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Stark und heiß Honda CB 1000 R - die sportliche Café-Fahrt

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Mit der CB 1000 R ist auch der Kurvenraub kein Problem.

Nach zwei Jahren Pause sortiert sich die neue Honda CB 1000 R jetzt in die Riege der "Neo Sport Café"-Racer ein. Neben zwei kleinen Einsteigern präsentiert sich die Nachfolgerin der legendären Hornet 900 natürlich fahrtechnisch in einer anderen Liga.

Wer sich ein wenig mit der Geschichte der CB 1000 R auskennt, der weiß, dass sie im Jahr 2008 die Neuauflage der legendären Hornet 900 war. Von der Hornisse wurden hierzulande von 2002 bis 2005 lediglich 5000 Stück verkauft, was wohl nicht der einzige Grund war, warum sie erst drei Jahre später als CB 1000 R zurückkehrte. Völlig neu entwickelt und mit 125 PS trumpfte sie seinerzeit auf. Zehn Jahre später reiht sich die neue CB 1000 R in die von Honda erfundene Linie der "Neo Sport Café"-Racer ein. Die Japaner subsumieren darunter nicht nur die CB 1000 R und die CB 1000 R+, sondern auch die Einsteiger CB 125 R und CB 300 R.

Einen kleinen Kaffee bitte

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Klein, aber fein die CB 125 R. Ein wirklich empfehlenswerter Einsteiger.

Wer den Weg in die Honda-Zweiradwelt sucht, dem sei die 125er ans Herz gelegt. Zwar hadert der kleine Feuerstuhl mit dem ersten Gang, der nur auf entsprechenden Nachdruck die Verbindung von Motor und Getriebe herstellt, aber ist er erstmal drin, dann werden die 13,3 PS willig freigegeben und ab 8000 Kurbelwellenumdrehungen zieht ein maximales Drehmoment von 10,4 Newtonmetern an der Kette. Das schreit jetzt nicht nach einem spektakulären Wheelie und auch die 101 km/h in der Spitze sind nicht rekordverdächtig.

Sollen sie aber auch gar nicht sein. Denn wer mit 16 Jahren auf ein Motorrad steigt, soll primär lernen, damit umzugehen. Und dabei hilft das Fahrwerk ebenso wie die unaufgeregte Kraftentfaltung des lediglich 126 Kilogramm schweren Mopeds und das ABS. Die Sitzhöhe von knapp 82 Zentimetern sorgt auch bei kleineren Fahrern für einen sicheren Stand. Aufsteigen kann man auf den kleinen Flitzer ab 4175 Euro. Wem das alles zu murkelig erscheint, der kann sich für knapp 1000 Euro mehr auf die CB 300 R setzen. Optisch ist sie ebenfalls ein minimalistisches Nakedbike mit diesem sehr geschickt angeflanschten Retro-Hauch in Form des Rundscheinwerfers an der Front und den Zierteilen im Aluminium-Look.

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Die CB 300 R ist etwas ruppig, punktet aber mit ihrem Fahrwerk.

Mit 143 Kilogramm Kampfgewicht ist auch die CB 300 R ein Leichtgewicht. Unter ihrem Tank arbeitet wie bei der 125er ein Einzylindermotor, allerdings mit Vierventiltechnik. Der leistet 32 PS und sorgt mit 27,5 Newtonmetern maximalem Drehmoment für ordentlichen Vortrieb. Leider wirkt das kein bisschen geschmeidig. Die Gasannahme erfolgt recht ruppig, was dazu führt, dass der Fahrer von der Kreuzung hoppelt oder recht übermütig davongaloppiert. Sanftes Cruisen ist der 300er irgendwie fremd. Hinzu kommt, dass dem Bike eine Ganganzeige fehlt. Nie ist sich der Fahrer sicher, in welcher Stufe er gerade ist. Es sei denn, er schlägt oben im Sechsten oder unten im Ersten an. Nichts zu meckern gibt es am Fahrwerk der 300. Hier zeigt sie sich durchaus erwachsen und nicht so pubertär wie beim Triebwerk.

Stark und richtig heiß

Aber das sind die beiden Einsteiger in der "Neo Sport"-Klasse, das eigentliche Highlight sind natürlich die CB 1000 R und die CB 1000 R+. Erstmals auf der letzten Eicma in Mailand vorgestellt ist den Japanern mit diesen Motorrädern ein echter Wurf gelungen. Im Design glänzt der von einem 145 PS starken Vierzylinder befeuerte Streetfighter mit einem sportlich kurzen Bürzel und einer mächtigen 190er Hinterhand. Dass der Kennzeichenträger an der Hinterradschwinge montiert ist, dürfte wieder für Diskussionen sorgen, aber wo das Teil an einem Motorrad seinen Platz finden soll, ist wohl ein niemals enden wollender Streitpunkt.

