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Konkurrent von Polo, Fiesta und Co Der neue Honda Jazz schafft Platz

Jazz-Fahrer müssen sich mit einem 1,3 Liter großen Vierzylinder zufriedengeben. Der zeigt sich im Stadtverkehr noch agil, doch über Land ist er relativ langatmig.jpg

Fast kein Van mehr: Die neue Generation des Honda Jazz ist im Vergleich zum Vorgänger deutlich flacher und etwas länger.

(Foto: dpa)

Nur weil man ein kleines Auto fährt, muss man nicht gleich die Knie einziehen. Das zumindest ist die Botschaft des Honda Jazz, der jetzt in die dritte Generation geht - geräumiger und variabler denn je. Nur bei den Antrieben rudern die Japaner zurück.

Honda perfektioniert die automobile Raumausnutzung. Die Japaner bringen im September ab 15.900 Euro die dritte Generation des Jazz in Deutschland an den Start - immerhin zwei Jahre nach der Premiere auf der Motorshow in Tokio. Dann bieten sie auf einmal vier Meter Länge mehr Innenraum als eine Luxuslimousine.

Design weg vom Van

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Seit seiner Marktpremiere vor 14 Jahren wurde der Honda Jazz insgesamt mehr als fünf Millionen Mal verkauft.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Kleinwagen ist variabler als ein klassisch geschnittenes Stufenheck. Weil es dazu noch einen neuen Motor gibt und ein paar moderne Assistenzsysteme, rechnet sich Honda gute Chancen im Kampf gegen konventionelle Kleinwagen wie den VW Polo, Opel Corsa oder Ford Fiesta aus.

Diesen Konkurrenten kommen die Japaner jetzt zumindest stilistisch ein bisschen entgegen. Wo der Vorgänger ein etwas braver Van im Westentaschenformat war, sieht die Neuauflage deutlich schnittiger und sportlicher aus: Zehn Zentimeter länger als früher und dafür ein bisschen flacher gezeichnet, reckt er ein freches Gesicht in den Wind, leistet sich markante Sicken an der Seite und bekommt ein kantiges Heck mit einer steil stehenden Scheibe und den funkelnden Leuchten im Stil des Civic.

Außen: hui, innen: na ja

So frisch und modisch der Jazz von außen wirkt, so altbacken erscheint der Innenraum. Auch der große, brillante Touchscreen für die Navigation mit Online-Anschluss und eigenem Appstore oder die sensorgesteuerte Klimazentrale hinter dunklem Rauchglas können nicht über das schnöde Hartplastik im Cockpit hinweg täuschen. Der schlecht aufgelöste Schwarz-Weiß-Bildschirm des Bord-Computers erinnert an Zeiten, in denen Tetris auf dem Gameboy noch Hightech war. Und die blauen oder grünen Leuchtpunkte neben dem Tacho, die den Fahrer zum Sparen erziehen sollen, flackern bei einer flotten Landpartie so hektisch hin und her, dass man die Farbenpracht schnellstmöglich ignoriert.

Aber es ging den Entwicklern auch nicht um den schönen Schein. Die Ingenieure wollten nicht weniger als den funktionalsten Kompaktwagen der Welt bauen. Dafür haben sie nicht nur eine neue Plattform konstruiert und von den zehn Zentimetern Längenzuwachs sogar zwölf in den Innenraum gerettet. Sie haben vor allem die vielleicht pfiffigsten Sitze im Segment eingebaut. Denn zur umklappbaren Rücklehne haben sie auch noch Sitzkissen, die man wie beim Kinosessel aufstellen kann. Wer nicht lang, sondern hoch stapeln möchte, kann dann im Fußraum vor der Rückbank Gegenstände von bis zu 1,30 Meter Höhe transportieren. Und wenn der Stau mal wieder länger dauert, kann man noch die Lehnen der Vordersitze herunterlassen und den Innenraum in eine bequeme Sofalandschaft verwandeln.

Monokultur bei den Motoren

Gab es den letzten Jazz noch mit mehreren Motoren und - als einen der ganz wenigen Kleinwagen - sogar mit Hybrid-Antrieb, pflegen die Japaner unter der Haube jetzt erst einmal die Monokultur. Sie setzen allein auf einen neuen, 1,3 Liter großen Vierzylinder, der mit 102 PS und einem Normverbrauch von 5,0 Litern (CO2-Ausstoß 116 g/km) auf dem Papier einen vielversprechenden Eindruck macht. In der Praxis kann das quirlige Kleinkraftwerk die Erwartungen jedoch nicht ganz erfüllen: Im Stadtverkehr noch agil und ambitioniert, wird der Motor mit seinem betont lang übersetzen Getriebe über Land relativ laut und langatmig. Schon die 11,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h ziehen sich ganz ordentlich. Doch wenn man mit den versprochenen 190 km/h Spitze über die linke Spur stürmen will, braucht man schon viel Anlauf und noch mehr Geduld.

Die Versuchung ist zwar bei diesem Motor nicht sonderlich groß. Dennoch hat Honda einen Schutz gegen Raserei eingebaut. Denn zum ersten Mal bei den Japanern ist der Tempomat jetzt auf Wunsch an die lokalen Tempolimits gekoppelt und hält den Jazz so aus jeder Radarfalle heraus. Viel sinnvoller in diesem Auto ist da schon die City-Notbremsfunktion, die einen vor Auffahrunfällen im Stadtverkehr schützt. Schließlich ist der Dschungel der Großstadt das angestammte Revier von Autos wie dem Jazz. Einzeln bestellen kann man die Assistenten nicht. Doch wer für mindestens 16.850 Euro das mittlere Ausstattungsniveau bestellt, bekommt das komplette Paket.

Fazit: Frische Töne im Konzert der Kleinwagen

Das Design zumindest außen wirkungsvoll aufgefrischt, die Ausstattung modernisiert und die Variabilität noch einmal gesteigert, festigt der neue Jazz seine Rolle als Raumwunder unter den Stadtflitzern. Lebenslustiger als ein kleiner Van und praktischer als ein konventioneller Kleinwagen schlägt er so erfrischend neue Töne an.

Quelle: n-tv.de, sni/dpa

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