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Luxus im Nadelstreifen Maybach GLS - eine Etage über der S-Klasse

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Der SUV-Luxusgleiter von Mercedes: der Maybach GLS 600.

(Foto: Daimler)

Mit dem Mercedes-Maybach GLS schicken die Stuttgarter ein Luxus-SUV ins Rennen, das eine Etage über der S-Klasse angesiedelt ist. Dazu wurden dem Maybach Nadelstreifen verpasst und für ordentlich Luxus gesorgt. n-tv.de durfte schon mal Platz nehmen.

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Der Mercedes-Maybach GLS 600 setzt das Niveau einer S-Klasse eine Etage höher.

(Foto: Daimler AG)

Luxus geht anscheinend immer. Anders ist nicht zu erklären, dass Mercedes jetzt auch ein SUV unter dem Dach seiner Submarke Maybach platziert. Ja, Hersteller wie Rolls-Royce oder Bentley haben das schon hinter sich. Auf freier Wildbahn hat man deren Luxusschiffe in Form des Cullinan und Bentayga allerdings noch nicht gesehen. Denen, so heißt es in Stuttgart, wolle man sich auch gar nicht entgegenstellen. Man habe hier vielmehr Fahrzeuge wie den Range Rover Autobiography im Visier, das aufgemöbelte Luxusteil der Briten, das schon seit geraumer Zeit als Luxus-SUV seine betuchten Fans findet.

Allerdings darf, wer den jetzt auf der Automesse in Guangzhou vorgestellten Mercedes-Maybach GLS 600 4Matic mit dem Briten vergleicht, ganz vorsichtig feststellen, dass die Schwaben hier noch eine Schippe draufgelegt haben. Ziel war es nämlich, in die technische Basis des GLS den Luxus einer Limousine, eben der S-Klasse, zu packen. Die Grundidee einer SUV-Limousine zeigte Mercedes bereits vor anderthalb Jahren mit der Vision Mercedes-Maybach Ultimate Luxury. Doch während die Studie ein ganz eigenständiges Maybach-SUV präsentierte, setzt der jetzige Luxus-Offroader wie gesagt einfach auf dem GLS auf.

Der fährt im "Champagner Modus"

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Natürlich schwelgt auch der Fahrer eines Mercedes-Maybach GLS in purem Luxus.

(Foto: Daimler AG)

Bereits damals pflanzten die Designer den Stern wieder als Hoheitszeichen auf die Motorhaube. Und so thront das Symbol des Luxus auch beim GLS Maybach an dieser Stelle. Das war gar nicht so einfach, denn um damit beim TÜV durchzukommen, mussten sich die Ingenieure technisch einiges einfallen lassen. Das gilt auch für den Fahrkomfort. Der musste sich schließlich noch mal deutlich von dem eines normalen GLS unterscheiden. Da der Maybach eher als Chauffeurs-SUV gedacht ist, musste natürlich in erster Linie etwas für die Passagiere in der zweiten Reihe getan werden. Insofern haben die Fahrwerks-Ingenieure die Federraten im Komfort-Modus so abgedämpft, dass sich kaum noch etwas in das Reiseabteil übertragen soll. Intern haben sie den Modus für die E-Active Body Control deshalb "Champagner-Modus" getauft. Denn das angesagte Ziel war, dass auch auf unebener Strecke nichts von dem teuren Tropfen auf Garderobe und Polster schwappt.

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Rückleuchten, die in Chrom eingefasst sind, und eine ganz eigene Typografie für den Schriftzug zeichnen den Mercedes-Maybach GLS aus.

