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Selbstzünder zuerst Audi Q5/SQ5 Sportback mit Diesel-Power

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Audi bietet nun auch den Q5 in einer hinten angeschrägten Sportback-Variante an.

(Foto: Audi)

Während sich der VW-Konzern elektrifiziert, steht Audi mit neuem Design zu alten Antriebstugenden. Mit Diesel-Power präsentieren die Ingolstädter den Q5 und SQ5 Sportback. Sie behaupten gar, dass sich wohl die meisten Käufer für einen Selbstzünder entscheiden werden.

Die haben schon Eier bei Audi. Da stellen sie zur ersten Testfahrt des Q5 Sportback, also der schrägen Variante des Q5, doch tatsächlich Dieselmodelle auf den durch die Corona-Maßnahmen verwaisten Parkplatz des Audi-Forums in Ingolstadt. Und das, wo doch der gesamte VW-Konzern sich vor Elektrifizierungs-Euphorie kaum noch einkriegt und das neue Dieselaggregat in Form des EA288 durch eine neue Abschaltvorrichtung die Abgaswerte beschönigen soll. So jedenfalls die Aussage einiger Anwälte. Der ADAC vermeldet hingegen: "Bis heute konnte keine unzulässige Abschalteinrichtung bei Motoren dieser Baureihe nachgewiesen werden."

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Markant und charmant: Das coupéhafte Heck des Audi Q5 Sportback.

(Foto: Audi)

Nun, wie dem auch sei, beim Rundgang um den Neuling fällt, wie sollte es auch anders sein, weder der Motor noch der Längenzuwachs von sieben Millimetern zum steilen Schwestermodell ins Auge. Bis zur gedachten vertikalen Linie zwischen dem hinteren Türschloss und der Dachlinie ist alles gleich. Erst ab hier greift der Unterschied, das neue Schrägheck, das sich inklusive Heckfenster bis zur Gürtellinie des Sportback zieht. Die Distanz zu den Betreuern des desinfizierten Neulings erübrigt sich, wenn die Fahrertür ins Schloss gefallen ist, der Startknopf gedrückt wird und die vertraute Melodie eines dezenten Diesel-Schnurrens erklingt.

Mit "Ultra"-Technik

Interessanterweise beteuert Audi, dass das Triebwerk des Q5 Sportback 40 TDI auch das sei, für das sich wohl die meisten Käufer entscheiden werden. Wie das? Der Diesel ist doch eigentlich schon tot und überaus schmutzig! Oder doch nicht? Denn der stark überarbeitete Zweiliter-Diesel-Vierzylinder mit seinen 204 PS hat das bereits bei anderen Modellen des VW-Konzern eingesetzte neue Abgas-Reinigungssystem mit zwei Katalysatoren und macht mit doppelter Dosierung der Adblue-Flüssigkeit fast allen Stickoxiden den Garaus. Die Zukunft moderner Diesel läge also, wenn überhaupt, in derart ausgeklügelter Technik, wenn die aktuelle Blockade in den Köpfen von Kunden, Politikern und Aktivisten sich denn überhaupt noch überwinden lässt.

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Fast 1,5 Kubikmeter Gepäck passen in das angeschrägte Heck des Q5 Sportback.

(Foto: Audi)

Zudem ist beim 40 TDI eine 12-Volt-Mildhybrid-Technik an Bord, die dank eines Generators beim Verzögern elektrische Energie in einem Akku speichert. Sie macht auch das "Segeln" möglich. Dabei wird der Motor beim Lupfen des Gaspedals abgeschaltet und spart so Kraftstoff. Der Start-Stopp-Bereich beginnt schon bei 22 km/h. Das alles muss den Fahrer nicht kümmern, denn die Steuerung läuft stets automatisch im Hintergrund. Das Gleiche gilt für den Allradantrieb mit der noch jungen "Ultra"-Technik. Dabei sind stets die Vorderräder für das Fortkommen zuständig. Wenn die Sensoren ein drohendes Durchdrehen eines Rades erkennen, beteiligen zwei Kupplungen in Bruchteilen von Sekunden die Hinterachse am Antrieb. Das bewährt sich auf kurvenreichen Landstraßen ebenso wie beim Beschleunigen aus Biegungen heraus, wenn das bullige Drehmoment des Turbodiesels die Muskeln spielen lässt.

Der Preis ist Premium

Das alles trägt natürlich auch zur Souveränität bei, die ein Audi wie der Q5 seinem Fahrer vermittelt. Ob im D-Zug-Tempo auf der Autobahn, dem gelassenen Gleiten über Land oder auch dem alltäglichen Betrieb von Ampel zu Ampel. "Premium" nennt sich das im Verkäufer-Jargon, laut Duden ein Produkt "von besonderer, bester Qualität". Das soll dann auch den hohen Preis von mindestens 52.200 Euro für den Test-Audi rechtfertigen. Erwarten kann der Kunde Technik auf dem aktuellen Stand. Wie zum Beispiel die OLED-Rückleuchten, ein Begriff, der bislang vor allem von Flachbild-Fernsehern bekannt ist. Dabei sind in jeder Leuchte drei Dioden mit je sechs Segmenten integriert, die ein besonders homogenes Licht erzeugen. Beim Kauf kann übrigens unter drei Erscheinungsbildern des Rücklichts gewählt werden.

