auf der Autobahn ärgern kann, haben die Fachblätter bereits herausgearbeitet.

Kaum mehr als 17 Sekunden vergehen bis zur 200 km/h-Marke, das ist eine Ansage. Und die Alpine kann nicht nur Performance, sondern bietet auch Wohlfühlfaktor inmitten einer solide verarbeiteten Architektur. Infotainment gibt es in Form eines großen Screens in der Mittelkonsole und einem aus Anzeigefläche bestehenden Kombiinstrument. Doch der Blick fixiert eher die grazilen Sportsitze und das griffige Lederlenkrad mit der prägnanten blauen Naht, und der Kopf ist längst bei der nächsten Landstraße.

Der V6 ist schon "französischer"

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Auch das Cockpit des V6 GT ist mehr Arbeitsplatz als Wohnzimmer.

(Foto: Patrick Brocih)

Da geht es im V6 schon "französischer" zu, die Sitze sind zwar verhältnismäßig straff und konturiert, aber dennoch irgendwie plüschig. Klassische Rundskalen in leuchtendem Orange, eine Tachoskala mit – zumindest für damalige Verhältnisse – sehnsuchtsträchtigen 270 km/h sowie integriertem Bordrechner im Instrument plus zahlreiche Schieberegler für den Equalizer als Infotainment-Ersatz versprühen Futurismus. Das macht der GTV6 auch äußerlich – beispielsweise mit seiner Frontpartie, die durch ihre Scheinwerfer mit den Glasscheiben über den Leuchteinheiten auffällt sowie mit dem bulligen Heck und der generell großzügigen Verglasung.

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Bleibt noch zu klären, warum die übrigens recht geräumige Alpine aus den Achtzigern die Renault-Raute und nicht das Alpine-Logo trägt. Fakt ist, dass Alpine früher wie heute als Marke und nicht bloß als Variante auftritt, doch die Sportwagen-Manufaktur gehört spätestens seit Ende der Siebzigerjahre komplett zu Renault. Es ist wohl immer wieder neu gefällten Marketing-Entscheidungen zu verdanken, wann man welches Logo sehen konnte.

Die letzten Modelle der ersten Alpine-Phase (A610) trugen jedenfalls wieder das Alpine-Emblem. Die heutige Retro-A110 muss mit einem stylisch gestalteten Schriftzug und der französischen Flagge auskommen – auch schön. Jean Rédélé wäre mächtig stolz auf seine Marke gewesen, hätte er das Comeback noch miterlebt. Er verstarb leider 2007 mit 85 Jahren. Die Marke Alpine hat nun immerhin schon 66 Jährchen auf dem Buckel - und hoffentlich noch viel Zukunft vor sich.

Quelle: ntv.de, Patrick Broich, sp-x