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Echter Langstrecken-ProfiFährt das neue SUV Mercedes GLC wirklich 800 Kilometer?

24.03.2026, 08:14 Uhr Patrick-portraetfotoVon Patrick Broich, Faro
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So ein bisschen geschichtsbewusst ist der neue GLC durchaus. Sein monumentaler Hightech-Grill erinnert mit seiner Matrix an Mercedes-Modelle aus den Sechzigern. Vielfältig leuchten kann er zudem. (Foto: Hersteller/Mercedes)

Mit dem GLC bringt Mercedes ein weiteres rein elektrisch angetriebenes Volumen-Schwergewicht auf die Straße. Er tummelt sich im traditionell starken Umfeld der Mittelklasse. ntv.de hat die erste Ausfahrt unternommen, und zwar mit dem Topmodell.

Plötzlich ist er wieder da, der Unterschied zwischen BMW und Mercedes, den viele Generationen verinnerlicht haben, der allerdings seit längerer Zeit abhandengekommen war. Mercedes baut mehr die gediegenen Fahrzeuge, während BMW eher sportlich ausgerichtet ist, so lautete ein ungeschriebenes Gesetz etliche Jahrzehnte lang. Spätestens aber mit der 2022 eingeführten samtigen BMW-Siebener-Reihe in Übergröße ist diese Konvention dahin. Die mutet nämlich nun gar nicht sportlich an, sondern hat komfortmäßig neue Sphären erklommen. Und der neue iX3? Ist so richtig BMW alter Schule, jedenfalls vom Design her mit seiner historischen Neue-Klasse-Niere und einem drahtigen Touch.

Und in diesen emotional aufgeladenen Raum grätscht nun Mercedes mit einem GLC EQ - hypermodern, aber unaufgeregt. Hier gibt es bloß die üblichen Design-Spielereien mit LED-Sternchen vorn und hinten, aber ansonsten ist dieser Mittelklässler konventionell und sogar leicht konservativ. Gediegen eben. Und schon ist es zwischen BMW und Mercedes wieder so ein bisschen wie früher.

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Innen wirkt das Mittelklasse-SUV durchaus technisch. Feines Holz, wie hier zu sehen, sorgt dann aber doch für eine warme Wohlfühlatmosphäre. Gut zugängliche Smartphone-Ladeschalen sind State of the Art. (Foto: Hersteller/Mercedes)

Da kommen nun also zwei automobile Bewerber um die Ecke, deren Auftrag lautet, die volumenträchtige Mittelklasse möglichst breit zu elektrifizieren. Und der GLC macht das auf eine dezente Art, packt seine Betrachter emotional erst auf den zweiten Blick. Dabei hat auch er visuell wirkungsvolle Gimmicks an Bord. Als da wäre: der neue, monumentale Grill mit dem LED-Leuchtteppich. Er illuminiert nicht nur, sondern hat auch fancy aussehende Begrüßungsszenarien drauf. Außerdem erinnert er mit seiner optischen Matrix an die Mercedes-Hochkühler-Ära aus den 1960er-Jahren - hier hätten wir das verbindende historische Element der beiden ewigen Kontrahenten BMW und Mercedes, denn die Niere des Münchners stammt ebenfalls aus dieser Zeit.

Das GLC-Heck dagegen kommt trendig daher und ohne direktes geschichtliches Zitat mit seinem breiten Rückleuchten-Band. Erst in der Dämmerung wird es dann zum wahren Identifikationsmerkmal dank der markanten Sterne. Und innen? Infotainment satt mit einem runden Meter Screen von A-Säule zu A-Säule. Dieses Mal aber ist der Bildschirm nicht zerklüftet wie in anderen Mercedes-Baureihen, sondern besteht aus einem einzigen Glaselement, das sich den Passagieren wie aus einem Guss präsentiert. Das verleiht der Architektur eine Art von technischer Noblesse. Wirkt das nicht ein bisschen unterkühlt? Es kommt auf die weiteren "Zierelemente" an, wie es im Konfiguratior heißt. Feine Hölzer wären da ein gelungener Gegenpart.

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Platzmangel in der zweiten Reihe kann man dem Mercedes GLC EQ nun wirklich kaum vorwerfen nicht zuletzt dank satten 2,97 Metern Radstand. (Foto: Hersteller/Mercedes)

GLC ist Komfortversprechen

Was sich Mercedes jedenfalls auf die Fahnen geschrieben hat, ist Komfort, Komfort und noch mal Komfort. Das lässt der große Brocken seine Mitreisenden bereits auf den ersten Metern spüren. Vor allem mit der optionalen Luftfederung (beim Wettbewerber aus München weder für Geld noch gute Worte zu bekommen) beantwortet er lange Fahrbahnwellen mit dem berühmten Nachschwung, wie man ihn von komfortablen Limousinen mit langem Radstand kennt. Hartnäckige Fugen dagegen dringen freilich durch bis in den Passagierraum, allerdings gedämpft. Empfehlenswert ist das auf Luftbälgen liegende Chassis vor allem für Kunden, die oft mit schwerer Beladung unterwegs sind. Es garantiert nämlich ein davon unabhängig stets gleichbleibendes Fahrverhalten.

