Endlich wieder richtige TastenVolkswagen präsentiert den überarbeiteten ID.3 - ein bisschen Golf
Von Patrick Broich, Hamburg
Volkswagen gibt Strom und bringt neben neuen Elektromodellen auch bereits bestehende in Schwung. Den Anfang macht der ID.3 Neo mit mehr Bedienungsfreundlichkeit, besserer Effizienz und überarbeiteter Konnektivität. Es bleibt aber bei 400 Volt.
Wer sich dem überarbeiteten Volkswagen ID.3 aufmerksam von vorn nähert, merkt schon etwas. Die Wolfsburger hatten offenbar im Sinn, ihren Kompakten von der futuristischen Linie abzubringen und ihn betont gewöhnlich zu machen. Keine spacig angehauchten Scheinwerfer mehr, lieber etwas mehr Golf wagen, wenn man so will. Funktioniert auch. Die Marketingabteilung hat sich dazu den Slogan "True Volkswagen" ausgedacht, und ein bisschen mag sogar dran sein. Wolfsburg tritt wieder klar auf, ohne optischen Schnickschnack.
Aber das mit dem Design ist ja immer so eine Sache, vor allem eine Geschmacksache. Doch es gibt handfeste Kritikpunkte am ID.3, bei denen es wenig subjektiven Spielraum gibt. Und auch die hat Volkswagen angepackt. Die Beseitigung des größten Knackpunkts fällt unmittelbar nach dem Entern auf. So sitzen auf dem Lenkrad endlich wieder richtige Tasten, die fein klicken und rasten. Das wurde aber auch Zeit! Und so ganz nebenbei spendieren die Wolfsburger dem künftigen ID.3 auch noch die historische Instrumentengrafik. Das ist ziemlich cool.
Doch auch die Technikabteilung musste ran. Sie haben sich im Rahmen der Umstellung auf die MEB-Plus-Plattform vor allem dem Elektroaggregat gewidmet, das in diesem Zuge glatt eine neue interne Bezeichnung erhielt. Aus AP310 wurde AP350 - was gemäß der Zahlen einer Drehmomenterhöhung von 310 auf 350 Newtonmetern entspricht. Im Ergebnis ist das Triebwerk effizienter geworden und verspricht mehr Reichweite für den User.
Im Kontext mit der 58-kWh-Variante steigt die Reichweite von bisher 429 auf künftig 494 Kilometer. Und die Ausgabe mit der großen 79-kWh-Batterie soll bald 630 statt wie früher 564 Kilometer weit fahren. Am unteren Ende fügen die Niedersachsen eine Einsteiger-Option mit 50 kWh großem Akku hinzu. Sie leistet 170 PS und wird mit 417 Kilometern Reichweite beziffert. Damit liegen sämtliche Ausführungen bei rund 14 kWh Stromverbrauch je 100 Kilometer als unterste WLTP-Marke.
Bei der Ladeleistung hingegen hat sich nichts getan, je nach Batteriegröße liegt der Peak bei 105 oder 183 kW. Wichtig ist jedoch, dass 10 bis 80 Prozent Ladestand stets im Bereich von 25 Minuten realisiert werden soll. Das geht für 400 Volt in Ordnung - und bei dieser Spannungslage bleibt es auch, der sogenannte Modulare Elektrobaukasten wird nicht mehr auf 800 ertüchtigt.
Neue Leistungsstufe und Einsteiger-Akku
Die Leistungsstufen entsprechen mit 170 und 231 PS jenen des Vorgängers; einzig die mittlere Stufe ist mit 190 PS neu. Neu sind beim ID.3 Neo noch so manche Dinge mehr. Eine komplette Überarbeitung des Interieurs bringt nicht nur frischen Wind in die Stube, sondern auch eine bisher nicht gekannte Qualitätsanmutung. In der Tat wirken etliche Materialien bereits beim ersten kurzen Probesitzen wertig. Und neben den bisher indifferent rückmeldenden Lenkradschaltflächen entfallen auch die unseligen Slider für die Lautstärkeregelung auf dem Zentralscreen. Und was erblickt das Auge stattdessen? Richtig, mechanische Tasten für Lüftung und Temperatursteuerung, die sich auch noch präzise anfühlen.
Viele weitere kleine Details haben die Architekten außerdem einer Überarbeitung unterzogen. Demnach sitzen mittlerweile vier vollwertige Schalter für die elektrischen Fensterheber in der Türablage und nicht mehr deren zwei plus Touchfläche, um zwischen vorn und hinten umzuschalten. Die hat man nämlich ständig aus Versehen berührt und dann ungewollt aktiviert. Gut zugängliche Smartphone-Ladeschalen ersetzen die bisherige, im Handling etwas umständliche Ablage. Außerdem schmückt ein klassischer Lautstärkeregler die Mittelkonsole.
Vom Grundcharakter bleibt der 4,27 Meter lange Elektro-Kompakte freilich gleich. Nur dass er seinen Fahrern künftig ein bisschen mehr Arbeit abnimmt. Denn er ist dank neuer Software beispielsweise auch in der Lage, Ampeln zu erkennen mit der entsprechenden Ausstattungsoption.
Und auch für die Passanten gibt es Neuigkeiten - die können den ID.3 Neo nämlich über einen frisch abgemischten Außensound wahrnehmen. Im Sportmodus bleibt er sogar bis 50 km/h eingeschaltet. Ab morgen ist das überarbeitete Modell konfigurier- und bestellbar. Spannend bleibt, wo der ID.3 preislich einsteigt. Aber er müsste dank neuer Basis-Batterie ein gutes Stück günstiger werden.