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Mercedes-Maybach GLS 600 Im Smoking zur Schlammschlacht

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Der Mercedes-Maybach GLS kommt im Frühjahr 2021 in den Handel und kostet mindestens 156.000 Euro.

(Foto: Mercedes)

SUV gibt es wie Sand am Meer. Doch wenn es um Luxus und Finesse geht, führt an Bentley Bentayga und Rolls-Royce Cullinan bislang kein Weg vorbei. Mercedes schickt jetzt gegen die feine englische Art den GLS als noblen Maybach ins Rennen.

Der GLS putzt sich heraus und startet künftig im Smoking zur Schlammschlacht. Denn als zweites Modell neben der S-Klasse bringt Mercedes sein SUV-Flaggschiff jetzt auch als Maybach an den Start. Als deutsche Antwort auf Rolls-Royce Cullinan und Bentley Bentayga kommt er im Frühjahr in den Handel und startet bei schlichten 156.078 Euro.

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Der Mercedes-Maybach GLS ist ganz klar ein Prestigeobjekt.

(Foto: Mercedes)

Dafür gibt es zwar anders als bei der S-Klasse und erst recht bei der entsprechenden Studie Vision Ultimate Luxury keine eigenständige Karosserie. Doch an Präsenz hat es dem Dickschiff mit seinen 5,21 Metern schon bislang nicht gemangelt. Und fürs Prestige haben die Designer den GLS mit so viel Lametta behängt, dass man selbst an grauen Tagen unwillkürlich zur Sonnenbrille greifen mag: Die Felgen groß und schillernd wie die Spiegel in einer Hollywood-Garderobe, der Grill so fein gefächert, als trüge er Nadelstreifen, und während an den Flanken stolz das Maybach-Logo prangt, trägt der GLS als einziger Mercedes-SUV wie sonst nur die Limousinen frei stehend einen Stern auf der Haube. Dazu noch die für Maybach reservierte Zweifarb-Lackierung, schon sind auf der Buckelpiste alle Blicke gefangen.

Der Innenraum macht den Unterschied

Wo außen nur der Zierrat den Unterschied macht, hat Mercedes innen deutlich mehr umgebaut. Natürlich strotzt auch die im Vergleich zu den Briten betont moderne und mit ihren großen Bildschirmen beinahe futuristische Kabine nur so vor Lack und Leder, die Hölzer blamieren jeden Kunsttischler, und wahrscheinlich könnte man den Faden des Sattlers einmal um die Welt wickeln, so aufwändig und dekorativ sind die Leder vernäht. Doch was den Maybach wirklich ausmacht, sind die beiden Lounge-Liegen im Fond.

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Statt der üblichen drei Sitzplätze gibt es in der Nobelkarosse in der zweiten Reihe nur zwei. Aber die haben es in sich.

(Foto: Mercedes)

Wo es sonst bis zu fünf Plätze gibt, können sich hier zwei Mitfahrer fürstlich in den beheizten und massierenden Polstern lümmeln, die Beine auf elektrisch ausfahrende Wadenkissen legen und für noch mehr Bewegungsfreiheit den Beifahrersitz mit einem Knopfdruck förmlich ins Handschuhfach falten. Dazu gibt's für die Produktivität elegante Klapptische und WLAN, für die Unterhaltung ein TV-System, gegen den Durst einen Kühlschrank samt Champagner-Kelchen und für maximale Ruhe statt einer einfachen Hutablage eine feste Trennwand zum Kofferraum. Damit fährt man im Fond des Maybach GLS genauso kommod wie in der Maybach S-Klasse - nur dass man dabei auch noch buchstäblich über den Dingen schwebt.

V8 mit mehr Wumms

Auch unter der Haube darf der Maybach ein bisschen Eigensinn beweisen. Zwar bleibt ihm anders als seinen britischen Wunschgegnern der prestigeträchtige Zwölfzylinder verwehrt, selbst wenn das Typenkürzel GLS 600 diese Hoffnung weckt. Doch immerhin bekommt er einen V8, der stärker ist als bei den normalen Modellen und fast an die AMG-Version heranreicht: 558 PS und 730 Newtonmeter weist das Datenblatt für den 4,0-Liter aus, und der elektrische Booster des Mildhybrid-Systems wirft vor allem beim Anfahren noch einmal 22 PS und 250 Nm in die Waagschale.

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Eigentlich ist der Platz des Fahrers begehrt, aber nicht in einem Mercedes-Maybach GLS.

(Foto: Mercedes)

Das Ergebnis ist ein Fahrgefühl, das der Mühelosigkeit eines Zwölfzylinders in nichts nachsteht. Denn von den 2,8 Tonnen ungerührt und hinter der dicken Schottwand eher zu ahnen als tatsächlich zu hören, wuchtet er den Wagen mit einer solchen Gelassenheit voran, dass man fast vom Glauben an die Physik abfallen möchte: Von 0 auf 100 in 4,9 Sekunden und danach mühelos auf 250 Sachen - das macht den GLS zum Souverän auf der linken Spur. Und was ihm an Power fehlen sollte, macht er allein durch Präsenz wieder wett: Wenn dieser Luxusdampfer im Rückspiegel auftaucht, machen Cayenne & Co freiwillig den Weg frei.

Lieber in der zweiten Reihe chillen

In jedem anderen Auto wäre dieser Motor Grund genug, sich um den Platz hinter dem Lenkrad zu streiten. Doch so laut der Lockruf der Leistung auch sein mag und so souverän sich der Fahrer beim Kickdown fühlt, gehört man in einem Maybach nach hinten rechts. Das wissen auch die Fahrwerks-Ingenieure und haben deshalb eigens ein Maybach-Profil für die elektrisch angeregte Federung programmiert: Wo der GLS sonst durch die Kurven carvt wie ein Skifahrer bei Neuschnee am Sonnenhang und dem Fahrer ein breites Lächeln ins Gesicht zaubert, kompensieren die 48 Volt-Steller nun im vorauseilenden Gehorsam nicht nur jede Seitenneigung, sondern tilgen auch alle Schwingungen, die von der Fahrbahn in die Fauteuils im Fond eingetragen werden können - selbst wenn der Fahrer dafür im schlimmsten Fall ein paar Stöße abbekommen sollte. Erhabener als in jeder S-Klasse, in Watte gepackt und auf Wolken gebettet - kein Wunder, dass man sich hier fühlt wie im siebten SUV-Himmel.

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Das sind die Plätze, die sich bei einer Fahrt mit dem Mercedes-Maybach wirklich lohnen.

(Foto: Mercedes)

Den Aufstieg zum Gipfel der Geländewagenwelt macht Mercedes den Maybach-Kunden dabei überraschend leicht. Nicht nur in der Anschaffung, weil der SUV im Smoking zwar stolze 50.000 Euro teurer ist als der GLS 580 und man mit ein paar Kreuzen locker über 200.000 Euro kommt, er aber trotzdem weit unter Bentley oder Rolls-Royce bleibt. Sondern auch im Alltag. Denn wo sich der Landadel bei den Briten aus eigener Kraft in den Wagen hieven muss, klappt ihm im Maybach binnen weniger Sekunden beim Öffnen der Türen automatisch eine massive Zeitleiste entgegen, die den entscheidenden Moment mit einer LED-Illumination gleich auch noch richtig in Szene setzt: Stairway To Heaven - leichter war es noch in keinem SUV, ganz nach oben zu kommen.

Quelle: ntv.de, Benjamin Bessinger, sp-x