(Foto: Daimler AG)

Ob das am Ende gelungen ist, kann nach einer ersten Sitzprobe noch nicht gesagt werden. Dafür aber über das, was an luxuriösen Sondermaßnahmen im Innenraum zum umfänglichen Wohlfühlerlebnis beiträgt. So lassen sich die beiden mit feinstem Nappa bezogenen hinteren Sitze natürlich voll elektrisch in eine Liegeposition bringen. Auf Wunsch gibt es zusätzliche, ebenfalls mit Leder bezogene Kissen, in die sich die Passagiere kuscheln können. Dass das Raumgefühl in der zweiten Reihe ein mehr als großzügiges ist, liegt daran, dass die Sitze um 3 Zentimeter nach innen und 12 Zentimeter nach hinten versetzt wurden. Natürlich sind auch die Fondsitze mit einer Sitzklimatisierung ausgestattet, wobei die Belüftung nach dem Einsteigen zunächst "reversierend" läuft. Das heißt, etwa eine Minute lang wird Luft vom Körper der Passagiere weggesaugt. Anschließend wird gekühlte Luft aus den Sitzporen entlassen. Auf diese Weise wird eine unangenehme Wirkung durch einen zu starken Wärmetransport vom Körper weg vermieden. Bei Kälte verspricht die Sitzheizung fast ohne Zeitverzug mollige Wärme.

Massieren, belüften, beduften

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Den ultimativen Luxus erlebt man im Mercedes-Maybach GLS in der zweiten Reihe.

(Foto: Daimler AG)

Damit aber noch nicht genug. Selbstverständlich bieten die hinteren Sitze serienmäßig auch eine Massagefunktion. Über zehn Druckpunkte kneift die in den verspannten Rücken und kann zusätzlich für eine "Hot-Stone-Massage" mit den Heizelementen kombiniert werden. Da der Maybach selbstredend auch über das Multimediasystem MBUX verfügt, können auch die Fondpassagiere in Gänze davon partizipieren. Dafür gibt es ein Tablet im Fond, das in der verlängerten Mittelkonsole des Viersitzers untergebracht ist. Über die lassen sich dann auch die schon erwähnten Massagefunktionen oder die Features des Energizing-Pakets steuern. Die reichen von Musik über Lichtstimmungen bis hin zur Beduftung des Innenraums. Natürlich kann so auch in der zweiten Reihe auf Fahrdaten, Routen und Einstellungen zugegriffen werden.

Auf Wunsch empfiehlt der sogenannte Energizing Coach situativ Programme unter dem Motto Frische, Vitalität oder in Verbindung mit dem Wärme-Komfort-Paket auch Wärme, Freude und Behaglichkeit. Was das genau bedeutet, was es mit den Insassen anstellt, konnte bei einer ersten Sitzprobe nicht getestet werden, aber es hört sich in jedem Fall vielversprechend an. Und wer derart entspannt unterwegs ist, der kann natürlich auch mit der nötigen Aufmerksamkeit das Entertainmentprogramm auf den zwei 11,6 Zoll großen Touchscreens im Fond verfolgen. Es können Filme oder Musik individuell auf jedem Bildschirm abgerufen werden. Natürlich gibt es auch WLAN oder Bluetooth-Kopfhörer für all die, die sich nicht über die ausgefeilte Burmester-Soundanlage mit insgesamt 27 Hochleistungslautsprechern und eine Gesamtleistung von 1590 Watt beschallen lassen wollen. Um die Geräuschkulisse und den Klimakomfort zu verbessern, trennt eine feststehende Laderaumabdeckung aus Edelholz das 525 Liter fassende Gepäckabteil vom Innenraum.

Eintritt über hydraulisches Trittbrett

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Hydraulisch ausfahrende Trittbretter sind der Clou am Mercedes-Maybach GLS.

(Foto: Daimler AG)

Jetzt haben wir ganz vergessen, zu erwähnen, wie man eigentlich das Maybach-SUV besteigt. "Durch die Tür", wird es jetzt heißen. Das ist richtig, aber um nicht einen riesigen Schritt in die Höhe machen zu müssen, hat man sich in Stuttgart etwas Besonderes einfallen lassen: ein ausklappbares Trittbrett. Aus hochglänzendem Aluminium gefertigt und mit rutschsicheren Gummileisten versehen, schiebt sich das zwei Meter lange Teil beim Öffnen der Pforten in 1,5 Sekunden hydraulisch aus dem Unterboden hervor. Das macht nicht nur was her, es ist auch notwendig, denn der Maybach steht auf 22- oder 23-Zoll-Rädern, deren Design übrigens wieder das Nadelstreifenmotiv des Kühlergrills zitiert. Schaut man genau hin, erkennt man, dass die Speichen am Felgenkranz zu kleinen Ruderblättern auslaufen, was sehr elegant aussieht.

