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Nächster Plug-in-Hybrid kommt BMW X5 45e - so fährt der Teilzeitstromer

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Als Teilzeitstromer ist der BMW X5 45e im E-Betrieb natürlich am besten in der Stadt unterwegs.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Wie Mercedes setzt auch BMW in seiner Strategie zur E-Mobilität vorerst primär auf das Zusammenspiel von Verbrenner und E-Antrieb in Form von Plug-in-Hybriden. Der neueste Zugang in dieser Familie ist der X5 45e. n-tv.de durfte ihn bereits fahren.

Die Welle der Elektrifizierung schwappt auch weiter auf die Modelle bei BMW über. Der letzte elektrische Aufschlag der Bayern ist der X5 xDrive45e. Hier paaren sich ein aus 3,0 Litern Hubraum 286 PS schöpfender Reihensechszylinder-Benziner mit einem Elektromotor, der seinerseits 113 PS zur Verfügung stellt und seine Energie aus einer Lithium-Ionen-Batterie mit 24,0 kWh schöpft. Womit die zwei entscheidenden Komponenten für den Vortrieb auch schon beschrieben sind.

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Wer die Batterie vor allem zum Boosten auf der Autobahn nutzt, hat sie schnell an ihre Kapazitätsgrenze gebracht.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Wie bei den meisten Plug-in-Hybriden unterscheidet sich auch der X5 45e optisch nur marginal von seinen ausschließlich mit Verbrenner fahrenden Kollegen. Wer natürlich genau hinsieht, wird am linken vorderen Kotflügel eine zusätzliche Tankklappe erkennen, hinter der sich der Ladeanschluss für den Hochvoltspeicher befindet. Auch im Innenraum gleicht der Plug-in-Hybrid den Brüdern aufs Haar. Nur dass die Anzeige im Zentraldisplay blau und nicht rot gerahmt ist, um den umweltschonenden Antrieb zu visualisieren, unterscheidet sie.

80 Kilometer rein elektrisch

Nun war bei einem Plug-in-Hybrid, wie bei den reinen Stromern, vor allem die elektrische Reichweite der neuralgische Punkt. Dank neuer Batterietechnologien ist der 45e jetzt in der Lage, gut 80 Kilometer rein elektrisch zu bewältigen. Mit Blick auf den Vorgänger hat sich die Reichweite also verdreifacht. Nun ist das mit dem rein elektrischen Fahren immer so ein Ding. In der Stadt lässt sich das gut bewerkstelligen, denn hier werden kaum Geschwindigkeiten über 60 km/h gefahren, aber auf Schnellstraßen oder Autobahnen wird es schwierig. Obgleich auch der X5 45e bis Tempo 130 ausschließlich vom E-Antrieb befeuert werden kann.

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Trotz seiner knapp 2,5 Tonnen Gewicht vermittelt der X5 45e ein Gefühl der Leichtigkeit beim Fahren.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Allerdings wissen wir, dass mit zunehmendem Leistungsabruf auch die Reichweite schneller schwindet. Deshalb verlässt sich BMW beim Umschalten zwischen den beiden Antrieben ganz auf die Elektronik. Genauso ist es bei der Rekuperation, der Energierückgewinnung, beim Rollen und Bremsen. Wann das genau passiert, wird zwar im Display visualisiert, ist aber für die Insassen nicht spürbar. Dank einer ausgesprochen guten Dämmung ist auch der Wechsel zwischen E-Motor und Verbrenner nur mit äußerster Konzentration wahrnehmbar.

Das ist natürlich für den Fahrkomfort gut, der serienmäßig auch durch die Zweiachs-Luftfederung auf ein hohes Niveau gehoben wird, hat aber andererseits seine Tücken. Denn auf einer Teststrecke von 163 Kilometern war der Akku ob eines erhöhten Autobahnanteils dann doch schneller leer als angenommen. Denn hier wird der E-Antrieb als Boost genutzt und sorgt so für eine Systemleistung von 394 PS und 600 Newtonmeter maximales Drehmoment, wobei die Kraftverteilung durch eine Acht-Gang-Automatik erfolgt. Das macht den 2,3-Tonner in Summe dann gefühlt angenehm leicht. Auch, weil der im Unterboden verbaute Akku für einen super Schwerpunkt sorgt. So verbandelt erledigt der Bayer den Sprint auf Landstraßentempo in 5,6 Sekunden und kann am Ende 235 km/h schnell werden. Allerdings arbeitet beim Temporausch nur noch der Reihensechszylinder.

