Auto

Superstrata Electric im Test Ein E-Rennrad aus dem 3D-Drucker

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Keine alltägliche Erscheinung: das Superstrata Electric in Rennradaufmachung.

(Foto: sp-x/Mario Hommen)

Der 3D-Druck ist im Fahrradbau immer noch eine ungewöhnliche, exotische Fertigungstechnik. Dabei lassen sich mit diesem Verfahren sogar komplette Rahmen fertigen, wie die neue Zweiradschmiede Superstrata aus den USA zeigt. Wie fährt sich das gedruckte Rad?

Im Jahr 2020 hat die vom US-Amerikaner Sunny Vu gegründete Tech-Firma Arevo die Fahrradmarke Superstrata ins Leben gerufen. Spezialität der jungen Zweiradschmiede ist ein thermoplastischer Kohlenstoff-Faserverbundwerkstoff, mit dem sich ein kompletter Fahrradrahmen in einem Durchgang im 3D-Drucker herstellen lässt. Ein Prototyp dieses zukunftsweisenden Bikes hat in der Variante E-Rennrad den Weg in die Redaktion gefunden. Mit seinem Rahmen machte der Flitzer aus dem Printer durchaus Eindruck. Es handelte sich allerdings um ein frühes Exemplar, das in Details noch Verbesserungspotenzial offenbarte.

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Dank 3D-Druckverfahren kann der Superstrata-Rahmen auf ein Sattelrohr verzichten.

(Foto: sp-x/Mario Hommen)

Wirklich super beim Superstrata ist die fugenfreie Kunststoff-Konstruktion, die komplett auf Klebestellen, Schweißnähte oder Schraubverbindungen verzichtet. Nur Carbonrahmen können bei da optisch mithalten. Zugleich erlaubt das additive Verfahren größere Freiheiten bei der Formgebung.

So verzichtet die Konstruktion auf ein eigentlich übliches Sitzrohr. Stattdessen vereinen sich die beiden Sitzstreben auf dem Weg zum Oberrohr zur Aufnahme für die Sattelstütze. Das sieht schön luftig aus, stabil ist es außerdem. Ohnehin wirkt die mit Carbonfasern verstärkte Konstruktion solide, Rost wird nie ein Thema sein. Der 3D-Druck erlaubt zudem rahmenintegriertes Front- und Rücklicht, das zwar kräftig, allerdings nicht StVZO-konform leuchtet.

Individuelle Anfertigung auf Grundlage biometrischer Daten

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Schweißnähte oder Fugen weist der Rahmen nicht auf.

(Foto: sp-x/Mario Hommen)

Was den Rahmen außerdem besonders macht, ist seine individuelle Anfertigung auf Grundlage biometrischer Daten des Fahrers. Hier muss der Kunde bei der Online-Bestellung einige wichtige Maße seines Körpers angeben, um einen für ihn maßangefertigten Rahmen zu bekommen. Entsprechend heißt es im Datenblatt bei Rahmengrößen: unendlich.

Wie passgenau die Rahmen sind, können wir nicht sagen, denn unser Testexemplar war vorproduziert. Ergonomisch hat uns das Bike dennoch zugesagt. Es wurde in moderner Rennrad-Aufmachung mit einer cleanen Lenker-Vorbau-Kombination geliefert. Die Position war dennoch nicht zu sportlich, sondern durchaus für eine Alltagsnutzung geeignet. Wer keinen Rennradlenker will, kann alternativ die Version Urban bestellen, die mit gleich drei für aufrechte Sitzpositionen ausgelegten Lenkervarianten kombinierbar ist.

Wuchtiges Unterrohr

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In den Rahmen ist ein LED-Rücklicht eingelassen. Das Finish der Lackierung hat speziell an dieser Stelle noch Verbesserungspotenzial.

(Foto: sp-x/Mario Hommen)

Eigentlich könnte der Rahmen filigraner ausfallen, doch unser Superstrata mit E-Antrieb zeichnet sich durch ein wuchtiges Unterrohr aus, in dem die 336-Wh-Batterie für bis zu 90 Kilometer Reichweite Platz findet. Für ein E-Bike sieht das schlank aus, für ein Rennrad hingegen nicht. Das gilt auch für das Gewicht von 18 Kilogramm. Für ein E-Bike ist das wenig, für ein Rennrad nicht. Ob ein Hobby-Racer mit eingebautem Rückenwind wirklich Sinn macht, ist ohnehin Gegenstand vieler Debatten.

Der E-Antrieb befreit jedenfalls weitgehend von anstrengender Beinarbeit. Wie bei Pedelecs üblich, kommt der E-Schub erst, wenn man strampelt. Die im Hinterrad integrierte Bafang-Maschine schiebt in der höchsten von fünf Unterstützungsstufen beeindruckend kraftvoll an und treibt die Tachoanzeige gerne auch auf 27 oder 28 km/h. Man kann den Antrieb problemlos überstimmen und allein mit Muskelkraft 40 km/h und schneller fahren. Das Superstrata ist eben auch ein flottes Rennrad.

Nicht komplett überzeugend

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Als Single-Speed sieht das E-Bike aufgeräumter aus. Allerdings fehlt hier mindestens eine Alternativ-Übersetzung.

(Foto: sp-x/Mario Hommen)

Bei unserem Testexemplar wurde allerdings auf eine Schaltung verzichtet. Aufgrund der recht kurzen Übersetzung verlangt das Single Speed nach einer hohen Trittfrequenz auch im E-Modus. Eine alternative Übersetzung wäre hier durchaus wünschenswert. Wenn wir ohne oder mit niedriger Motorunterstützung fuhren, kam es vor, dass die Kette rutschte.

Dieses Phänomen zeigte sich bei der von uns vorwiegend eingestellten Maximalunterstützung des Motors übrigens nicht. Andere Komponenten sind hingegen von gehobener Qualität, wie etwa die hydraulischen Scheibenbremsen von Shimano.

Als E-Rennrad und mit Single-Speed-Antrieb konnte das umgerechnet rund 4000 Euro teure Superstrata nicht in allen Belangen überzeugen. Wer elektrisch fahren will, sollte in jedem Fall noch 350 Euro in die optionale 11-Gang-Kettenschaltung investieren. Oder man verzichtet auf E-Unterstützung. Classic heißt die Variante mit Bioantrieb, die mit Kettenschaltung inklusive Versand rund 3000 Euro kostet. Im Gegenzug bekommt man einen bislang einzigartigen Carbon-Flitzer, dessen Rahmen individuell auf den eigenen Körper zugeschnitten wird.

Quelle: ntv.de, Mario Hommen, sp-x

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