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Nichts für Sparfüchse Fünf Reisemobil-Neuheiten 2020

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Reisemobile sind in der Regel nicht wirklich preiswert. Will man aber das ganze Jahr unterwegs sein und die Vorzüge eines Pkw genießen, geht das richtig ins Geld.

(Foto: Hymer)

Wegen seiner großen Vielfalt wird der neue Mercedes Sprinter gerne als Basisfahrzeug von den Reisemobil-Herstellern genutzt. Die schätzen vor allem die Antriebsvarianten, die Assistenzsysteme und die Konnektivitäts-Features. Doch billig ist ein Sprinter-Wohnmobil nie.

Es hat sich schon jetzt ausgezahlt, dass die Nutzfahrzeug-Abteilung von Mercedes bei der Entwicklung der dritten Sprinter-Generation die Erwin-Hymer-Gruppe frühzeitig mit ins Boot geholt hat. Dank der Kooperation wurde der Sternen-Transporter stark auf die Bedürfnisse der Caravaning-Branche zugeschnitten.

In puncto Konnektivität ist der Sprinter mit dem Multimediasystem MBUX (Mercedes-Benz User Experience) und dem neuen Steuermodul MBAC (Mercedes-Benz Advanced Control) allen voraus. Eine ganze Armada von elektronischen Helferlein bis hin zum Seitenwind-Assistent steht zur Disposition. Und vor allem die Wahlmöglichkeit zwischen Vorderrad-, Hinterrad- und Allradantrieb sowie die Option, ausschließlich den Triebkopf zu ordern, lässt den Aufbaufirmen größtmöglichen Spielraum, wie fünf, sehr unterschiedliche Reisemobile zeigen. Nur eins haben sie alle gemeinsam: Billig sind sie nicht.

James Cook

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In der Variante mit Allradantrieb und dem V6-Diesel kratzt der James Cook dann schon knapp an der 100.000-Euro-Marke.

(Foto: Westfalia)

Er gehört zu den Klassikern im Reisemobil-Geschäft. Vor über 40 Jahren (1977) rollte der erste James Cook vom Band. Schon damals auf Mercedes-Basis, und schon damals bei Westfalia. Das ist auch bei der Neuauflage der Fall, die auf dem jüngsten Caravan-Salon Premiere feierte. Aber der Debütant wartet mit einem Novum in der Campervan-Klasse auf: ein ausfahrbarer Erker am Heck.

Zwar werden Slide-outs normalerweise nur in den ganz großen Liner-Fahrzeugen verwendet, Westfalia zeigt hier allerdings, dass sie auch in einem Kastenwagen gut sind. Denn so eigentümlich der James Cook von außen aussehen mag, ein Doppellängsbett mit einer Länge von über zwei Metern wäre ohne den binnen 40 Sekunden ausfahrbaren Auszug auf einer Fahrzeuglänge von sechs Metern nicht realisierbar. Und mit den weißen Möbeln im Innenraum sowie dem großen Heckfenster wirkt die Neuauflage des Kult-Campers keineswegs düster im Wohnraum.

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Der James Cook wartet mit einem ausfahrbaren Erker am Heck auf.

(Foto: Westfalia)

Schon in der 3,5-Tonnen-Basisversion mit Aufstelldach und serienmäßigem Hinterradantrieb ist der James Cook nichts für Schnäppchen-Jäger. Er liegt ab 79.900 Euro gut acht Tausender über dem Durchschnittspreis beim Reisemobilkauf in Deutschland. Und in der Variante mit Allradantrieb und dem V6-Diesel mit 190 PS samt der 7G-Tronic-Plus-Automatik kratzt der dann auf 4,1 Tonnen ausgelegte Westfalia-Klassiker schon knapp an der 100.000-Euro-Marke.

Kabe Van 690 LB

Der schwedische Hersteller Kabe nutzt den Mercedes-Transporter zwar auch für sein Topmodell, den vollintegrierten Imperial 810 LXL im Luxussegment zu annähernd 200.000 Euro, überrascht aber mehr mit dem ersten Campervan-Ausbau der Firmengeschichte – im Sprinter-Kleid. Hier haben die Skandinavier bei einem klassischen Kastenwagen-Grundriss zwar auch ohne Slide-out Längs-Einzelbetten im Heck eingebaut, allerdings misst das Gefährt dafür auch stolze 6,97 Meter in der Länge.

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Der Allrad-Van 690 LB besitzt eine absolut wintertaugliche Isolierung.

(Foto: Kabe)

Dass die Preisliste des Kabe-Vans gar erst bei 94.995 Euro beginnt, liegt zum einen daran, dass in der heckangetriebenen Grundversion bereits der 163 PS stark 2,3-Liter-Vierzylinder-Diesel und etliche andere Annehmlichkeiten wie diverse Assistenten, MBUX sowie Rückfahrkamera an Bord sind, die bei der Konkurrenz extra bezahlt werden müssen. Noch wichtiger ist es den Schweden aber, bei jedem Wetter ein komfortables Campingerlebnis zu ermöglichen. Auch bei Eis, Schnee und Kälte. Deshalb wird der Van, wie alle Kabe-Reisemobile, in einer Kältekammer unter Bedingungen von minus 35 bis plus 55 Grad getestet. Der Allrad-Van 690 LB besitzt deshalb eine absolut wintertaugliche Isolierung, eine Alde Compact Zentralheizung und sogar Fußboden-Heizschlingen im Fahrerhaus, so dass keine Kältebrücken entstehen können.

