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Konventionell oder exotisch? Audi R8 Performance vs. McLaren GT

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Audi R8 Performance oder McLaren GT? Eine Entscheidung, die hier nicht vom Geld, sondern vom Geschmack abhängt.

(Foto: Patrick Broich)

Sportwagen ist nicht gleich Sportwagen. Die Konzepte eines Audi R8 Performance und eines McLaren GT könnten unterschiedlicher nicht sein. Doch beide eint das shakespearesche Motto "Wie es euch gefällt".

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Für mehr Aufsehen dürfte im Straßenverkehr mit Sicherheit der McLaren GT sorgen.

(Foto: Patrick Broich)

Bei Supersportwagen geht es dank der enormen Modellvielfalt konventionell und eben auch ein Schippchen exotischer. Die beiden Mittelmotor-Sportler Audi R8 Performance und McLaren GT treten in der 200.000-Euro-Liga an und sind grundverschiedene Charaktere. Besser oder schlechter gibt es hier nicht, aber viele gute Gründe, sich für den einen oder den anderen zu entscheiden. Kommen Sie einfach mit auf die Reise.

Die Farben sprechen Bände

Schon die Farbtöne sprechen Bände - hier das extrovertierte "Vegasgelb" beim Audi R8, dort der exotisch anmutende McLaren GT im dezenten "Amaranth Red". Und es gibt auf Wunsch durchaus knalligere Töne. Der Modellname "GT" sagt es schon: Der junge britische Mittelmotor-Athlet will qua Definition gar nicht so laut posaunen, gar nicht so wild rüberkommen - jedenfalls für McLaren-Verhältnisse. Der Gran Turismo darf auch gerne mal mitgenommen werden auf die Langstrecke, keine Frage.

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Der Heckspoiler fließt wie in einem Zug aus dem Heck des McLaren GT.

(Foto: Patrick Broich)

Und der R8? Ist ein automobiles Statement - in dieser Uni-Lackierung und mit dem feststehenden Flügel, den die 620 PS starke Performance-Variante obligatorisch trägt. Hier wird das sonst zumindest dezentere Produkt aus dem Hause Audi plötzlich zum unfreiwilligen Fotoobjekt auf der Straße - das muss man schon mögen.

Apropos 620 PS - exakt diesen Wert weist auch das Datenblatt des McLaren GT aus, jenes Supersportlers, der ja eigentlich in dieser Form etwas brav daherkommen will. Zumindest die kleine Showeinlage vor dem Einsteigen bleibt erhalten, denn auch beim schlichteren GT kann es die Edelschmiede aus UK nicht lassen, die Türen gen Himmel ragen zu lassen. Dafür gelingt das Entern der Karosse hier deutlich eleganter als bei den radikaler angelegten Modellen wie 720 S oder 600 LT.

Luftige Rennmaschine

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Der McLaren GT gibt sich im Innenraum angenehm luftig, ist aber bei aller Bequemlichkeit kein wirkliches Langstreckenfahrzeug.

(Foto: Patrick Broich)

Und danach? Fühlt man sich in der Tat luftiger aufgehoben als in den Modellen der "Sports"- und "Super"-Serien. Ist der McLaren GT also ein echter Gran Turismo, mit dem sich längere Distanzen problemlos überwinden lassen? Nun ja, wer ein Kandidat für potenzielle Bandscheibenvorfälle ist, sollte den GT nicht zwingend als Dauerlösung in Betracht ziehen, auch wenn er platztechnisch sitzen mag wie ein bequemer Turnschuh und durchaus kommode Stühle bietet. Viel Seitenhalt und bequeme Eigenschaften schließen sich jedenfalls nicht aus.

Am Ende entpuppt sich der hinterradgetriebene Bolide aber eben doch als Rennmaschine, schnupft kurvenreiche Landstraßen und Tracks dieser Welt mit beeindruckender Mühelosigkeit und schier nicht enden wollendem Grip. Nur macht er eben nicht so viel Gewese darum. Das ist aber ohnehin nicht die Art eines McLaren, obgleich ihm der rennsporttaugliche Hochdrehzahl-Achtzylinder mit Flatplane-Kurbelwelle verabreicht wurde.

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Der Achtzylinder im McLaren GT braucht natürlich Luft und die bekommt er auch.