Lädt er oder lädt er nicht?

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Hinter der Klappe am linken Kotflügel befindet sich der Anschluss für das Ladekabel, um den Akku des BMW X5 45e mit Strom zu versorgen.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Überraschend gering fiel der Verbrauch aus. Im Wechselspiel der beiden Antriebe verbrannten lediglich 5,2 Liter Benzin. Was gemessen daran, dass es sich um einen Ottomotor mit reichlich Punch handelt, schon ein sehr gutes Ergebnis ist. Noch überraschender war aber der Verbrauch ohne den unterstützenden E-Antrieb. Hier vermeldete der Bordcomputer 6,8 Liter über die Distanz von 100 Kilometern. Zugegeben, bei diesem Verbrauch waren keine Tempoausreißer dabei und die Maximalgeschwindigkeit lag bei 140 km/h. Aber dennoch erfreut und überrascht der Wert.

Natürlich kann der Verbrauch auch hier abseits von Geschwindigkeitsexzessen in die Höhe getrieben werden. Nämlich dann, wenn der Verbrenner zum Aufladen des Akkus benutzt wird. Wer also will, der kann auf der Langstrecke den leeren Akku laden, um dann emissionsfrei in die nächste Stadt einzufahren. Der Verbrauch dürfte dann aber wahrnehmbar höher sein. Insofern empfiehlt sich der 45e natürlich als stromerndes Stadtauto und als verbrennender Langstreckler. Das ist ja eigentlich auch das angesagte Prinzip der Plug-in-Hybride. Wer täglich im Aktionsradius des Akkumulators fährt, kann den an der Haushaltssteckdose in 6,8 Stunden wieder zu 100 Prozent befüllen. Schneller geht es natürlich an öffentlichen Wechselstrom-Ladestationen (AC) vom Typ 2 oder an der Wallbox. An Letztgenannter ist die Batterie nach knapp drei Stunden wieder voll.

Eine Einschränkung zum Verbrenner

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Wer den X5 PEHV fährt, muss mit 150 Litern weniger Kofferraumvolumen im Vergleich zum Verbrenner leben.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Da wie schon erwähnt die Einschränkungen im 45e im Vergleich zu den reinen Verbrennern gering sind, sei noch auf die entscheidende hingewiesen. Das Gepäckraumvolumen fällt beim Plug-in-Hybrid um 150 Liter geringer aus. Wer also mit voller Besatzung auf die Langstrecke geht, der kann das Gepäck auf 500 Litern verteilen. Ist die Rücklehne der Fondsitze umgelegt, sind es 1720 Liter. Und über die Gesamtreichweite muss sich der Fahrer bei einem Kraftstofftank mit 69 Litern auch keine Gedanken machen.

Natürlich bekommt der Pilot eines X5 e45 auch die volle Range der elektronischen Helferlein: Auffahr- und Personenwarnung und City-Bremsfunktion sind Serie, Feature wie aktive Geschwindigkeitsregelung mit Stop-and-Go-Funktion, Lenk- und Spurführungsasssistent mit aktivem Seitenkollisionsschutz oder der vollautomatische Parkassistent sind optional erhältlich. Genau wie der "Intelligent Personal Assistant". Also die BMW-Siri, -Cortana oder -Alexa. Nicht nur, dass der Assistent Teile der Bedienung des Fahrzeugs per Sprachbefehl übernimmt, er wird in Zukunft auch zu Hause ansprechbar sein - über einen Smart Speaker oder ganz profan das Smartphone.

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Das Ladekabel des BMW X5 PHEV befindet sich unter dem doppelten Ladeboden im Gepäckabteil.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Wer will, kann seinem Assistenten für die Ansprache einen ganz persönlichen Namen geben. Im Vergleich mit anderen digitalen Assistenten ist das momentan noch einzigartig. BMW verspricht übrigens sogar, dass das System nicht nur die Fahrzeugfunktionen kennt, sondern dem Fahrer auch "als lockerer Gesprächspartner zur Seite steht". Das wäre doch mal einen Podcast wert: "Im Gespräch mit meinem Auto". Wir werden bei n-tv.de mal darüber nachdenken.

Quelle: n-tv.de

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