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Nur neu und schön? Der neue Evoque - Lifestyle in der Schmutz-Klasse

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Der kleinste Range Rover, der Evoque orinetiert sich optisch stark am großen Vorbild dem Velar.

(Foto: Michael Gebhardt)

Range Rover legt seinen Bestseller neu auf: Der Evoque bleibt ein kleiner Lifestyler, setzt zukünftig auf Elektro-Unterstützung und neue High-Tech-Features.

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Dem Vorgänger flogen die Herzen nur so zu. Das will der neue Evoque auch gerne erleben.

(Foto: Michael Gebhardt)

Große Offroader, sollte man meinen, sind Land Rovers eigentliche Domäne. Doch ähnlich wie bei Porsche, wo die SUV den Sportwagen längst den Rang abgelaufen haben, stiehlt auch den dicken Gelände-Briten inzwischen ein Newcomer die Show: der kleine Lifestyle-Hochbeiner Evoque, dem die Herzen der Käufer zufliegen und der sich in den vergangenen acht Jahren zum Bestseller gemausert hat. Der ist zwar ebenfalls ein Schwergewicht und freilich ähnlich geländegängig wie seine großen Brüder, fühlt sich aber auf den City-Boulevards am wohlsten. Das gilt auch für die jetzt neu aufgelegte zweite Generation.

Knapp 1,8 Tonnen wiegt der leichteste Range Rover Evoque, mit Diesel unter der Haube und zwei Passagieren besetzt schlägt der Zeiger der Waage also locker bis über die Zwei-Tonnen-Marke aus. Das wäre nicht weiter verwunderlich, handelte es sich dabei um einen stattlichen Fünf-Meter-Koloss. Der Evoque aber misst - wie schon Generation Nummer eins - gerade mal 4,37 Meter. "Wir wollten, dass auch unser Kleinster die Land-Rover-typische Solidität vermittelt", ist von den Entwicklern zu hören. Am Ende aber war es wahrscheinlich eine Kostenfrage, warum der Evoque nicht die neue Alu-Plattform seines großen Bruders Velar nutzen durfte, sondern einen rundum erneuerten Stahlunterbau bekam.

Viele Extras für viel Geld

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Wie beim Velar verschwinden auch beim Evoque die Türgriffe im Blech.

(Foto: Michael Gebhardt)

Neu ist tatsächlich alles - bis auf die Türscharniere, die vom Vorgänger übernommen wurden. In Sachen Design könnte man allerdings auch von einem Facelift sprechen: Evolution statt Revolution war angesagt, um das beliebte Lifestyle-Kleid nicht zu verfälschen. Hier darf sich der Kleine übrigens am Velar orientieren, hat sich die in der Karosserie versenkten Türgriffe abgeschaut und die schmalen Rücklichter und LED-Scheinwerfer. Die leuchten auf Wunsch und gegen Geld die Straße auch mit Matrix-Technik aus.

Überhaupt kann und muss man reichlich Euros investieren, wenn man aus dem Basis-Evoque einen echte Wohlfühloase machen will. Ab Werk gibt es zwar ein großes Infotainmentsystem, der zweite Touchscreen vor dem Schalthebel ist aber nicht dabei. Auch die digitalen Instrumente, das Head-up-Display, die hochwertige Textil-Ausstattung von Kvadrat aus recycelten PET-Flaschen, Sitzheizung, die meisten Assistenzsysteme oder das riesige Panoramadach werden natürlich gesondert auf der Rechnung aufgeführt. Dass also ein Evoque, der Stand heute übrigens nur noch als Viertürer und nicht mehr als Zweitürer oder Cabriolet erhältlich ist, wirklich für 37.350 Euro das Werk verlässt, ist unwahrscheinlich. Zwischen fünfzig- und sechzigtausend Euro haben die Kunden bislang im Schnitt für ihren Klein-Landy ausgegeben. Das teuerste Ab-Werk-Modell mit großem Benziner und in der sportlichen R-Dynamic-Ausführung startet zukünftig bei 69.550 Euro.

Fast alle mit E-Unterstützung

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Natürlich taugt der Evoque seinen Genen entsprechend auch fürs Gelände.

(Foto: Range Rover)

Wer sich für das Top-Modell entscheidet, darf sich über einen 300 PS starken Zweiliter-Vierzylinder mit doppelter Turboaufladung freuen, die beiden schwächeren Ottos (200 und 250 PS) werden, wie auch die Selbstzünder, von nur einem Lader zwangsbeatmet. Dieselseitig haben die Kunden die Wahl zwischen 150, 180 und 240 PS. Der schwächste Diesel ist, zum erwähnten Einstiegspreis, ab Juni 2018 auch als frontgetriebener Handschalter erhältlich; für 45.000 Euro sind auch hier die sonst immer serienmäßige Neungang-Automatik und der Allradantrieb ab Bord.

Zusammen mit dem Wandlergetriebe zieht das 48-Volt-Bordnetz mit Riemen-Starter-Generator ein, das Energie rekuperiert und beim Beschleunigen ein bisschen Elektro-Boost liefert. Wirklich sparsam werden die Triebwerke dadurch aber nicht. Zwar sollen die Diesel im Schnitt rund sechs, die Ottos circa acht Liter nehmen. Der Bordcomputer zeigte bei der ersten Ausfahrt im Schnitt jeweils drei Liter mehr an. Dabei setzt Land Rover alles daran, den Evoque das Sparen zu lehren. Auf trockener Straße wird unter Normalbedingungen bei den Allradlern die Hinterachse abgekoppelt, und bei Bedarf in Sekundenbruchteilen wieder zugeschaltet. Klingt schnell, führt aber dazu, dass der Evoque manchmal beim Anfahren kurz mit den Vorderrädern scharrt.

Neuer Gelände-Helfer

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Der Stauraum im Evoque reicht von 591 bis 1383 Liter.

(Foto: Range Rover)

Abgesehen davon ist auch der kleinste Landy freilich ein astreiner Geländegänger und lässt sich mit zahlreichen Offroad-Programmen auf nahezu jedes Terrain einstellen. Auch die üblichen Fahrhilfen, wie der Bremsassistent oder die Rundum-Kamera stehen zur Verfügung und unterstützen den Lenker beim Manövrieren. Ganz neu ist die durchsichtige Motorhaube: Die Technik hat Land Rover schon vor einigen Jahren als Zukunftsvision präsentiert, jetzt ist sie Realität geworden. Kameras zeichnen beim Rollen die Umgebung vor dem Wagen auf und können so kurz darauf in Quasi-Echtzeit darstellen, was gerade unter dem Vorderwagen passiert. Das ist vor allem beim Überfahren von Steinen und Schlaglöchern hilfreich. Vorausgesetzt, der Landy bekommt überhaupt jemals was anderes als feinen Asphalt unter seinen bis zu 21 Zoll großen Rädern zu spüren; Serie sind 17-Zöller.

Auch für den Straßeneinsatz hat sich Land Rover ein neues Feature einfallen lassen: den digitalen Rückspiegel. Per Tastendruck zeigt der Innenspiegel ein Kamerabild an, das den Blick nach hinten auch dann ermöglicht, wenn der Evoque voll bepackt oder besetzt ist. Letzteres ist gar nicht mehr so unwahrscheinlich, denn obwohl er unverändert kurz ist und der Radstand auch nur um 20 Millimeter zugelegt hat, ist der Fond deutlich geräumiger als bisher und auch große Gäste können dort anständig reisen. Alternativ lässt sich die Rückbank gut als Erweiterung des Gepäckabteils nutzen lassen. Umgeklappt erweitert die standardmäßig dreigeteilte Lehne den Stauraum von 591 auf 1383 Liter. Außerdem ist die Ladeöffnung breiter geworden, jetzt sollen auch ein Golfbag oder ein Kinderwagen problemlos reingehen.

Stark, aber nicht sportlich

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Richtig ausgestattet wird der Evoque auch im Innenraum zum Velar.

(Foto: Range Rover)

Je nach Fahrer empfiehlt es sich, die Ladung gut zu sichern, denn: Mit seiner straffen Grundabstimmung animiert der Evoque durchaus zur flotten Kurvenhatz und lässt sich trotz seiner Masse erstaunlich agil ums Eck bewegen. Optional steht ein adaptives Fahrwerk bereit, selbst dann ist der Komfort-Modus aber nicht wirklich butterweich und der Unterbau auch kleine Unebenheiten recht direkt in den Innenraum. Eher für eine nicht allzu dynamische Gangart sprechen dagegen die fehlenden Haltegriffe an der Decke - und auch die Leistungsentfaltung der beiden getesteten Motoren ist nicht gerade Sportwagen-gleich.

Als ein bisschen störrisch hat sich auf der ersten Testfahrt auch die Automatik erwiesen: Hier wie da ist die Abstimmung nicht ganz rund, einerseits nimmt sich der Wandler beim Gasgeben etwas Zeit, bis er den Befehl in Vorwärtsdrang umsetzt, andererseits schaltet das ZF-Getriebe mitunter recht hektisch zwischen den neun Übersetzungen hin und her. Insgesamt wirkt der Selbstzünder noch eine Spur geschmeidiger als der Otto.

Wenig Lärm, wenig Ablagen

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Wer es sich richtig wohnlich machen möchte im Evoque wird nicht unter 50.000 Euro für den Briten zahlen.

(Foto: Range Rover)

Beiderseits tadellos ist die Geräuschdämmung: Die Triebwerke sind nur unter Volllast zu hören, ansonsten dringt nicht viel Lärm von der Umwelt in den Innenraum. Und: Wer auch das leistete Wind- oder Abrollgeräusche noch übertönen will, kann zum Meridian-Soundsystem greifen und sich mit 380 statt 180 Watt beschallen lassen. Natürlich auch mit Streaming-Musik aus dem Internet, denn auf Wunsch ist der Evoque immer online, und dass er sich tadellos mit Apple- und Android-Smartphones versteht, muss eigentlich gar nicht mehr erwähnt werden.

Eine induktive Lademöglichkeit dagegen haben die Briten ihrem Kleinsten nicht gegönnt. Wahrscheinlich war dafür einfach kein Platz, denn Ablagen gibt es im Evoque kaum: Kleinkram kann entweder in einem Fach unter der Mittelkonsole verstaut werden - was zum Vergessen von Handy und Co. einlädt - oder in den Cupholdern. Apropos Ablage: Innerhalb der nächsten zwölf Monate muss bei manchen Versionen auch noch ein dickes Kabel im Evqoue untergebracht werden. So schnell nämlich will Land Rover eine Plug-in-Version des kleinen Lifestylers nachreichen.

Quelle: n-tv.de

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