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Design und Technologie sind Top Chinas Autoindustrie nimmt Fahrt auf

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Der Aion LX ist ein beredtes Beispiel dafür, wohin die Reise der chinesischen Autoindustrie geht.

(Foto: Des Sellmeijer)

War Chinas Autoindustrie vor Jahren noch die Hochburg der Dubletten, präsentiert sie sich heute mit eigenständigen Fahrzeugen, die neben den internationalen Marken optisch und technologisch eine sehr gute Figur machen. So zu sehen auf der China Auto Show.

Während die meisten Medien von der Los Angeles Auto Show in Kalifornien berichtet haben, fand gleichzeitig im Fernen Osten eine nicht minder wichtige Automesse statt: Die Guangzhou Auto Show 2019 in Kanton/Guangzhou, Hauptstadt der Provinz Guangdong mit mehr als 100 Millionen Einwohnern, unweit Hongkong und Macao. Mehr als 900.000 Besucher konnte die Messe zuletzt verzeichnen; sie gibt traditionell einen guten Überblick über die Entwicklung von Markt und Herstellern in China.

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Der Aston Martin DBX feiert in Guangzhou seine Weltpremiere.

(Foto: Des Sellmeijer)

Erster Eindruck: 15 Hallen sind gut gefüllt, nahezu alle großen chinesischen und ausländischen Marken sind hier vertreten. Auch Liebhaber von Luxusautos und Exoten kommen auf ihre Kosten; unter anderem zeigten Aston Martin, Bentley, Lamborghini, Lotus, McLaren, Porsche und Rolls-Royce ihre neuesten und schönsten Modelle. Nur Ferrari ist nicht dabei. Was für ein Kontrast zur schlechten Beteiligung auf der jüngsten Frankfurter IAA!

Chinesen holen immer schneller auf

Noch vor wenigen Jahren wurden die chinesischen Hersteller für ihre merkwürdigen Designs und schwache Produktqualität verspottet. Aber diese Messe öffnet dem Rest der Welt die Augen: China holt auf – und zwar sehr schnell. Noch immer entstehen neue Marken. Aber die Autos sind besser geworden, und die Präsentation hält jedem Vergleich stand. Überall gibt es visuelle Erlebnisse: Spiele, interaktive Präsentationen, Live-Vorführungen und mehr. All dies soll die Besucher an die Stände fesseln und ihnen die Marken nahebringen. Als Vorbild dafür diente offensichtlich die Präsentation von Mini. Aber die Chinesen haben nur den Ansatz der BMW-Tochter übernommen und so weit verfeinert, dass der Mini-Stand im Vergleich zu ihnen fast schon langweilig wirkt.

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Volkswagen versucht mit ganz eigenen Autos, wie dem Tacqua, in China noch besser Fuß zu fassen.

(Foto: Des Sellmeijer)

Während die Stände der chinesischen Hersteller brummen, gab es bei Audi, Volkswagen und bei den meisten Japanern überraschend wenig Publikumsverkehr. Eigens für China entwickelte Modelle bei Nissan und Toyota oder bei Volkswagen, zum Beispiel Phideon und Lamando, wirken mit ihren kleinen Bildschirmen und begrenzter Konnektivität im Vergleich zu der sich aufbäumenden chinesischen Konkurrenz fast schon altmodisch. Bei VW fehlte der Golf VIII, stattdessen dominierten ein T-Cross-Pendant namens Taqua, der Touareg Hybrid und ein Großraum-Konzept namens Viloran.

Elektroautos werden neubewertet

Die Signale zur E-Mobilität sind übrigens nicht so deutlich, wie man das gemeinhin in China erwarten würde. Denn auch im Reich der Mitte sinkt die Zahl der Elektroautos, nachdem die Regierung jüngst die Subventionen sowohl für Hersteller als auch für die Kunden zurückgefahren hat. Daimler-Chef Ola Källenius ist dennoch vorsichtig optimistisch, da es im weniger preissensiblen Luxussegment, in dem beispielsweise der EQC antritt, noch nicht viel Konkurrenz gibt.

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Der Denza X ist ein SUV, das es mit Plug-in-Hybrid aber auch vollelektrisch gibt.

(Foto: Des Sellmeijer)

Weitaus mehr Aufmerksamkeit zog der Mercedes-Maybach GLS 600 auf sich, der seine Weltpremiere Guangzhou feierte. Nicht ganz zufällig, denn mehr als zwei Drittel aller Maybach-Verkäufe finden in China statt. Auch der neue GLB dürfte hier seine Liebhaber finden, genauso wie der Mercedes-AMG A35 L als verlängerte, leistungsstarke Kompaktlimousine.

