Auto

Edelsportler versus. Massenauto BMW M1 oder Z3 - eine Frage des Glücks

BMW_M1_cr_SE.jpg

Der BMW M1 ist eine Legende und eine echter Spaßbringer. Der hat aber auch seinen Preis.

Auf der Suche nach spaßgetriebenen BMW-Modellen der letzten Jahrzehnte kommt man an einem M1 nicht vorbei. Diese Rennmaschine verlangt aber auch einigen finanziellen Aufwand. Aber muss der sein, wenn es einen Z3 gibt?

Old- und Youngtimer-Spaß geht bei BMW auf Concours-Niveau oder luftig-bodenständig. Ein rarer M1 verlangt dem Käufer mehr als eine halbe Million Euro ab, während ein sechszylindriger Z3 Roadster schon für unter 10.000 Euro zu haben ist. Rechnet man die Preise in Fahrspaß um, kommt man zwangsläufig zur Frage: Macht der teure Kauf wirklich glücklicher?

Mächtiges Grollen für 500.000 Euro

BMW_M1_cr_HI.jpg

Mächtig grollt die Legende durch die Gassen.

Ein mächtiges Grollen geht ihm voraus, dem weißen Biest mit dem Motor in der Mitte. Doch es ist nicht irgendein Triebwerk, das hier lautstark und mächtig anschiebt. Der M88, sechs Zylinder in Reihe, vier Ventile pro Zylinder und rund 3,5 Liter Hubraum, ist quasi der Vater der M-Triebwerke, die noch bis in die Neunziger Verwendung fanden. Ein Leckerbissen der Mechanik – hier mit Einzeldrosselklappen ausgerüstet und der seltenen, mechanischen Kugelfischer-Benzineinspritzung.

Um die Maschine herumgebaut präsentiert sich ein Auto aus dem Hause BMW, das man im Straßenverkehr nicht allzu oft antrifft. Nicht einmal 500 Stück der Gitterrahmen-Karossen haben das Werk seit 1978 verlassen; der futuristisch gezeichnete Oldie mit den Heckleuchten der Sechser-Baureihe E24 zieht die Neugier so mancher Passanten auf sich. Wer ein Exemplar erwerben will – kein Problem, ab 500.000 Euro wird man allmählich fündig auf den einschlägigen Fahrzeug-Börsen.

BMW_M1_cr_VO.jpg

Bei einer Fahrt im BWM M1 ist das Grinsen im Gesicht nachhaltig.

Doch Hand aufs Herz - was qualifiziert diesen zugegeben seltenen BMW für einen so absurd hohen Kurs? Auf der Suche nach Antworten kommt man um eine Probefahrt nicht herum. Wie viel Spaß bereitet ein M1? Also rein in den Wagen der Superlative, man nimmt im Vergleich zu den meisten Alltagsfahrzeugen ein Stockwerk tiefer Platz, die Übersicht ist mäßig. Doch keine Sorge, das Grinsen im Gesicht ist nachhaltig.

Grinsen verschwindet erst am Schluss

Also, auskuppeln und den 277 PS-Brocken starten. Das linke Pedal geht erwartungsmäßig stramm und trainiert schön die Waden, während der Schalthebel knochig und schwergängig rastet. Ein bisschen Gas und auskuppeln, der Luxus-Sportler rollt los. Für akustische Präsenz sorgt das mächtige Triebwerk im Rücken, und sobald das Öl gut durchgewärmt ist, bekommt es adäquate Drehzahlen. Jawohl, der schiebt. Der schiebt, schiebt sogar gewaltig. Zwar bleibt der Tritt ins Kreuz aus (okay, moderne Autos mit absurden Leistungswerten stumpfen einfach ab), aber das Biest kreischt und marschiert vorwärts. Der Sechszylinder giert nach Touren. Schönen Gruß an die Vertreter-Diesel-Fraktion, nein, den M1 schnappt ihr euch nicht! Die Motorposition sorgt für eine ausgeglichene Gewichtsverteilung, nach etwas Tuchfühlung mit dem Auto und seiner stramm-präzisen Lenkung werde ich verdammt schnell in den Kehren.

BMW_Z3_cr_SE.jpg

Klein, wendig, offen. Das ist der BMW Z3.

Das Grinsen lässt noch immer nicht nach, der M1 ist echt cool. Aber noch einmal: fünfhunderttausend Euro. Moment, kurz den Kontoauszug checken. Die Realität holt mindestens so schnell ein wie der 262 km/h schnelle M1 – seien wir ehrlich, 10.000 Euro müssen reichen für ein Spaß-Auto, das nur an schönen Sommertagen Asphalt unter die Räder bekommt.

Sonor singt der Z3 sein Lied

Wie wäre es mit einem BMW Z3? Offen, klein und wendig. Ebenfalls sechs Zylinder in Reihenformation unter der Haube, 193 PS stark. Ja, der Roadster ist ein Massenauto, und die Leute drehen sich allenfalls noch um, wenn er eine außergewöhnliche Farbe bieten kann. Ja und? Nach dem Motorstart ist da dieses feine, sonore Summen. Eine Wohltat, so geht Maschinenbau. Und die 193 Pferdchen müssen ja nur schmale 1,3 Tonnen bewegen. Ein Blick ins Datenblatt zeigt, dass der Z3 2,8i mit knapp unter sieben Sekunden für den Standardsprint auf 100 km/h auch nur eine gute Sekunde langsamer auf Landstraßentempo ist als der Über-BMW M1.

BMW_Z3_cr_HI.jpg

Ohne Dach tobt durch den BMW Z3 ein Sturm.

Was sagt die Praxis? Wenn das Verdeck unten ist und der Sturm durch den Innenraum fegt, ist das Grinsen hier ebenso gesichert wie beim M1. Ganz ehrlich? Der M1 fühlt sich gegen den Z3 sogar irgendwie ein bisschen sperrig an, während der Z3 befreit. Außerdem witscht der Roadster so virtuos durch die Landstraßen-Kurven, dass unbedarfte Beifahrer tendenziell zur Vorsicht mahnen. Auch längs ist der Klassiker, der je nach Modelljahr auf sein 25-jähriges Jubiläum zusteuert, derart bissig, dass man sich überhaupt nicht mehr Leistung wünscht. Das Gefühl, mit dem Gaspedal lenken zu können, geht dem M1 ab, der Z3 lebt es. So knackig und direkt wie er fühlen sich nur wenige Autos an. Er bietet das perfekte Roadster-Gefühl mit der Verwöhnakustik des Sechsenders in Reihenform.

Trauer über die Nichtexistenz der halben Million für den M1? Mitnichten. Der Z3 ist ein Traum-Klassiker – bodenständig, traditionell und ein Spaßgarant par excellence. Mehr braucht es nicht zum vollendeten Auto-Glück. Für die wenigen Kunden, deren budgetäre Limits den automobilen Gegenwert eines gehobenen Einfamilienhauses erlauben, sei gratuliert: An die Legendenbildung eines M1 kommt der Z3 natürlich nicht heran. Wem dieser Umstand so viel Geld wert ist, hat den richtigen Kauf getätigt. Und Fahrspaß bietet der M1 ja nun ebenfalls in Hülle und Fülle.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema