Auto

Von Smart bis Interceptor Die Polizeiautos des NYPD

HOB_0741.JPG

Mehr als 150 unterschiedliche Fahrzeugtypen hat das New York Police Department (NYPD) im Einsatz.

(Foto: Fabian Hoberg)

New York gehört zu den Megacities dieser Welt. Um für Sicherheit zu sorgen unterhält die Polizei der Stadt mehr als 10.000 Fahrzeuge. Aber welche sind das und wie werden sie eingesetzt? Ein Gespräch mit Flottenchef Robert S. Martinez.

Mächtiger Händedruck, breites Grinsen. Wenn Robert S. Martinez einem die Hand gibt, dann schlägt das Gesetz zu. Der Deputy Commissioner der Megastadt ist Herr über 10.500 Fahrzeuge, darunter 7000 Autos. Gemeinsam mit seinen rund 450 Mitarbeitern kümmert er sich um die große Flotte – damit New York City sicher bleibt. Tag und Nacht.

HOB_0753.JPG

SUV setzt das NYPD vorrangig auf dem Highway und für Transporte ein.

(Foto: Fabian Hoberg)

Insgesamt zählt das NYPD, das New York City Police Department, 54.000 Mitarbeiter, davon 36.000 Police Officer, die in der Stadt für Recht und Ordnung sorgen. Die müssen sich natürlich schnell durch die Stadt bewegen. Und das bei unterschiedlichsten Einsätzen und Situationen. Deswegen sind etwa 150 verschiedene Modelle im Fuhrpark - zum Leidwesen von Martinez. Denn für jedes Auto gibt es einen anderen Wartungsplan und Ersatzteile. Das macht die Organisation nicht einfach. "Doch die verschiedenen Autos benötigen wir für die verschiedensten Jobs."

Das NYPD setzt auf Limousinen

"Für Transporte setzen wir große SUVs und Vans ein, für die Highways und Freeways Limousinen und SUVs. Natürlich gibt es auch Fahrzeuge für unsere Undercover-Polizisten. Die sind dann in der Regel schwarz lackiert", sagt Martinez. Pro Schicht fahren die Officer zwischen sechs bis acht Stunden im Auto, je nachdem, in welchem der fünf Stadtteile von New York City sie unterwegs sind: Manhattan, Bronx, Brooklyn, Queens oder Staten Island. Wegen der Größe hat das NYPD die einzelnen Stadtteile sogar in acht Einsatzbezirke aufgeteilt.

HOB_0637.JPG

Am aufregendsten ist es natürlich, wenn man einen Interceptor, einen Abfangjäger fahren darf.

(Foto: Fabian Hoberg)

Im Gegensatz zu den in den USA beliebten Pick-up-Trucks wie Ford F150 oder Chevrolet Silverado setzt die Polizei in New York auf normale Limousinen, SUVs oder Kompakt- und Kleinwagen. Etwa 2000 Hybridfahrzeuge und 30 Elektroautos fahren ständig auf Streife, dazu kommen etwa 250 Smart Fortwo und 50 Pferde für Paraden und Streifen in Manhattan. Die zweisitzigen Smarts ersetzen seit zwei Jahren die Dreiräder des US-Herstellers Westward Industries, die weder über Klimaanlage noch über Airbags verfügen. Mit ihrem Dach sind sie außerdem praktischer, sicherer aber auch günstiger.

"Natürlich müssen wir bei so einer großen Flotte auf die Kosten achten, bei jedem Fahrzeug", sagt Martinez. Der Smart sei ideal für Streifendienste rund um Schulen und bei der Kontrolle von Falschparkern. "Als universelles Einsatzfahrzeug in New York City eignet sich der Ford Explorer am besten. Er bietet viel Platz für Polizisten, einen großen Kofferraum, Allradantrieb und eine erhöhte Sitzposition. Dabei ist er auch noch zuverlässig", sagt Martinez.

42 Monate im Dienst

HOB_0638.JPG

Natürlich befinden sich auch größere Fahrzeuge für den Noteinsatz im Bestand des NYPD.