(Foto: Patrick Broich)

Der GT ist besser gedämmt, lässt von dem kehligen Schreien des Achtenders deutlich weniger in den Innenraum als die üblichen Verdächtigen aus Woking. Und er ist daher etwas schwerer, bringt mit satten 1,5 Tonnen Leergewicht rund 100 Kilogramm mehr auf die Waage als Konsorten wie 720 S oder 600 LT. Wer sich nicht professionell mit Rennsport beschäftigt, wird allerdings gar nicht merken, dass er die Nordschleife ein Quäntchen langsamer absolviert als die radikalen Sportler der Marke. Kleiner Trost für Fans reinen Motorsounds: Der Klappen-Auspuff ist natürlich auch beim GT am Start.

Unvergleichlich schöner Sound

Nun aber zum Audi R8, der erst als Performance-Variante leistungsmäßig gleichauf ist mit dem McLaren GT, aber in puncto Fahrwerk straffer daherkommt als die Grundversionen des R8. Nun ist es nicht so, als sei ein Basis-R8 das Komfortwunder schlechthin und der Performance auf längerer Strecke unfahrbar. Bewegt man den Zehnzylinder ganz entspannt, entpuppt er sich als durchaus angenehmer Begleiter. Er sitzt wie ein maßgeschneiderter Anzug. Hinter den Rücken der Passagiere ist bereits die Wand, klar, dahinter sitzt das 5,2 Liter große V10-Monstrum, das einen unvergleichlich schönen Sound produziert und zugegeben sogar noch mehr betört als der Vierliter-Achtzylinder des Briten.

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Den Audi R8 Performance erkennt man auch an seinem eigenwilligen Heckspoiler.

(Foto: Patrick Broich)

Bei der reinen Längsbeschleunigung punktet Letzterer aber, versetzt dem Carbon-Monocoque einen derartigen Tritt. Der Turbo schiebt einfach nur brutal an und scheint die physikalischen Gesetzmäßigkeiten außer Kraft zu setzen. Jetzt bitte nur keine falschen Vorstellungen vom Saugmotor bekommen - auch der R8 sprintet auf außergewöhnlich hohem Niveau, hat längst in zahlreichen Tests bewiesen, dass er unter zehn Sekunden in der Lage ist, von 0 auf 200 km/h zu beschleunigen.

Den R8 muss man sich erarbeiten

Allerdings braucht das Hubraummonster Drehzahl, jubelt ohne Probleme hoch auf 8000 Touren. Und man muss das Drehzahlband nutzen, wenn es vorangehen soll - ab 6000 Umdrehungen setzt noch ein zweiter Sturm ein, bis der Begrenzer bei 8000 Rotationen Einhalt gebietet. Und nur keine Angst, die Rücken der Passagiere kleben bei voller Fahrt voraus schon ordentlich an den Sitzlehnen. Schön ist, dass der Sauger seine Kraft linear entfaltet und fein berechenbar dosiert werden kann - was der eine oder andere Kunde gerade auf dem Track als Pfund empfinden dürfte. Höhere Querdynamik-Sphären muss man sich mit dem R8 übrigens erarbeiten, der im ersten Moment mächtiger und daher etwas sperriger wirkt als der McLaren GT, obwohl beide rund zwei Meter in der Breite messen.

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Wer sich einen Audi R8 Performance anzieht, muss zusehen, dass ihm dieser Sportwagen auch passt.

(Foto: Patrick Broich)

Dass der Allradler aus Ingolstadt 150 Kilogramm mehr auf die Waage bringt, mag dabei auch eine Rolle spielen, aber wenn man sich erst einmal eingegroovt hat, wetzt er bei gekonntem Umgang mit Lenkrad und Pedal ganz schön um die Ecken. Und der Komfort-Faktor? Ist in der entsprechenden Dämpfer-Einstellung recht ordentlich. Eher dürfte die Langstrecken-Tauglichkeit an der eingeschränkten Mitnahmefähigkeit scheitern.

Mit 112 Litern Kofferraumvolumen will der R8 seinem Eigner wohl bedeuten, dass er allenfalls als Drittwagen für ein paar sonntägliche Stunden auf der einsamen Landstraße eingesetzt werden soll. Der McLaren dagegen verarbeitet mit 570 Litern Kofferraumvolumen locker einen ausgedehnten Wochenendausflug. Jetzt sind Sie an der Reihe zu entscheiden, liebe Sportwagen-Interessenten.

Quelle: ntv.de