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Riiisikooo Im Robo-Smart durch Akihabara

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In Japan probiert sich der Smart Vision EQ in seiner Funktion als Robotaxi.

In Japans Hauptstadt gehen die Uhren anders. Erste recht dann, wenn Daimler die Zeit zehn Jahre vor dreht und den Smart Vision EQ von der Messebühne in den Stadtverkehr von Tokio entlässt. Zumindest für einige Meter.

Riiisikooo..... Erinnern Sie sich noch an den "Großen Preis" mit Wim Thoelke und die drei Kandidaten in ihren riesigen Glaskugeln? Ein bisschen fühlt man sich so, wenn man mitten in der Nacht in Tokio zum ersten Mal in einem Smart Vision EQ Platz nehmen darf, und sich langsam die riesige elektrische Drehtür geschlossen hat.

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Die Front des Robo-Smart als Informationsträger.

Auf einer Messe mag das ja noch angehen. Da wundert sich kein Mensch mehr über futuristische Studien. Selbst dann nicht, wenn jetzt der gute alte Daimler ein Robotaxi auf die Räder stellt, das bald elektrisch und autonom durch die Stadt flitzen soll und dabei funkelt wie eine Mischung aus Waschmaschine, Litfaßsäule und HD-Fernsteher. Auch wenn die nächtlichen Straßen des Tokioter Stadtteils Akihabara mit denen von Hamburg oder Berlin nicht zu vergleichen sind, weil die Uhren hier am Hotspot der japanischen Manga-Kultur und Spiele-Industrie ein bisschen vorausgehen, fühlt es sich in der echten Welt noch einmal ganz anders an, wenn man in einem Auto ohne Lenkrad und Pedale sitzt. Kein Wunder, dass man als Insasse fast so nervös ist wie Thoelkes Große Preis-Kandidaten, wenn sich vor der letzten Runde die Kugeln schließen und es ganz dunkel wird im Studio.

Hier hingegen ist es taghell, obwohl draußen tiefe Nacht ist. Millionen Neonröhren die verwandeln die Dunkelheit in eine bunte Disco-Welt. Und drinnen, weil der Smart blütenweiß ausgeschlagen ist, blaues Ambientelicht aus den Konsolen schimmert und dort, wo früher mal das Cockpit war, ein fetziges Musikvideo über den riesigen Monitor flimmert. Und falls sich auf die weißen Oberflächen doch mal ein Fleck verirrt, ist auch das kein Problem – wofür steckt schließlich am Rand der Sitzbank gleich ein Desinfektionsspray.

Wie in der Geisterbahn

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Selbst in Japan fällt der Robo-Smart noch auf.

Aber für solche Details hat man bei der Jungfernfahrt in der Stuttgarter Zeitmaschine erst einmal keinen Blick. Denn kaum ist die Tür zu und der Beckengurt eingeschnappt, beginnt sich der Smart ohne eigenes Zutun zu bewegen. Als Insasse fühlt man sich so hilflos wie in einer Geisterbahn – nur dass es hier in Akihabara natürlich keine Gespenster gibt. Und der Plastikteddy, den die Designer offenbar zur Beruhigung in den Fußraum gelegt haben, ist jetzt auch nicht gerade zum Fürchten. Im Gegenteil ist man versucht, ihn aus der magnetischen Halteschlaufe zu nehmen und ein bisschen zu knuddeln, schließlich hat man ja die Hände frei.

Dafür gibt es - genau wie auf der Geisterbahn - jemanden, der das ganze steuert. Später, die Entwickler hoffen, in weniger als zehn Jahren, soll sich der Smart tatsächlich autonom durch den Stadtverkehr bewegen, seinen Weg zwischen den anderen Autos, zwischen Bordsteinen und Busspuren, Mautstationen und den induktiven Ladeplatten für die Lithium-Ionen-Zellen mit Radarscannern, Laseraugen und Car-to-Car-Kommunikation alleine suchen. Doch weil die Sensoren dafür gerade erst erprobt werden und noch so groß sind, dass sie eine ganze V-Klasse füllen, ist die Jungfernfahrt durch Akihabara nur eine Simulation wie bei den vielen Computer-Spielen, denen die Menschen hier in den vielen Pajinko-Hallen bis in die Morgenstunden verfallen.

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Das Manga-Girl mit dem Smart ED oder umgekehrt?

Na immerhin ist der Elektroantrieb echt – aber der kommt mit seinen 60 kWh-Akkus für 155 Kilometer Reichweite und den 60 kW oder 82 PS an der Hinterachse für 130 km/h Spitze ja auch 1:1 aus dem Smart ED, den man schon heute kaufen kann. Und zwar in der zweiten Generation. So unterwegs will man gar nicht wissen wer den Smart der Zukunft hier bewegt. Denn erstens wissen wir spätestens seit "Lost in Tanslation", dass die Grenzen zwischen dem Hier und dem Heute in einer Nacht in Akihabara schon mal verschwimmen können. Und zweitens kann man durchaus Gefallen an der Zeitreise in der kleinen Knutschkugel empfinden.

Dating-App oder Mitfahrzentrale?

Während die Fahrer der anderen Autos in den nächtlichen Straßen nervös nach dem Verkehr schauen und sich Millimeter für Millimeter durch die Nacht kämpfen, kann der Knutschkugel-Insasse während der Fahrt die Augen schließen, im Internet surfen oder auf dem Gehweg nach Scarlett Johannson suchen wie einst Bill Murray. Und statt mich mit Händen und Füßen mit einem japanischen Taxifahrer zu verständigen, gebe ich meine Route einfach über das Smartphone ein, lasse mich vom Car2Go der Zukunft am Bordstein aufsammeln und am Ziel wieder absetzen, bevor die App gleich auch noch automatisch die Zahlung abwickelt.

Und weil der Smart Vision EQ im Geist der neuen Mercedes-Politik Case geboren ist, fährt die Zeitkapsel nicht nur Connected, Autonom und Elektrisch, sondern sie ist auch shared. Und zwar viel geteilter, als wir das heute von Car2Go kennen. Denn in der Vision der Daimler-Vordenker nutzt der Großstädter von morgen den Robosmart nicht nach- sondern miteinander. Deshalb bleibt auch hier niemand lange alleine. Schon nach ein paar Minuten ploppt auf dem Bildschirm das Foto von Yui auf, die im Manga-Kostüm durch die Nacht turnt und gerne ein Stück des Weges mit fahren möchte.

Woher der Fahrgast das alles weiß, auch wenn er kein Wort japanisch spricht? Weil das Auto über mögliche Mitfahrer informiert. Auch damit man sich überlegen kann, ob man wirklich die Fahrt mit einem Mädchen wie Yui teilen will. Ob man dafür allerdings gleich auch die Hobbies und die persönlichen Vorlieben kennen muss ist fraglich. Schließlich handelt es sich hier um eine hochmoderne Mitfahrzentrale und nicht um eine Dating-App. Wobei: Wer weiß, was der Abend noch bringt? Es muss sich ja keiner um den Verkehr kümmern. Warum hat man bei diesem Gedanken plötzlich wieder Wim Thoelke und den großen Preis im Ohr? "Riiisikooo"!

Quelle: n-tv.de, hpr/sp-x

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