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Nicht das Ende der Fahnenstange Cupra Formentor - der Premium-Killer

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Der Formentor ist das erste nur für die Marke Cupra gebaute Auto.

(Foto: Holger Preiss)

Die Cupra-Fangemeinde wartet auf den Formentor wie Kinder auf das Christkind. Jetzt ist die Produktion des SUV-Coupés gestartet. ntv.de durfte den 310 PS starken Spanier fahren und sieht hier klar das Potenzial eines Premium-Killers. Zumal das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist.

Die Fans der jungen Performance-Marke Cupra freuen sich auf das erste Auto, das nur für die Marke entworfen wurde, wie die Kinder auf das Christkind. Und das aus gutem Grund. War alles, was unter dem indianischen Stammeszeichen bis dato präsentiert wurde, ein Seat-Derivat, ist der Formentor eben ein echter Cupra. Und das auch noch in Form eines SUV-Coupés, das wirklich keinen Kniff im Blech hat, der nicht die Sportlichkeit vermittelt, die dann mit 310 PS unter der Haube noch lange nicht ihren Höhepunkt gefunden hat.

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Auch am Heck des Cupra Formentor haben die Designer darauf geachtet, dass die sportliche Ausrichtung absolut im Vordergrund steht.

(Foto: Holger Preiss)

Tatsächlich hat Wayne Griffiths, seines Zeichens neuer Seat- und Cupra-Chef, angedeutet, dass neben dem 2,0-Liter-Vierzylinder mit 310 PS auch ein Fünfzylinder zu erwarten ist. Was dann wohl nichts anderes bedeutet, als dass sich der Formentor den Antrieb mit dem Audi RS Q3 teilen wird. In Zahlen heißt das mindestens 400 PS, ein sattes maximales Drehmoment von 480 Newtonmetern und eine Sprintzeit aus dem Stand auf 100 km/h, die etwa in 4,5 Sekunden erledigt ist. Und tatsächlich ist das hier gesungenen Lied keine ferne Zukunftsmusik, sondern tönt ganz nah. Bereits im kommenden Jahr soll der Fünfender als höchste Leistungsstufe im Cupra Formentor auf den Markt fahren.

Ein Christkind mit Feuer

Doch zurück zum Christkind, dem "kleinen" Formentor mit lediglich 310 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern, das über ein fehlerfrei schaltendes Doppelkupplungsgetriebe über sieben Stufen beschwingt an beide Achsen weitergereicht wird. Ja, der Treibsatz ist bekannt und befeuert bereits den Cupra Ateca, der gerade im Zuge des Seat-Facelifts eine optische Überarbeitung erfahren hat. Den Formentor beschleunigt es in kurzweiligen 4,9 Sekunden auf Tempo 100 und mit abgeregelten 250 km/h ist der Spanier dann auch nicht langsamer als sein zu erwartender großer Bruder. Wer für den Moment dennoch Zweifel hat, was die Entscheidung für den Vierzylinder betrifft, dem sei der Einstiegspreis für die Sportskanone noch mal vor Augen gehalten: 43.954 Euro werden für den Formentor mit Vierzylinder und 310 PS fällig. Was für ein Auto dieser Leistungsklasse verdammt wenig Geld ist.

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Der Innenraum ist natürlich aus den neueren Seat-Modellen bekannt, aber Cupra hat mit Kleinigkeiten ein eigenes Ambiente geschaffen.

(Foto: Holger Preiss)

Denn wie der Cupra Ateca kann auch der Formentor, was seine Fahreigenschaften betrifft, glänzen. Fünf Fahrprogramme von Offroad über Normal, Individuell und Sport bis hin zu Cupra sorgen für maximalen Fahrspaß in allen Situationen. Klar, über Normal muss hier nicht so viel geredet werden. Das ist das Programm für die Langstrecke, die sich in den ganz eigenen Sportsitzen des Formentor ganz hervorragend überwinden lässt. Wobei die Einstellung der elektronisch verstellbaren Dämpfer dann auch so gewählt ist, dass selbst die ganz Kleinen in der zweiten Reihe ruhig schlafen können. Apropos zweite Reihe, der Platz hier ist auch für Erwachsene mehr als ausreichend, und selbst bei der Kopffreiheit ist bis zu einer Körperhöhe von 1,85 Meter keine Gefahr im Verzug.

Raketenstart und ohne ESP ums Eck

Wer in den Sportmodus schaltet, bekommt das, was er erwartet: Ein direktes Ansprechverhalten mit kaum spürbarem Turboloch, aber typischem Turbo-Pfeifen, schöne Überschaltvorgänge der Automatik, die durch ein sattes, aber nicht nerviges Endrohrfeuer untermalt werden und eine gewohnt direkte Progressivlenkung mit sehr guter Rückmeldung. Unter dem Lenkrad-Pralltopf befindet sich übrigens der Start-Knopf und auf der gegenüberliegenden Seite sein Zwillingsbruder, über den sich die Fahrprogramme aktivieren lassen.

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Gerade in der Silhouette schafft der Cupra Formentor ein ganz eigenes Bild, das sich deutlich von potenziellen Konkurrenten unterscheidet.

