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Nach dem SUV kommt der Pick-up. Mit dem veredelten Fiat Fullback Cross wollen die Italiener auch Alltagskunden ansprechen.
Nach dem SUV kommt der Pick-up. Mit dem veredelten Fiat Fullback Cross wollen die Italiener auch Alltagskunden ansprechen.
Mittwoch, 08. November 2017

Der nächste Light-Truck rollt: Fiat Fullback - Edel-Look für Italo-Pick-up

Mit dem "Cross" will Fiat sein Pick-up Fullback krönen und sich gegen die in Europa immer breiter werdende Konkurrenz aufstellen. Dabei haben die Italiener wie Nissan, Renault, VW und inzwischen auch Mercedes nicht nur Förster und Bauern als Kunden im Visier.

Italien ist beliebt wegen seiner historischen Altstädte mit malerisch engen Gassen, weniger hingegen wegen seiner allgegenwärtigen Parkplatznot. Warum bringt Fiat also ausgerechnet im Mekka der Kleinwagen und verstopften Innenstädte einen Pick-up mit dem Gardemaß von 5,30 Metern? "Weil auch in Europa immer mehr Kunden diese Art von Autos lieben", sagt Stephane Gigou.

Ein- und Aufstieg ab 44.387 Euro

Bis zu 960 Kilogramm lassen sich auf die 1,52 Meter lange Ladefläche des Fiat Fullback aufladen.
Bis zu 960 Kilogramm lassen sich auf die 1,52 Meter lange Ladefläche des Fiat Fullback aufladen.

"Unser Fullback ist die ideale Art, Beruf und Freizeit in Einklang zu bringen", preist der Europa-Chef von Fiat Professional sein Produkt an. Seit rund neun Monaten verkaufen die Italiener den Geländewagen mit Ladefläche auch in Deutschland, haben bislang 700 Kunden überzeugen können und setzen dem Ganzen jetzt die Krone auf: Beim neuen, stylisch aufbereiteten Spitzenmodell Cross für immerhin 44.387 Euro ist daher einiges an Ausstattung inklusive.

Zur Erinnerung: Nicht überall, wo Fiat draufsteht, ist auch Fiat drin. Der Fullback ist nahezu identisch mit dem Mitsubishi L 200, wird von den Japanern in Thailand gebaut und vor Ort mit dem Fiat-Logo versehen. Da Mitsubishi mittlerweile zu Renault-Nissan gehört, ergibt sich die pikante Situation, dass der Turiner Konzern mit Hilfe des Pariser Konkurrenten die Pick-up-Lücke im Angebot schließt. Dem Kunden kann´s egal sein. Er bekommt mit dem neuen Fullback Cross ein robustes, auffallendes Auto, das alleine schon durch seine Größe ein Statement ist.

Der schleppt was weg

Im Innenraum des Fiat Fullback Cross erwartet die Insassen ein Mehr an Ausstattung.
Im Innenraum des Fiat Fullback Cross erwartet die Insassen ein Mehr an Ausstattung.

Wer die Sinnhaftigkeit eines Pick-ups nicht hinterfragt, kann dem Fullback Cross also durchaus Positives abgewinnen. Sicher ist das seitliche Erscheinungsbild wegen der durch die deutliche Fuge angepappt wirkenden Ladefläche Geschmackssache. Unbestritten ist dagegen die solide Technik eines der weltweit meistverkauften Fahrzeuge dieser Art, eine komfortable Kabine für fünf Erwachsene, die beim Topmodell durch Lederbezüge der Sitze aufgewertet wird und zu guter Letzt eine 1,52 Meter lange und 1,47 Meter breite Ladefläche, die je nach Beruf oder Hobby genutzt werden kann.

Ob Weinkisten für den Winzer, erlegte Wildschweine für den Jäger bis hin zum Surfbrett oder Motorcross-Bike für den Hobbysportler. Der Fullback schleppt was weg. Bis zu 960 Kilogramm können aufgeladen und 3,1 Tonnen an den Haken genommen werden. Nachteil für die Urlaubreise: Wer sich nicht für gut 2000 Euro eine Art horizontaler Jalousie als Abdeckung der Nutzfläche leistet, muss mit nassem Gepäck leben. Dieses Extra wird dann an dem aerodynamisch geformten Kunststoffbügel ohne Bohrungen befestigt.

Black ist keck

Von außen ist der Edel-Fiat zudem noch an der reichlichen Verwendung schwarzer Farbe zu erkennen. Ob die Speichen der Alu-Räder, das Trittbrett, die Umrandungen der Radhäuser oder das Kühlergrill – alles in Lifestyle-Mattschwarz. Hinzu kommt beim Cross noch der serienmäßige Einbau eines 7-Zoll-Touchscreen-Monitors für das Navi, piepsende Spurhaltewarnung, Rückfahrkamera oder DAB-Radio.

Auch im Gelände will der Fiat Fullback Cross überzeugen.
Auch im Gelände will der Fiat Fullback Cross überzeugen.

Das Thema Allradtechnik wird durch einen Drehschalter bedient, der gleich vier Fahrmodi bereithält. Heckantrieb fürs normale Fortkommen und Allrad mit variabler Kraftverteilung auf beide Achsen, wenn´s nass oder eisig wird. Wer ins Gelände abbiegen will, wählt die Sperre des mittleren Differentials oder gar die Getriebeuntersetzung. Um einen Fullback Cross zu befreien, der im Sand oder tiefen Schnee gefangen ist, hilft die Sperre des hinteren Differentials. Mit all dem sollte der Italo-Japaner ein recht treuer Gefährte auch abseits fester Straßen sein.

Hektischer Schaltautomat

Im Normalbetrieb kann die präzise Lenkung des Riesen ebenso überzeugen wie die Bremsen. Die Durchzugskraft des 2,4-Liter-Turbodiesels, der 181 PS und ein maximales Drehmoment von 430 Newtonmetern lässt kaum Wünsche offen, auch wenn die über lediglich fünf Stufen recht hektisch schaltende Wandlerautomatik dazu beiträgt, dass der Geräuschpegel der vier Zylinder immer wieder den Innenraum erobert. Beim Ampelstart und auf der Piste wird der Fullback auch nicht mitfahren.

Der Sprint auf Tempo 100 dauert 11,8 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit gibt der Hersteller mit 179 km/h an. Allerdings ist, wer ein solches Fahrzeug bewegt auch nicht an Rundenzeiten interessiert. Das verhindert zum einen der bereits erwähnte Geräuschpegel, zum anderen ist alles einen Grad härter, als man es von einem Pkw oder SUV gewohnt ist. Das gilt vor allem beim Überqueren von Bodenwellen oder Querfugen. Das ist aber kein Einzelproblem sondern für das Segment eher typisch.

Unterm Strich bereichert das Topmodell Cross durchaus die noch recht kleine Riege der Pick-ups. Wie erfolgreich sich ein Fiat Fullback neben den etablierten Kollegen Ford Ranger, Nissan Navara, Toyota Hilux oder VW Amarok einordnen wird bleibt abzuwarten. Auch ob er sich gegen die zwei Neubewerber um die Pick-up-Krone den Renault Alaskan oder die Mercedes X-Klasse erwehren kann, wird man sehen. In Europa sollen jedenfalls bis Ende des Jahres rund 180.000 Pick-ups aller Marken neu zugelassen werden. Das sind 60 Prozent mehr als vor vier Jahren. Europa entdeckt den Pick-up, ob das nun vernünftig ist oder nicht.

Quelle: n-tv.de

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