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Von Braun zu Blau? Die Trend-Autofarben der Zukunft

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Farben unterliegen nicht nur den Formen auf denen sie aufgebracht werden, sie sind auch abhängig von gesellschaftlichen Trends.

(Foto: Fabian Hoberg)

Nicht nur beim Design neuer Autos bedarf es eines gehörigen visionären Potenzials. Auch bei den das Blech bedeckenden Farben. Ein solcher Visionär ist Lackdesigner Mark Gutjahr. Er entwickelt Farbtrends und weiß, welche Farben bei Autokäufern in Zukunft besonders gut ankommen.

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Mark Gutjahr entdeckt bei BASF die Farben, die in Zukunft die Autos bekleiden.

(Foto: Fabian Hoberg)

Erstmals seit 20 Jahren löste vergangenes Jahr die Farbe Blau bei Autolacken Silber ab. Werden unsere Autos bunter? "Blau und Grau werden beliebter. Die eine ist zwar eine bunte und die andere eine unbunte Farbe, dennoch bleiben beide neutral, polarisieren nicht oder werden kontrovers diskutiert. Blau steht für Dynamik, Sportlichkeit und Frische, auch für Umwelt, Reinheit und Zukunft. Das kommt bei vielen Kunden gut an", sagt Mark Gutjahr. Es sei eine Hightech-Farbe und schlage eine Brücke in die digitale Welt.

Der 45-Jährige ist seit rund zehn Jahren Head of Design BASF Coatings Division, Lackdesigner und Farbtrend-Scout bei der Farbsparte des Chemie-Riesen. BASF zählt zu den führenden Herstellern von Lacken und beliefert fast alle relevanten Autobauer mit ihren Produkten. Etwa sieben Jahre blickt Gutjahr in die Zukunft, schlägt den Automobilherstellern neue Farbtöne vor und entwickelt mit ihnen gemeinsam neue Lacke. Damit trägt er entscheidend zum Kaufprozess bei.

Farbe wird nach Marke und Modell gewählt

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Farben folgen auch immer gesellschaftlichen Trends.

(Foto: Fabian Hoberg)

Trotz Dieselfahrverboten und CO2-Diskussion kommt es beim Autokauf immer noch auf die Optik an. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Interessenten nach der Marke und dem Modell die Farbe ihres neuen Wagens auswählen. Erst anschließend folgen Motor- und Innenausstattung. Dabei sei die Farbentscheidung keine impulsive Entscheidung, sondern würde oft im Familien- oder Freundeskreis diskutiert. "Die Autofarbe hat selten etwas mit der Lieblingsfarbe des Besitzers zu tun", sagt Mark Gutjahr.

Sonst würden in Deutschland mehr blau und rot lackierte Autos fahren. Hier sei die Anzahl der bunt lackierten Autos wegen des hohen Flottenanteils aber eher gering. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) waren 2017 genau 74,6 Prozent aller Neuzulassungen Firmen- oder Dienstwagen. Weiß, Schwarz und Grau werden von Unternehmen eher bevorzugt, das wirkt neutraler und später den Wiederverkaufswert. Deswegen ist blauer Lack nun eine kleine Sensation.

Farbe ist ein Alleinstellungsmerkmal

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Farbspiele sollen Aufschluss über künftige Trends bringen.

(Foto: Fabian Hoberg)

Die Lackierung kleidet nicht nur das Auto, sondern auch seinen Besitzer. "Die Farbe eines Autos muss zur Marke und zum Modell passen. Zusammen mit dem Design ist sie das wichtigste Alleinstellungsmerkmal der Autohersteller", sagt Mark Gutjahr. Er entscheidet fünf bis sieben Jahre im Voraus, was auf unsere Autos gesprüht wird.