Doch ein wirklich interessantes Fahrzeug ist der Denza X, ein SUV, das es sowohl als Plug-in-Hybrid als auch mit vollelektrischem Antrieb gibt. Das von Daimler-Designern gezeichnete Produkt eines Joint Ventures von Mercedes und BYD will in seiner elektrischen Variante stolze 520 Kilometer weit stromern und spurtet in 4,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das Interieur mit seinem riesigen Bildschirm und integrierten Kameras für WeChat und Videoanrufe wirkt ebenso futuristisch wie die Außenhaut. Die Preise beginnen bei umgerechnet 37.000 Euro. Allerdings wird es den Denza X nur in China geben, während die nächste Smart-Generation, die von Geely gebaut wird, ab 2022 natürlich auch nach Deutschland kommen soll.

Die Länge macht den Unterschied

Hongqi H7 limousine at the Guangzhou Auto Show 2019 by GTspirit 225.jpg

Der Hongqi H7 ist seit Jahren so etwas wie der Maybach aus China.

(Foto: Des Sellmeijer)

Da eine eins zu eins Übertragung europäischer Modelle nach China nicht funktioniert, haben sich die Hersteller auf die Präferenzen des chinesischen Publikums eingestellt. Eine davon ist die Vorliebe für verlängerte Fahrzeuge: Ursprünglich ließen sich viele Autobesitzer in China chauffieren, heute schätzt man den Extra-Platz für Familie, Freunde und Geschäftspartner. Die kostenoptimierte Trennung von Beruf und Freizeit zu Lasten der Fondpassagiere funktioniert in China nicht.

Und davon konnte sich der 1,90 Meter große Autor dieser Zeilen persönlich überzeugen. Während die Standardkarosserien der europäischen Modelle beengt wirken, funktionieren die Langversionen hervorragend. Pionier war vor über einem Jahrzehnt übrigens Audi mit dem A6 L. Inzwischen gibt es Langversionen vom Audi A4, BMW 3er, Mercedes-Benz E-Klasse, Jaguar XF. Ein Auto, das es wohl nie in einer Langversion geben wird, ist der Aston Martin DBX, der ebenfalls in China seine Weltpremiere feierte.

Toyota Vellfire at the Guangzhou Auto Show 2019 by GTspirit 206.jpg

Der Toyota Vellfire ist so beliebt, dass die Käufer über 150.000 Euro für die Großraumlimousine bezahlen.

(Foto: Des Sellmeijer)

Mit einem 4,0-Liter-V8 von AMG spurtet der 2245 Kilogramm schwere SUV in 4,5 Sekunden auf 100 km/h und weiter bis Tempo 291. Allerdings ist der DBX für den chinesischen Markt erstaunlich beengt im Fond. Ob das der Kundschaft gefällt bleibt abzuwarten. Überraschend ist, wie begehrt die Großraumlimousine Toyota Alphard ist; die Wartezeiten sind erheblich, für prompte Lieferung werden Aufschläge gezahlt. Und für die neue Spitzenversion Vellfire, in der man hinten geradezu thront, werden über 150.000 Euro hingeblättert.

Natürlich gibt es in China auch noch Kopien und Klone. Aber Modelle wie die Taycan-Kopie von Enovate, der vom VW Touareg inspirierte Roewe RX5 eMax oder der G-Modell-Klon Beijing BJ80, der ohnehin eine Gestattungsproduktion sein soll, symbolisieren die Vergangenheit, nicht die Zukunft. Den Blick nach vorn richten Modelle wie der Byton M-Byte, der Geely Icon oder der Denza X. Übrigens gibt es in China auch eine florierende Tuning-Szene, die zum einen das Extremtuning und die Personalisierung von Autos betrifft, zum anderen bei Großraumlimousinen, Toyota Alphard und Mercedes-Benz V-Klasse stattfindet, und sich hier durch ausschweifenden Luxus entäußert. Dazwischen gibt es wenig. Europäer wie Lorinser und Mansory bemühen sich inzwischen mit großem Aufwand, um noch ein Stück vom Kuchen abzubekommen.

Chinas Autoindustrie wird immer stärker

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Auch der Geely Icon ist noch lange nicht das Ende der Autoproduktion in China. Hier ist noch einiges zu erwarten.

(Foto: Des Sellmeijer)

Fest steht: Der chinesische Markt bleibt stark – trotz Handelskrieg und gestrichener Subventionen für Elektroautos. Die Fortschritte der heimischen Industrie sind unübersehbar, teilweise geradezu beängstigend. In den Bereichen Interieur und Konnektivität sind die Chinesen sogar führend. Es bleibt also abzuwarten, ob sie auch fahrdynamisch die hochgesetzten Erwartungen erfüllen. Wenn dass der Fall ist, dann können sich diese Autos auch im Rest der Welt behaupten.

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Quelle: n-tv.de, gtspirit.com