Und wie ist es um den Antrieb bestellt? Analog zu BMW bietet auch Mercedes zu Beginn der jetzt gerade stattfindenden Auslieferungen bloß eine einzige Motoroption: Man ist dazu verdammt, das Topmodell zu fahren - bedeutet also hier konkret GLC 400 4Matic. Kleiner haben die Schwaben es gerade eben nicht, aber schwächere Varianten sind versprochen. Und so bekommen die Teilnehmer der Fahrvorstellung 449 PS und 800 Newtonmeter Drehmoment mit auf den Weg. Und das ist jetzt nicht gerade ein freudloser Antrieb. Damit zieht der in diesem Kontext obligatorische Allradler aus jeder Lebenslage heraus mächtig durch, und der Fahrer dürfte sich dann und wann beim Grinsen erwischen. So reichen 4,3 Sekunden für den Sprint auf Landstraßentempo, wenn man dem Werk Glauben schenken möchte.

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Große Panoramadächer sind aus modernen Fahrzeugen nicht mehr wegzudenken. Auch beim GLC lässt es sich mittlerweile elektrochromatisch abdunkeln. (Foto: Hersteller/Mercedes)

Nicht ganz zu der Performance passt die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf 210 km/h, hier sollten künftige Offerten aus Affalterbach jedoch Abhilfe schaffen. Allerdings wieselt auch schon die zivile Ausgabe des 2,5-Tonners diesseits der AMG-Welt denkbar flink um die Kehre und gibt seine Leermasse auf diese Art jedenfalls nicht preis. Die leichtgängige und dennoch präzise Servolenkung verstärkt den Eindruck. Andererseits wirkt der GLC maximal entkoppelt von der Außenwelt, filtert Geräusche maximal und wirkt damit schon fast ein bisschen oberklassig. Beim Rangieren wiederum mutet er kompakt an, hierfür zeichnet die Hinterachslenkung verantwortlich.

Reichweiten-Angst künftig unbegründet

Bleibt der Blick auf eine ganz andere Art von Performance - nämlich jener bei Effizienz und Ladetempo. Um die beiden Permanent-Synchronmaschinen so oft wie möglich in einem betriebsgünstigen Bereich arbeiten zu lassen, entscheiden sich die Ingenieure für ein automatisches Zweiganggetriebe, das bei batterieelektrischen Fahrzeugen nur selten zum Einsatz kommt. Es ist allerdings eine von vielen Maßnahmen, die zum Versprechen der Schwaben führen, dass dieser GLC nach WLTP-Manier bis zu 808 Kilometer weit fahren soll, wobei das eher ein Szenario für den Standverkehr sein dürfte.

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Das GLC-Heck mutet fast ein bisschen konservativ an. Erst bei Dämmerung wird es fancy mit dem Leuchtband samt verspieltem Lichtdesign. (Foto: Hersteller/Mercedes)

Inwieweit das auch bei ausgiebiger Autobahnfahrt und womöglich noch bei niedrigen Temperaturen realisierbar ist, das gilt es noch zu testen. Auf sportlich gefahrenen Landstraßenrunden sind zumindest über 600 Kilometer kein Problem, jedenfalls bei 20 Grad Außentemperatur. Auch das Ladetempo gilt es noch unter die Lupe zu nehmen. Dass ein 94-kWh-Akku (netto) im Kontext eines 800-Volt-Systems jedoch binnen rund 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent bei deutlich über 300 kW Peak-Ladeleistunglädt, klingt recht vernünftig.

Vielleicht noch ein paar Zeilen zu den Themen Bedienung und Praxistauglichkeit: Hier ist das sogenannte MBUX so manchem Wettbewerber überlegen, wenn es darum geht, über so viele Assistenten zu herrschen, die piepend und vibrierend in das Fahrgeschehen eingreifen. Ein paar intuitive Touchbewegungen reichen, um solcherart Gängelung zu eliminieren. Es gibt aber auch nützliche Assistenz. Hat man sich einmal in einer engen Gasse verhakt, bugsiert das System den GLC selbsttätig rückwärts wieder heraus. Und das automatische Einparken ist jetzt deutlich einfacher zu aktivieren und schreckt auch vor engen oder vertrackten Verhältnissen nicht zurück. Unbedingt ausprobieren! Ausprobieren darf man auch eine verbesserte Sprachbedienung. Man kann sich dank KI-Einsatz sogar mit dem Auto unterhalten, allerdings noch nicht ganz auf Knight-Rider-Level. Mercedes begründet das mit einem spezifisch ausgewählten Wortschatz, der schließlich der Marke gerecht werden muss. Hier könnte man durchaus noch etwas feilen.

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Selbst bei aufrecht stehenden Rücksitzlehnen passt bereits Gepäck im Äquivalent von knapp 600 Litern in das Heckabteil des SUV. Damit sollten ausgiebige Reisen mit vier Personen kein Problem darstellen. (Foto: Hersteller/Mercedes)

Und sonst? Dank erklecklichem Kofferraumvolumen von bis zu 1740 Litern ist der 4,85 lange GLC ein kleines Gepäckaufnahme-Monster. Und da schon die Rede von Praxistauglichkeit ist - warum lassen ihn die Schwaben bloß so wenig ziehen? Porsche beweist mit dem Cayenne, dass auch 3,5 Tonnen Anhängelast möglich sind mit einem batterieelektrischen Antrieb. Und 2400 Kilogramm sind eben am Ende bloß Mittelmaß, was nicht zum GLC passt. Denn Mittelmaß ist er so gar nicht, das muss man ehrlich sagen. Gilt aber auch für den Grundpreis von rund 70.000 Euro. Günstigere Einsteiger werden sicherlich folgen. Ein Schnäppchen wird der Hightech-GLC vermutlich trotzdem nicht, so richtig Mittelklasse ist er gefühlt also nicht mehr.

Quelle: ntv.de

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