Frankia I7900 GD Platin

Die Variante mit einem Mercedes-Fahrgestell und Hinterradantrieb hat Reisemobil-Hersteller Frankia für seinen Luxus-Liner I7900 GD Platin gewählt. Der acht Meter lange Integrierte verfügt in dieser Konzeption über einen stufenlosen Innenraum mit durchgängigen 2,03 Stehhöhe. Der Grundriss ist klassisch mit drehbaren Frontsesseln, L-Sitzbank und seitlichem Doppelsitz als geräumige Sitzgruppe vorn, einem durchdachten Küchenblock, Raumbad, Einzelbetten im Heck und einer großen Garage. Ein Hubbett ist optional erhältlich, so dass bei insgesamt vier gurtgesicherten Plätzen nicht nur vier Personen auf Reise gehen dürfen, sondern auch alle vier in dem 5,5-Tonner (Zuladung 630 kg) schlafen können.

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Auch der Reisemobil-Hersteller Frankia setzt bei seinem Luxus-Liner I7900 GD Platin auf den Sprinter.

(Foto: Frankia)

Zur Serienausstattung des Platin-Integrierten, bei dessen Inneneinrichtung dunklere Hölzer im Kontrast mit weißen Möbelflächen stehen, gehören der Sprinter-V6-Motor mit 190 PS sowie die 7G-Tronic oder auch der 270-Liter-XXL-Frischwassertank. Auf den holzfreien Wand- und Bodenaufbau gibt es eine elfjährige Dichtigkeitsgarantie. Allerdings liegt die Latte bei mindestens 130.800 Euro bereits sehr hoch. Dass dabei der Luxus aber noch längst nicht ausgereizt ist, lässt sich am Testwagenpreis von 172.330 Euro leicht erahnen.

Hymermobil B-Klasse Master-Line I780

Die Oberschwaben aus Bad Waldsee ordern für die Master-Line in Stuttgart ebenfalls die Triebkopf-Variante des Sprinters, an deren Realisierung die Hymer-Kooperation in der Entwicklungsphase vermutlich maßgeblich beteiligt war. Damit kann der Mercedes-Transporter nicht nur zum ersten Mal mit Frontantrieb kombiniert werden, sondern auch das von Hymer selbst entwickelte Super-Leichtbau-Chassis (SLC) mit dem Triebkopf verbunden werden.

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Hymers 7,89 Meter lange B-Klasse wiegt nur 4,5 Tonnen.

(Foto: Hymer)

Die 7,89 Meter lange B-Klasse wiegt damit leer fast eineinhalb Tonnen weniger als der Frankia und kann bei nur 4500 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht dennoch über eine Tonne zuladen. Dank eines durchgängigen Doppelbodens besitzt auch das Hymermobil einen völlig ebenen, stufenfreien Innenraum. Die Aufteilung mit den Längsbetten im Heck und der L-Bank-Sitzgruppe vorn huldigt eher dem konventionellen Geschmack – bei freilich edler Polsterung und ausgeklügeltem Beleuchtungssystem.

In der Master-Line kommt die 177 PS starke Ausbaustufe des 2,3-Liter-Diesels zum Einsatz, die Mercedes ausschließlich den Wohnmobilbauern vorbehält und sogar mit der neuen 9G-Tronic kombiniert wird. Aber auch bei dieser B-Klasse ist der Unterschied zwischen dem Grundpreis von 104.990 Euro und dem mit allem Komfort ausgestatteten Testwagen für 147.390 Euro gewaltig.

Bimobil LBX 365

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Auch das Bimobil LBX365 ist absolut wintertauglich.

(Foto: Bimobil)

Das Alkoven-Modell von Bimobil zeigt: In der nach oben offenen Preisskala der Sprinter-Ausbauten sind wir noch lange nicht am Ende. Hier stehen schon in der Basis-Variante 146.859 Euro zu Buche. In unserer Ausbau-Version des nur 6,60 Meter langen, recht kompakt wirkenden Reisemobils stehen unter dem Strich dann respektable 182.686 Euro. Das hat seinen Grund. Denn Bimobil gehört eher zu den kleineren Manufakturen, die rund 100 Fahrzeuge per annum produzieren. Oft Spezialausführungen, die Expeditionsmaßstäben genügen müssen.

So legt denn der LBX 365 auf Basis des Mercedes Sprinter mit dem starken V6-Diesel mit 190 PS und der 7G-Tronic Plus besonderen Wert auf eine hochwertige Isolierung und Wintertauglichkeit. So besteht die Kabine aus hochwertigen Sandwichplatten: Alu-Außenhaut, Hartschaum in der Mitte und nach innen wasserfest verleimtes Sperrholz mit Dekorbeschichtung. Das Ganze 4,5 Zentimeter dick für Wände und Dach.

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Der Innnenraum des LBX 365 ist gemütlich, wie einst Omas Gartenhäuschen.

(Foto: Bimobil)

Die Inneneinrichtung wirkt sehr gemütlich. Der über ausklappbare Stufen erreichbare Alkoven offeriert zwei über ein Mittelteil verbundene Längsbetten, die allerdings auch als Querbett genutzt werden können. Alles ist passgenau und solide. Nur die Treppenstufen direkt vor dem Toilettenraum können zur Stolperfalle werden.

Als erstes Serien-Reisemobil hat das Bimobil LBX 365 nicht nur das Multimediasystem MBUX an Bord, sondern auch das speziell für Reisemobil entwickelte MBAC. Mit diesem Schnittstellenmodul lassen sich Füllstände von Gasflaschen und Tanks überprüfen, Heizung und Kühlschranktemperatur regeln sowie Licht, Soundsysteme, Markisen und Aufstelldächer steuern. Die zentralisierte Bedienung ist vom Cockpit-Display, vom Wohnraum oder auch über eine Smartphone-App von außerhalb möglich. "Smart-Home"-Funktionen, wie sie gewiss nicht nur solchen Expeditionsmodellen vorbehalten bleiben.

Quelle: ntv.de, Michael Lennarzt, sp-x