(Foto: Holger Preiss)

So auch die Stufe Cupra, die den Sound verschärft, sich dann aber gar nicht so weit vom Sportmodus entfernt, als dass man den Unterschied im normalen Straßenverkehr herausfahren könnte. Anders, wenn der Pilot die Möglichkeit hat, den Spanier mal frei und unbefangen über eine Teststrecke zu bewegen. Hier wird deutlich, dass das SUV-Coupé noch ein wenig spitzer reagiert, die Lenkung ein wenig mehr zumacht und das ESP ein Sekündchen später regelt. Das kann übrigens auch komplett deaktiviert werden, um den 1,6 Tonnen schweren Formentor in einem doppelten S mal so aufzuschaukeln, bis das Heck anfängt mitzulenken.

Das ist eine spaßige Sache, die aber wie der Launch-Start ausschließlich dort ausprobiert werden sollte, wo kein normaler Verkehr droht. Launch-Start? Linker Fuß auf die Bremse, mit dem Rechten das Gaspedal durchgetreten, bis die Drehzahl sich um die 3000 eingependelt hat und dann Bremse lösen. Was jetzt kommt, ist der Abschuss vom Katapult, der den Spanier volle Lotte nach vorne schießen lässt, während der Kopf des Piloten mit einem Ruck in Richtung Kopfstütze fliegt. Wie gesagt ein spaßiges Feature, das aber bitte nicht beim Ampelstart eingesetzt werden sollte.

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In der zweiten Reihe des Cupra Formentor sitzen nicht nur Kinder gut.

(Foto: Holger Preiss)

Nun darf natürlich nicht verschwiegen werden, dass bei vermehrt sportlichen Antritten der Verbrauch exponentiell in die Höhe geht. Cupra gibt den Verbrauch des Formentor mit 7,7 Litern im Drittelmix an. Wer es fliegen lässt, wird jedoch im besten Fall in die Nähe der 13 Liter kommen. Aber da der Spaßfuß in der Regel kein Dauerleiden ist, sollten am Ende um die 8,7 Liter reichen, um den sportlichen Spanier über 100 Kilometer zu bewegen. Wen an dieser Stelle das grüne Gewissen plagt, dem sei gesagt, dass in Summe sieben Motorvarianten für das SUV-Coupé zur Disposition stehen werden. Darunter auch zwei Plug-in-Hybride, deren Leistung bei 245 PS und etwas darüber liegen dürfte. Die sollten sich dann über mindestens 50 Kilometer rein elektrisch oder eben auch recht sportlich bewegen lassen.

Der kleine Formentor

Und weil wir die Antriebe jetzt schon mal im Blick haben, sei auch noch verraten, dass es den Formentor in absehbarer Zeit mit einem 1,5-Liter-Vierzylinder und 150 PS geben wird. Warum die Performance-Marke diesen Schritt in Richtung Downgrade macht, dürfte klar sein. Nicht alle Märkte sind so PS-verliebt wie der deutsche. Jeder 13. verkaufte Seat Ateca ist hierzulande ein Cupra. In anderen Ländern dürfte die Steuer die Käufer von den PS-starken Modellen fernhalten und sie - so sie das schicke SUV-Coupé haben möchten - zwingen, die 150-PS-Variante zu wählen. Modelle der oberen Leistungsklasse werden dann in Zukunft bei Cupra den Zusatz VZ tragen. Das steht für veloz und heißt nichts anderes als schnell. Und schnell, das wurde oben schon besprochen, ist der erste Formentor auf jeden Fall.

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Die 420 Liter Kofferraum sind nicht übermäßig viel, reichen aber mit etwas Geschick auch für die Urlaubsreise der Familie.

(Foto: Holger Preiss)

Um den übrigens aus der Bewegung wieder zum Stillstand zu zwingen, hat der Kunde zwei Möglichkeiten. Entweder er nutzt die verbaute Standardbremse, die dann hinter schicken 17-Zoll-Felgen in 340er Scheiben beißt, oder er investiert 2261 Euro in eine Brembo-Bremsanlage. Die zackt dann richtig böse in 370er Scheiben und verzögert ganz vorzüglich. Hat aber wie erwähnt auch ihren Preis. Insofern ist der Formentor natürlich wie jedes andere Auto auch aufrüstbar. Da gibt es feine beheizbare Ledersitze, die sich elektrisch verstellen lassen und sich dann auf Wunsch an den letzten Gast erinnern. Ebenso verfügbar sind in diesem Paket Außenspiegel, die das auch können. Kostet zusätzlich 1506 Euro. Auch ein Beats Audio Soundsystem für 541 Euro ist im Angebot.

Ein gefährlicher Preis

Am Ende kann es dann gut sein, dass der Preis, wie der des Testwagens, unter dem Strich der Optionskreuze 52.000 Euro kostet. Da hat der Sportler dann aber auch gleich noch sämtliche Assistenzsysteme vom adaptiven Spurhalteassistenten über einen ebensolchen Abstandsradar bis hin zu einer Stop-and-go-Funktion für die lässige Staubewältigung mit drin. Hinzu kommt ein Navigationssystem, das eingreift, wenn es die Verbots- und Gebotszeichen erfordern oder eine Kurve naht, für die die momentane Geschwindigkeit zu hoch ist. Natürlich kann der ambitionierte Fahrer das System jederzeit mit dem Gasfuß überstimmen.

Angesichts dessen sind auch die überstimmt, die bei einem Preis von über 50.000 Euro rufen, dass das zu teuer wäre. Sieht man sich im Kreis der Mitbewerber um, die abgesehen vom VW Tiguan RS in der Premium-Liga spielen, wird der Formentor gar noch attraktiver. Auch für Familien, denn der 4,45 Meter lange Spanier bietet nicht nur Platz auf den Sitzplätzen, sondern mit 420 Liter Stauraum auch einen passablen Kofferraum.

Quelle: ntv.de