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Wie im normalen SQ5 übernimmt auch im Sportback ein Diesel den Antrieb.

(Foto: Audi)

Die möglichen weiteren Extras des Sportbacks sind schon aus dem normalen SUV her bekannt. Luftfederung, fast alle bekannten Assistenzsysteme, penible Vernetzung mit der digitalen Umwelt (inklusive Alexa), Matrix-LED-Scheinwerfer und vieles mehr. Kein Problem also, weitere gut 20.000 Euro und mehr in seinem bestellten Audi unterzubringen. Und ganz ohne Mehrpreis liefern die Ingolstädter ein Kleid, das die SUV-Fans ansprechen soll, die ihre Sportlichkeit demonstrieren wollen und dabei gerne rund 2000 Euro mehr als für den normalen Q5 auszugeben bereit sind.

SQ5 mit Sechszylinder-Diesel

Aber Moment, es geht auch noch stärker und noch teurer mit dem SQ5 Sportback. Unter der Haube des mindestens 72.000 Euro teuren Ingolstädters pumpt ein Sechszylinder-Diesel mit 341 PS. Denn auch in Zeiten von E-Autos, Ladesäulen und CO2-Steuern hat der Buchstabe "S" bei Audi immer noch einen magischen Klang bei den Verfechtern der alten Autowelt. Mit Ausnahme des kleinen A1 gibt es in jeder Baureihe aus Ingolstadt eine recht hochpreisige Variante mit eben jenem "S", was natürlich für "Sport" steht und sich durch eine jeweils höhere Motorleistung von den Normalmodellen unterscheidet. Neuster Vertreter der Kraftpakete ist der SQ5 Sportback und damit die Spitze des Eisbergs.

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Dank seines permanentem Allradantriebs hat der SQ5 in keiner Situation Anfahrschwierigkeiten.

(Foto: Audi)

Wie schon bei den Limousinen A4 und A6 entschied sich Audi auch bei den Q5- Vorzeige-Modellen dafür, mit einem starken Dieselmotor ins europäische Rennen zu gehen und den Benziner aufs Altenteil zu befördern. Im normalen Q5 gibt es diese Top-Version schon, jetzt wird der Sportback nachgeschoben. Die Mischung aus SUV und fünftüriger Coupé-Limousine spendiert ja auch gleich noch das passende Outfit.

Dank eines sogenannten Aktuators, der in die Abgasanlage eingebaut ist, meldet sich der Sechszylinder-Diesel mit einem künstlich erzeugten Blubber-Sound schon im Stand. Besonders nachdrücklich im Dynamik-Modus, der per Knopfdruck abgerufen werden kann. Beim Beschleunigen aus niedrigen Drehzahlen überrascht der schnell ansprechende Turbo. Das Geheimnis liegt in einem zusätzlichen Verdichter, der vom 48-Volt-Bordnetz angetrieben wird und im Gegensatz zum klassischen Lader nicht erst warten muss, bis sich der Abgasdruck aufgebaut hat. Außerdem sorgt das verstärkte E-Netz dafür, dass der Sportback 40 Sekunden lang "Segeln" kann. Mild-Hybrid heißt dieses System, das beim Verzögern Energie in die Lithium-Ionen-Batterie zurückleitet. Rein elektrisch antreiben kann es den Audi im Gegensatz zu "echten" Hybriden aber nicht.

Es sind die klassischen Werte

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Wie bei Audi nicht anders zu erwarten ist der Innenraum edel eingerichtet und sauber verarbeitet.

(Foto: Audi)

Dennoch trägt es dazu bei, dass es bei flotter Gangart im SQ5 richtig zur Sache geht. Dank permanentem Allradantrieb krallen sich alle Räder energisch auf dem Belag fest, eine ausgeklügelte Elektronik verteilt dabei wie gehabt die Power an die Achse, wo sie gerade benötigt wird. Ist gegen 1350 Euro Aufpreis ein Sportdifferential an Bord, kann die Kraft auch noch variabel zwischen den beiden Hinterräder hin- und hergeschickt werden. Wenn in der Aufpreisliste die 2000 Euro teure "Luftfederung" angekreuzt wurde, passt sich das Fahrwerk selbsttätig der jeweiligen Fahrsituation an.

Unterm Strich ist der SQ5 also ein Hightech-Gigant mit den klassischen Werten wie bulliger Durchzugskraft, die sich in einem maximalen Drehmoment von 700 Newtonmetern entlädt. Damit bietet dieser Ingolstädter sportliche Qualitäten, aber auch üppigen Komfort für Langstrecken- oder Erkundungsfahrten beim Familienausflug. Allein wegen seines hohen Preises wird der SQ5 Sportback aber ein eher seltener Anblick im Straßenbild bleiben.

Quelle: ntv.de, hpr/sp-x