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Günstiger Spaß mit der BadewanneFord Taunus 17M 1500 ist simpel und erzeugt Dauergrinsen

08.03.2026, 11:41 Uhr Patrick-portraetfotoVon Patrick Broich
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Die großen, markanten Scheinwerfer der "Badewanne" erkennt man sofort wieder. (Foto: Patrick Broich)

Es muss nicht immer der sündhaft teure Prestige-Oldie sein. Simpel ist manchmal mehr, wie der Ford Taunus 17M aus den 1960er-Jahren beweist. ntv.de eröffnet die Klassiker-Saison offiziell mit einer Fahrt in der "Badewanne" mit Basis-Motor.

An einem milden Frühlingstag stiehlt die "Badewanne" dem röhrenden Lamborghini Huracàn auf dem Boulevard die Show - und das für etwa 10.000 Euro. Denn das ist die Größenordnung, mit der man planen muss, falls es ein Ford P3 sein soll für den Wochenendtrip. Und klar, statt Sound im großen Stil produziert die im Volksmund schlicht "Badewanne" genannte Fuhre Emissionen, die man olfaktorisch wahrnimmt, bevor man sie sieht. Genau dieses Unperfekte macht ja den Charme alter Autos aus. Und ganz nebenbei - eine ausgeprägte Akustik hat das vierzylindrige 1,5-Liter-Motörchen mit schmalen 55 PS natürlich auch. Doch darüber wird noch zu sprechen sein.

Auffällig ist in der Tat, dass sich Ford mit der Einführung des P3 im Jahr 1960 vom barocken Schnörkel des Vorgängers verabschiedet hat. In zeitgenössischen Print-Werbeanzeigen ist von der "Linie der Vernunft" zu lesen. Wer heute in die "Badewanne" steigt, erlebt jedenfalls eine Übersichtlichkeit, die er von neuen Autos nicht kennt - und das ist schließlich eine Form von Vernunft. Hier braucht es nämlich keine Parkpiepser, um beulenfrei in der Stadt einzuparken.

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Aus heutiger Sicht wirkt die viertürige Limousine unglaublich kompakt mit ihren 4,45 Metern. (Foto: Patrick Broich)

Mit 4,45 Metern (heute eher Kompaktwagenformat) war dieser Ford aus der Feder von Uwe Bahnsen damals ein stattliches Auto. Dabei ist es doch eher die Breite von nur 1,67 Metern, die den Oldie so winzig wirken lässt im Alltag, vor allem, wenn man ihn in eine enge Parklücke bugsiert.

Wie haben die Konstrukteure es bloß geschafft, bei derart überschaubaren Außenabmessungen auch noch genügend Raum innen zu lassen? Der zeitgenössische "Auto Motor und Sport"-Tester Reinhard Seiffert bescheinigte dem Taunus im ersten Test gar "zu viel Bewegungsfreiheit", weil er befand, dass es keine Möglichkeiten gebe, um sich festzuhalten.

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Wem die großen Lettern des Taunus-Schriftzugs bekannt vorkommen: Dieser Stil ist heute wieder modern und demnach häufiger zu finden. (Foto: Patrick Broich)

Im 60 Jahre alten Ford ist das Autofahren noch echte Arbeit

Stimmt, vor allem entsteht dieser Eindruck, weil die hinten mit blattgefederter Starrachse ausgerüstete Limousine im Vergleich zu modernen Autos ziemlich schaukelig fährt - was aber irgendwie auch komfortabel anmutet und epochentypisch sowieso. Doch zurück zur Spurensuche, warum so viel Raum möglich war. Vermutlich aus dem gleichen Grund, warum die "Badewanne" nicht einmal eine Tonne auf die Waage bringt.

Komfort- und Sicherheitsfeatures? Vor 60 Jahren überhaupt kein Thema. Heute müssen Dinge wie Airbags, Knautschzonen und zahllose Steuergeräte untergebracht werden. Und so kommt es, dass sich sogar die Grundmotorisierung mit 55 PS ganz quirlig anfühlt. Dabei wirkt der Fünfzehnhunderter schneller, als er in Wirklichkeit ist, denn Motor- und Windgeräusche verstärken das fahrdynamische Gefühl. Wie bitte, der braucht mehr als 20 Sekunden für den Spurt auf 100 Sachen? Definitiv, und das merkt man auch im geschäftigen Straßenverkehr.

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Innenräume waren in den 1960er-Jahren denkbar simpel konstruiert. Das riesige Lenkrad ist außerdem typisch für die Zeit. (Foto: Patrick Broich)

Ein Grund mehr, die typische Oldie-Tour eher auf der verkehrsarmen Landstraße stattfinden zu lassen, wo man anderen Fahrbahngenossen weniger in die Quere kommt. Dafür lässt sich der olle P3 recht einfach bedienen, die Lenkkräfte sind auch ohne Servounterstützung gering (klar, der Kölner ist ja nur ein Fliegengewicht und der Kranz ist riesig), und selbst ungeübte Fahrer dürften die vier Gänge mit der Lenkradschaltung einigermaßen gut sortiert bekommen – sogar halbwegs frei von Knirschgeräuschen.

Worauf ist noch zu achten beim Bewegen des zierlichen Wägelchens? Das Bremsen gelingt natürlich lange nicht so bissig wie beim modernen Auto, vorausschauendes Fahren ist also geboten. Außerdem möchte man keine blockierenden Räder, ABS war aus damaliger Sicht Zukunftsmusik.

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So richtig geräumig ist die zweite Reihe des P3 nicht. Aber anschnallen muss man sich dafür nicht. (Foto: Patrick Broich)

Zum Schluss noch der Blick auf die Instrumente - außer Geschwindigkeit, Tankfüllstand, Wassertemperatur und Zeit gibt es nichts abzulesen. Schon komisch, diese analoge Welt, oder?

Das Chromradio wirkt für die Zeit ungewöhnlich harmonisch in den Armaturenträger integriert, Sinn für Ästhetik hatten manche Innenarchitekten natürlich früher auch schon. Und die Drucktasten für Licht wie Scheibenwischer müssen früher geradezu absurd fancy gewirkt haben. Das liegt eben auch an der US-amerikanischen Ford-Mutter, bei der technische Spielereien immer schon mit von der Partie waren.

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Fortschrittliche Drucktasten für Licht und Wischer müssen damals unfassbar modern gewirkt haben. (Foto: Patrick Broich)

Für gelegentliche Ausflüge ist der aus aktueller Perspektive mager ausgestattete Ford jedenfalls erfrischend. Ob man dauerhaft mit ihm fahren möchte, steht auf einem anderen Blatt. Fakt ist, dass solche Brot-und-Butter-Oldies viel Freude für überschaubares Geld bereiten. Wer nicht selbst schrauben kann oder will, braucht allerdings Support von außen, das sollte bei einem einfach aufgebauten Klassiker aber machbar sein, erst recht, wenn er sich beim Kauf in einem guten Zustand befindet. Kann man mal ausprobieren, diverse Clubs helfen außerdem gern weiter.

Quelle: ntv.de

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