Unter anderem Blautöne. Blau als chromatische Farbe passe zu vielen Fahrzeugkategorien und sei neutral. Die Farbe spiegle kein Produkt wieder, stehe auch nicht für die Natur. "Auch Meerwasser ist nicht blau, ebenso wenig wie die Luft im Himmel", sagt Gutjahr. Eine Farbe, mit der kein Autobesitzer anecken kann. Dazu gibt es viele unterschiedliche Farbtöne. "Derzeit existieren rund 140 Blautöne in Europa, bei Grau sind es hingegen rund 110", sagt Gutjahr. Grau (19 Prozent) gilt derzeit als zweitbeliebteste Farbe in Europa, dahinter folgen Schwarz (18 Prozent) und Silber (10 Prozent). Die meisten Autos sind allerdings in Weiß lackiert (31 Prozent). Weltweit sind alle Autos zu 80 Prozent in Weiß, Schwarz, Grau und Silber lackiert.

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Farben werden auch durch Technik-Trends geprägt.

(Foto: Fabian Hoberg)

Die Farben und deren Bedeutung haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Während Weiß noch vor zehn Jahren als langweilige Farbe angesehen wurde, gilt sie heute als technische Farbe – Apples iPod und iPhone sei Dank. Mittlerweile geben neue visuelle Effekte den Farben zusätzlichen Glanz und Glitter. Wichtig bei Lacken sei die Beständigkeit – sowohl gegenüber dem Wetter als auch dem ästhetischen Empfinden: Autolacke müssen mindestens neun Jahre aktuell bleiben – sonst sieht das Auto schnell älter aus, als es eigentlich ist.

Autofahrer werden bei der Farbwahl mutiger

Autofahrer werden nach Meinung von Gutjahr mutiger. Aktuell lägen knallige Farben wie Gelb oder Orange im Trend, wenn auch nur auf speziellen Fahrzeugen und eher in kleinen Mengen. In Europa waren vergangenes Jahr rund ein Prozent in diesen Farben lackiert, ebenso wie in Grün. "Die Töne bringen Aufmerksamkeit und funktionieren deshalb gut auf Sportwagen. Die Farben unterstützen eine Positionierung des Fahrzeugs", sagt Gutjahr. Buntfarben sind vor allem in den Segmenten der Klein- und Kompaktwagen verbreitet. Bis auf Pink und Rosa. Auf großen Oberflächen sehen diese Farbtöne künstlich aus und wirken billig – für ein teures Auto eher hinderlich.

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Auch das Stimmungstablett leifert Anhaltspunkte für kommende Farb-Trends.

(Foto: Fabian Hoberg)

Um neue Trends aufzuspüren, reisen Gutjahr und seine Mitarbeiter quer durch die Welt. Sie schauen sich auf Messen um, nehmen an Konferenzen teil und treffen Designer aus anderen Industriezweigen. "Wir suchen in Magazinen, horten Nagellacke, Modellautos und Paketbänder. Wir fotografieren Objekte, sammeln Informationen und nehmen gesellschaftliche Trends auf." Farbbeispiele sammeln sie auf einem Stimmungstablett, um sich immer wieder ein Bild von neuen Farben machen zu können.

Braun hat ausgedient

Für die nächsten Jahre prophezeit Gutjahr neben neuen Weiß- und Grautönen vor allem mehr Nuancen bei Blau. "Es wird mehr speziellere Farben und mehr Varianten, auch für Kleinserien geben", ist sich der Lackdesigner sicher. Die Farbe Braun wird dagegen bei Autos seltener zu sehen sein. "Die haben eine Zeit lang ganz gut gepasst, kamen mit dem SUV-Boom hoch. Wir assoziieren damit Natur- und Erdverbundenheit, etwas Schweres, das ist in den nächsten Jahren nicht mehr gewünscht", sagt Gutjahr.

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Die Farbe Braun hat ausgedient.

(Foto: Fabian Hoberg)

Dieser Wechsel bei den Farbtrends betrifft auch Gutjahr. Der Designer fährt im Alltag einen braunen Porsche 924 S. Die Farbe sehe toll aus und passe gut zum Auto. Der alte Porsche ist für ihn ein gutes Alltagsauto mit ausreichend Platz – auch wenn die Farbe bald nicht mehr dem Trend entspricht.

Quelle: ntv.de

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