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145 PS lassen die CB 1000 R auf Wunsch druckvoll nach vorne gehen.

Doch zurück zum Triebwerk. Das optisch wie aus einem Block geschnitzte Aggregat basiert auf dem der von 2005 bis 2007 gebauten Fireblade. Aber keine Angst - in der CB 1000 R werkelt kein elf Jahre alter Motor. Das gute Stück vom Typ SC 57 wurde komplett überarbeitet und mit einer gekürzten Übersetzung versehen. Das lässt die große Japanerin zum einen ordentlich anziehen, verschafft ihr aber im Zusammenspiel mit der elektronischen Gasregelung (Throttle-By-Wire) gleichsam das Vermögen, total entspannt und untertourig zu cruisen. Wer also schaltfaul ist, wird hier seine Freude haben. Wer sich den Luxus der CB 1000 R+ für knapp 14.500 Euro leistet, der bekommt neben einigen optischen Aufwertungen mit vielen Aluanbauteilen auch noch einen Schaltautomaten mit Blipper, mit dem die Gänge ganz famos hoch- und runtergewirbelt werden können.

Egal, ob Plus oder nicht, der Fahrer nimmt dank eines recht spitzen Kniewinkels und einer leicht nach vorn gebeugten Haltung auf beiden Bikes eine recht dynamische Position ein. Erstaunlich satt mit einem super Schwerpunkt liegt die fahrfertig 212 Kilogramm wiegende Japanerin dann auch auf der Straße, folgt Kurvenvorgaben willig und macht keine Anstalten, sich unanständig schnell aufzurichten. Wer allerdings den Neigungsbereich bis an die Grenze auslotet, der muss die CB 1000 R schon mit etwas Nachdruck in Schräglage halten.

Spaß in allen Belangen

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Der Sound der CB 1000 R kann begeistern.

Was abseits der Kurven an der neuen 1000er begeistert, ist ihr satter Klang. Je nach Mapping, in dem zwischen Rain, Standard, Sport und einer individuell konfigurierbaren Einstellung gewählt werden kann, reicht der von verhaltenem Grollen bis fettem Donner. Und weil wir gerade bei den Fahrmodi sind, soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Sport-Modus den meisten Spaß bringt. Nicht nur, weil hier der Sound ab 5000 Touren am schönsten ist, sondern weil die CB 1000 R nie ohne energisches Zutun des Fahrers brutal nach vorne schießt. Feinfühlig lässt sich das maximale Drehmoment von 104 Newtonmeter, das ab 8250 Umdrehungen anliegt, an den Hinterlauf weiterreichen. Aber Achtung: in Sport ist die Motorbremse zurückgesetzt und die Traktionskontrolle auf der geringsten Stufe. Spaß für Könner, bei unerfahrenen Fahrern mit Vorsicht zu genießen. Über das User Setting können natürlich persönliche Vorlieben konfiguriert und die Traktionskontrolle und die Motorbremswirkung auf den persönlichen Geschmack abgestimmt werden.

Nichts verkehrt macht, wer die Einstellung auf Standard lässt. In diesem Fahrprogramm sind die mittleren Settings für Leistung, Motorbremse und Traktionskontrolle aktiviert. Im ersten und zweiten Gang werden zudem die Leistungsspitzen gekappt. Das heißt, die Kraft entfaltet sich ein Stück unterhalb des Sport-Levels, mit einem reduzierten Drehmoment. Dennoch erlaubt die Traktionskontrolle bei sportlicher Fahrweise kleine Rutscher des Hinterrades und ein kontrolliertes Abheben des Vorderrades beim Beschleunigen. Wenn es gelüstet, der kann auch mal einen Wheelie machen, muss aber auch nicht. Die Aufmerksamkeit erheischt man mit einer CB 1000 R auch ohne derartige Kunststücke.

In der Spitze wird die CB 1000 R jedenfalls bis zu 230 km/h schnell. Die Geschwindigkeit ist in zweierlei Hinsicht glaubhaft: Zum einen ließ sich das Naked problemlos auf Tempo 180 beschleunigen, zum anderen schienen noch ausreichend Reserven über den elektronischen Gasgriff abrufbar. Schade ist, dass der Lenker ab höheren Geschwindigkeiten solche Vibrationen aufnimmt, das in den Rückspiegeln das rückwärtige Geschehen nur noch zu erahnen ist. Für den Autor war auch das 83 Zentimeter hohe Sitzpolster über die Langdistanz keine Schmeichelei für das Gesäß. Aber hier sind die Empfindungen so unterschiedlich wie die oben erwähnte Meinung zur Befestigung des Kennzeichenhalters. Hier hilft am Ende nur selber aufsitzen. Noch bis zum 22. Juni ist das kein Problem, da sind bei den Honda-Motorrad-Händlern die Probefahrt-Wochen.

Quelle: n-tv.de