Es sind ohnehin die kleinen Details, die den Maybach einmal mehr von der Basis des GLS abheben. Am Heck zum Beispiel trägt der Wagen rechts unterm Mercedes-Stern seine Typenbezeichnung in einer Mercedes-Maybach-eigenen Schrift. Ebenfalls dem Maybach vorbehalten sind zwei Chromspangen, an deren Enden die Rückstrahler wie Schmucksteine in einem Ring eingelassen sind. Wer das Edle des Luxus-SUV unterstreichen will, der wählt natürlich die für alte Maybach-Modelle typische Zweifarblackierung, deren trennende Pinstripe entlang der Gürtellinie erneut das Nadelstreifenmotiv zitiert.

Sanfte Power unter der Haube

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Welche Ausmaße der Mercede-Maybach GLS hat, erkennt der Betrachter, wenn sich der Autor neben dem Luxus-SUV platziert.

(Foto: Daimler AG)

Bleibt noch zu klären, was den Maybach antreibt. Angesichts der 600 in der Nomenklatur ist es dem Kenner natürlich klar: Es ist der V8-Benziner mit 3982 Kubikzentimetern Hubraum, 48-Volt-Bordnetz und integriertem Starter-Generator. Die 48-Volt-Technik übernimmt Hybridfunktionen wie den Boost oder die Rekuperation und soll so natürlich verbrauchsoptimierend wirken und die Emissionen senken. Das tut auch not, denn der Motor leistet 558 PS und hat ein maximales Drehmoment von 730 Newtonmetern. Kurzfristig sind dadurch auch weitere 250 Newtonmeter sowie 22 PS abrufbar. Für die Kraftübertragung sorgt eine Neungang-Automatik, deren weite Spreizung der Gänge für eine deutlich spürbare Absenkung des Drehzahlniveaus sorgen soll und damit ein entscheidender Faktor für den Antriebs- und Fahrkomfort ist. Ebenfalls serienmäßig ist das Verteilergetriebe mit variabler Verschiebung des Antriebsmoments. Hier können bis zu 100 Prozent der Leistung auf eine der Achsen gewuchtet werden.

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Auch das ist einzigartig im Mercedes-Maybach GLS: Pedale mit geprägtem Marken-Logo.

(Foto: Daimler AG)

Und sollte doch mal was schiefgehen im Straßenverkehr, stehen dem nicht nur eine ganze Armada an Assistenzsystemen im Weg, sondern auch ein Airbag im Sitzkissen. Das soll im Falle eines Aufpralls verhindern, dass Fondpassagiere unter dem Gurt durchrutschen, wenn sich der Sitz in der Ruheposition befindet. Was das Luxus-SUV am Ende kostet, hat Mercedes noch nicht verraten. Aber, dass der Maybach als Mitglied der großen SUV-Baureihe ausschließlich in Tuscaloosa im US-Bundesstatt Alabama gebaut wird. Ein eigenes Mercedes-Maybach-Team fertigt die spezifischen Ausstattungen des Innenraums in einem separaten Bereich in Handarbeit. Das Personal wurde dafür in Deutschland in der Mercedes-Maybach-Manufaktur geschult, so die Stuttgarter.

Bleibt abzuwarten, ob man nach der Markteinführung des GLS Maybach von seiner Art mehr auf deutschen Straßen sieht als vom Rolls-Royce Cullinan oder Bentley Bentayga oder ob auch diese teure Spezies sich eher in den USA, China, Russland und im arabischen Raum aufhalten wird.

Quelle: n-tv.de

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