(Foto: Fabian Hoberg)

Im Schnitt schieben die Autos 42 Monate Dienst, bei SUVs wie dem Ford Explorer sind es 60 Monate, 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. Nur beim regelmäßigen Service alle 4000 Meilen (rund 6500 Kilometer, bei Autobahnpolizei alle 6000 Meilen, 10.000 Kilometer) in einem der 13 eigenen Polizei-Servicewerkstätten machen die Fahrzeuge eine Pause. Die Polizisten sollen ihre Fahrzeuge sauber halten, für die Innen- und Außenreinigung hält die Behörde Waschanlagen-Slots bereit. Nur bei den etwa 4000 Blechschäden jährlich müssen die Mechaniker wieder ran – wenn es sinnvoll erscheint. "Über die Jahre tauschen wir die Modelle regelmäßig aus, pro Jahr sind es ungefähr 1600 Fahrzeuge, die wir wechseln", sagt Martinez.

Mindestens 40.000 Meilen, umgerechnet 65.000 Kilometer, spulen die Polizeiautos im Jahr ab, nach 3,5 Jahren sind es knapp 230.000 Kilometer. "Es kommt aber auf das Einsatzgebiet an. Die kleineren Fahrzeuge wie der Smart fahren oft nur um die Blocks, die spulen nicht so viele Kilometer ab. Die Jungs auf den Autobahnen hingegen fahren mehr", sagt Martinez.

HOB_0687.JPG

Das Polizeiauto, das wohl in Manhattan am häufigsten zu sehen ist, ist der NYPD Smart.

(Foto: Fabian Hoberg)

Nach der Laufzeit checken die Mitarbeiter die Fahrzeuge, ob sie noch sicher sind oder sich eine Reparatur lohnt. Oftmals sind die Autos aber hinüber, werden zerlegt, verschrottet oder versteigert. Ausrangierte Fahrzeuge lässt die Behörde auf Long Island über Propertyroom.com versteigern, so bringen sie pro Wrack noch ein paar hundert Dollar. Meist schlachten die Mechaniker die runtergerittenen Polizeiautos aber aus und verkaufen die guten Ersatzteile.

Freude auf den Interceptor

Laut Martinez kommen so pro Jahr immerhin noch gut zwei Millionen Dollar zusammen. Mit einem Jahresbudget von etwa 42 US-Dollar (37,6 Millionen Euro) pro Tag und Fahrzeug muss Martinez auskommen. Für den Austausch von jährlich 1600 Fahrzeugen hat er dafür im Schnitt 26.250 US-Dollar zur Verfügung. "Das ist aber nicht genug, wir müssten noch 12 Millionen Dollar mehr haben", sagt er. Ob damit die Verbrecherbekämpfung in der Megacity erfolgreicher wäre, lässt er offen. Aber sein Grinsen unter dem grauen Schnurrbart lässt es vermuten.

HOB_0723.JPG

Schneller als 40 Meilen pro Stunde, also 64 km/h, darf der Smart des NYPD nicht fahren.

(Foto: Fabian Hoberg)

Der Neukauf von Fahrzeugen wird jedes Mal hart geprüft. Die Einsatzwagen durchlaufen den Michigan Police Vehicle Test, bei dem jedes Auto auf seine Einsatztauglichkeit getestet wird. Der Smart ist nicht mehr lange dabei. Daimler hat jetzt angekündigt, seine Smart-Modelle in Nordamerika nicht mehr anzubieten.

"Am Ende schauen wir uns jede Bewertung genau an und mein Team und ich entscheiden, welches Einsatzfahrzeug wir in die Flotte aufnehmen", sagt Martinez. Auf das nächste Einsatzauto freut sich Martinez schon: Im Juni sollen die neuen Fahrzeuge der Behörde übergeben werden. Der Ford Explorer Hybrid, den es in Deutschland ab Herbst gibt, bietet auf 5,05 Meter Länge ausreichend Platz, der 3,3-Liter-V6-Turbo leistet mit einer kombinierten E-Maschine insgesamt 320 PS. Als Behördenfahrzeug nennt sich das SUV Police Interceptor – Abfangjäger. Der passende Name, um in New York City auf Verbrecherjagd zu gehen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema