Auto

Überflüssige Extravaganz DS9 E-Tense 225 - einfach zu viel Bling-Bling

CL 19.503.019.jpg

Der DS9 will in der Liga von 5er BMW, Audi A6 und Mercedes E-Klasse mitspielen.

(Foto: DS)

Der DS9 soll den Premiumanspruch der Marke DS verkörpern. Dabei setzt er nicht nur auf die historische Verwandtschaft zur legendären "Göttin", er will auch mit Extravaganz punkten. Besser wäre aber gewesen, man hätte hier in die elektrische Reichweite des Plug-in-Hybrids investiert.

Menschen stellen sich vor allem in den sozialen Medien gerne als unverwechselbare, mindestens aber als besondere Individuen dar. Die Wirtschaft hat dies schon längst erkannt und versucht, ihren Produkten einen ähnlich einmaligen Anstrich zu geben. Was kurioserweise zur Folge hat, dass zum Beispiel die Autowerbung so verwechselbar wie vielleicht nie zuvor ist. Etwa, wenn hippe, junge und auf jeden Fall divers gemischte Kleingruppen in stylischen elektrischen Autos durch coole Innenstädte der Zukunft gleiten.

CL 19.503.020.jpg

Vor allem edel soll der DS9 wirken.

(Foto: DS)

Schwer ist es allerdings, wenn die Aufgabe gestellt wird, aus eigentlicher Massenware teurer zu verkaufende Edelvarianten zu machen, wie es einige Autohersteller inzwischen mit diversen Submarken versuchen. Bei Stellantis nimmt DS diese Rolle ein und will dabei vergessen machen, dass man auch hier auf die Baukästen und Antriebsstränge von weniger glamouröser Marken wie Peugeot oder Citroën zurückgreift.

Im Kern identisch mit günstigen Produkten

Wenn aber der Kern eines teuren Automobils letztlich komplett identisch mit günstigeren Produkten ist, bleibt nur, sich über Design, Komfort oder im besten Fall auch Verarbeitungsqualität von den bürgerlichen Schwestermarken abzuheben. Dem DS9 als Spitzenmodell der noch jungen Premium-Marke müsste dies der Logik nach noch am ehesten gelingen.

DS_9_2021_Landstrasse__4_.jpeg

Mit dem wuchtigen Kühlergrill demonstriert der DS9 Größe.

(Foto: DS)

Die 4,93 Meter lange Limousine will mit den üblichen Insignien der Business-Class glänzen und hat sich dafür in eine klassische Stufenheck-Form gekleidet. Mit seinem für die Marke üblichen großen Kühlergrill im Diamant-Design fällt der Fünftürer allerdings gerade im Vergleich mit den seriöser - man könnte auch sagen langweiliger - auftretenden Wettbewerbern wie 5er BMW oder Audi A6 auf der Straße gleich auf.

Zumal über die Motorhaube mittig eine Spange läuft, die erst kurz vor dem Kühlergrill mit einem farbigem Markenemblem endet. Aber ganz ehrlich? Das ist einfach zu viel Bling. Wobei es die Chinesen sicher mögen, wo der DS9 ja auch gebaut wird. Und wer vergessen haben sollte, dass der Namensgeber der Marke die unvergleichliche Citroën DS ist, der wird durch die Positionsleuchten an der C-Säule an die 1955 debütierende "Göttin" erinnert. Eine Reminiszenz der netteren Art.

CL 19.503.001.jpg

Die Verwandtschaft zum Peugeot 508 ist beim DS9 unverkennbar.

(Foto: DS)

Sieht man von diesen Gestaltungsspielchen ab, kann der auf 19-Zoll-Rädern stehende DS9 seine Verwandtschaft zum etwas kürzeren, aber auf der gleichen EMP2-Plattform aufbauenden Konzernbruder 508 nicht verleugnen. Platz immerhin ist reichlich vorhanden, vorne viel, hinten sehr viel und mit 510 Litern fällt auch der Kofferraum groß genug aus.

Fensterheber in der Mittelkonsole

Problematischer ist allerdings die Bedienung, die den Neufahrer vor manches Rätsel stellt. Man kann zum Beispiel kaum verstehen, warum sich der DS9 die nach wie vor überflüssige Extravaganz erlaubt, die vier Fensterheber in die Mittelkonsole zu verfrachten. Klar, so hat auch der Beifahrer Zugriff auf alle vier Fenster, aber letztlich ist es Platzverschwendung und wenig ergonomisch. Denn in der nackten Fahrertür finden sich keinerlei Schalter, auch nicht für die elektrische Außenspiegelverstellung.

DS_9_2021_Frankfurt__1_.jpg

Der Innenraum des DS9 ist eine Spur zu extravagant, zu Teilen sogar unsinnig.

(Foto: DS)

Die Schalter in der Mittelkonsole - zu ihnen gehört zum Beispiel auch einer für die Zentralverriegelung - sind dort einfach fehl am Platz und zudem, weil auf edel getrimmt, sehr schlecht ablesbar. Kaum zu verzeihen ist außerdem, dass man im DS9 noch nicht einmal gegen Aufpreis ein Head-up-Display erwerben kann. Wie schon häufig bei PSA-Produkten wurde auch im DS9 ein wenig berührungsempfindlicher Startknopf moniert. Modern, aber konventionell geht es bei den Digitalinstrumenten zu. Der Fahrer blickt auch hier auf ein 12,3 Zoll großes Kombiinstrument und mittig auf einen 12 Zoll großen Touchscreen.

40 Kilometer rein elektrisch

Beim Antrieb zeigt sich der DS9 modern und als Plug-in-Hybrid (E-Tense 225) dann auch langstreckentauglich. In Summe stehen 225 PS zur Verfügung, die der 1,6-Liter-Turbo mit 180 PS und ein E-Motor mit 110 PS gemeinsam zur Verfügung stellen. Der Plug-in-Hybrid hat eine mit 11,9 kWh eher kleine Batterie an Bord, soll damit aber knapp 50 Kilometer weit rollen, was er natürlich mitnichten tut. Vorsichtig gefahren schafft man 35, höchstens 40 Kilometer.

DS_9_2021_Laden__2_.jpg

Realistisch schafft der Plug-in-Hybrid in Form des DS9 lediglich 40 Kilometer rein elektrisch.

(Foto: DS)

Da heißt es fleißig nachladen, wenn man die Ökobilanz retten will und sich ab dem kommenden Jahr von der Förderprämie verabschieden, denn die verlangt dann mindestens 60 Kilometer rein elektrische Reichweite. Wer den Akku übrigens nicht regelmäßig lädt und sich nur auf den kleinen Benziner verlässt, wird nicht nur wegen des hohen Fahrzeuggewichts mit Verbräuchen von über 8 Litern bestraft.

Ist der Akku voll, macht der Plug-in-Hybrid seine Sache besser als der Solo-Benziner, weil durch die E-Unterstützung gerade im unteren Drehzahlbereich mehr Drehmoment zur Verfügung steht. Der Wermutstropfen: Um Platz zu schaffen, fällt der Tank 18 Liter kleiner aus als beim Verbrenner. Die so zur Verfügung stehenden 42 Liter sind aber für eine solche Limousine klar zu wenig.

Schwerer Stand in Deutschland

Ist der Akku voll, sind auch die Fahrleistungen zufriedenstellend. In 8,7 Sekunden fährt der DS9 auf Tempo 100. Bis zu 240 km/h sind möglich, machen aber in einem solchen Auto nicht wirklich Spaß. Der China-Franzose ist ein Gleiter, sehr komfortabel abgestimmt und hat nur mit kurzen Querrillen seine Probleme. In der Version Rivoli ist auch das kameragesteuerte aktive Federungssystem (Active Scan) enthalten, das Fahrbahnunebenheiten schon im Vorfeld erkennt und die Stoßdämpfer entsprechend voreinstellt. Das erinnert dann schon stark an den für damalige Verhältnisse überragenden Federungskomfort einer DS. In der Basisversion Performance Line kostet das System 1100 Euro Aufpreis.

Hier also wird der DS9 den Erwartungen gerecht, an anderer Stelle überhaupt nicht. Aber vielleicht darf man das Modell auch nicht mit seinen teutonischen Rivalen vergleichen. Die Limousine will eigene Akzente setzen und es bedarf keiner großen prophetischen Kunst, um ihr einen schweren Stand in Deutschland vorherzusagen. In Frankreich dagegen dürfte sie als klassenhöchstes inländisches Luxusmodell durchaus ihre Kundschaft finden.

Quelle: ntv.de, hpr/sp-x

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.