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Nur im Abo erhältlich Lynk 01 - Volvo XC40 aus Fernost

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Lynk & Co 01 basiert auf dem Volvo XC40. Allerdings fährt er in der vorerst angebotenen Version als Plug-in-Hybrid.

(Foto: Lynk)

Der Name Lynk & Co taucht inzwischen häufiger auf. Die Tochter des großen chinesischen Autokonzerns Geely bringt jetzt ein kompaktes SUV nach Europa. Da Volvo ebenfalls Mitglied der Geely-Familie ist, liefert dessen Modell XC40 die technische Basis. Verkaufen wollen die Chinesen ihr Auto aber nicht.

"Nach über 100 Jahren ist es Zeit für eine völlig neue Form des Autohandels. Auch die Deutschen sind jetzt reif dafür", sagt Alain Visser, Chef der jungen chinesischen Firma Lynk & Co. Er meint damit die Idee, ein Auto nicht mehr durch Kauf zu besitzen, sondern es zu abonnieren. "So wie das Spotify mit Musik oder Netflix bei Firmen und Serien machen". Im Klartext: Die Kunden zahlen 500 Euro im Monat für einen modernen, voll ausgestatteten City-SUV mit Plug-in-Hybrid-Technik und fahren damit so lange und wohin sie wollen. Nur das Benzin beziehungsweise der Strom muss noch bezahlt werden, Versicherung, Steuern und Wartung sind inbegriffen. Der komplett ausgestattete, schlicht "01" genannte Asiate kostet in der PHEV-Version 42.000 Euro. Aber ein Abo-Kunde ist Lynk & Co lieber als ein Barzahler.

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Wer den Lynk 01 im Abo hat, kann ihn auch weitervermieten.

(Foto: Lynk)

Der Abo-Kunde wird automatisch Mitglied in einem Club. Dann kann er ganz legal seinen Fünftürer auch an andere Mitglieder weitervermieten. Tageweise oder auch länger. Mit dem dabei verdienten Geld, üblicherweise so rund 60 Euro pro Tag, reduzieren sich die eigenen Kosten. Motto: Je mehr der Lynk 01 im Clubbetrieb unterwegs ist, desto billiger wird er für den eigentlichen Auto-Abonnenten. Visser, früher schon bei Opel und Volvo, will die etwa zehn Prozent der Autokäufer anlocken, für die ein Auto kein teures Statussymbol mehr ist, sondern ein Teil der Zukunfts-Mobilität.

Der macht was her

Dabei macht der chinesische Teilzeitstromer richtig was her. Benzinmotor und Batterietechnik sind vom Stammvater Volvo XC 40 bekannt. Das Blechkleid des Schweden wurde von Lynk überarbeitet, aufgehübscht, einen Hauch sportlicher und um 12 Zentimeter gestreckt. Wuchtige, hochkant entlang den Seiten der Motorhaube angebrachte Scheinwerfer-Tagleuchten mit LED-Technik, darunter ein Grill, an dessen Enden die Scheinwerfer in ihren Höhlen auf die Nacht warten. Die Heckscheibe ist steiler als beim Volvo, übernimmt auch nicht dessen geschwungene Rücklichter. Der Lynk betont das Quere. Verwechslungsgefahr der ziemlich ungleichen Brüder besteht also keineswegs.

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Im Innenraum des Lynk 01 wird die Nähe zum Volvo XC40 am deutlichsten.

Weniger Unterschiede gibt es im Innenraum. Die Gestaltung der Mittelkonsole samt Automatik-Hebel ist sehr ähnlich, bei beiden zieht ein zentraler Touchscreen-Monitor die Blicke auf sich. Auch die Bedienelemente am Lenkrad sind nahezu identisch. Beim Volvo ist der Volant aber rund, beim "01" oben und unten abgeflacht. Hochwertig anmutende Materialien bieten beide SUV.

Stunde der Wahrheit beim Druck auf den Startknopf, doch zunächst herrscht die für einen Plug-in-Hybrid übliche Stille. Die 18-kWh-Batterie ist randvoll aufgeladen, der Elektromotor lauert auf den leichten Tritt aufs rechte Pedal. Der Chinese startet stets als Saubermann. An einem kleinen Schalter ist der Fahrmodus "Hybrid" eingestellt. Er organisiert das Wechselspiel der beiden Herzen je nach Heftigkeit der Fußbewegung des Fahrers. So beginnt die Arbeit des Dreizylinders sofort, wenn es flotter vorangehen soll. Dem von Volvo gelieferten Benziner hört man seine 180 PS nicht an, komfortablem Gleiten steht zumindest akustisch nichts im Weg.

E-Motor für die Leistungsexplosion

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Bis zu 210 km/h kann der Lynk 01 schnell werden.

(Foto: Lynk)

Das ändert sich am Ortsausgangsschild, der "Power"-Modus wird aktiviert, elektrische Gegenwart und verbrennende Fast-Vergangenheit verbünden sich und gehen gemeinsam ans Werk. Ein dezenter Geräusche-Imitator schönt die stets leicht blecherne Akustik eines Dreizylinders. Wie bei allem Steckdosen-Stromern steht diese Art der Fortbewegung dem eigentlichen Sinn der Plug-in-Technik entgegen. Der E-Motor dient nur zur Leistungsexplosion der gekoppelten Motoren, zapft aber dennoch etwas Power zum Nachladen der Batterie ab. Der irreale Normverbrauch von nur 1,2 Litern auf 100 Kilometer hat sich erledigt. Die mögliche Spitze von 210 km/h würde im Heimatland für eine lange Denkpause hinter Gittern reichen, ist aber für waghalsige Abonnenten hierzulande erreichbar.

Der Einfluss eines "01"-Nutzers ist beschränkt. Neben den erwähnten Modi bietet der Lynk nur noch die Wahl von "Pure". Das steht für rein elektrischen Betrieb, der für künftige abgasfreie Zonen unserer Städte gedacht ist. Wer das Bodenblech unterm Pedal als Stütze nutzt, wird aber nicht weit kommen. Die elektrische Reichweite von theoretisch fast 70 Kilometern ist schließlich bei alltagsferner Behutsamkeit gemessen, hat also mit dem richtigen Leben nicht mehr zu tun. Beim Lynk muss man, wie inzwischen bei vielen Plug-in-Hybriden, die Einstellungen "Charge" (Laden) und "Save" (Batteriestand beibehalten) lange suchen bis man sie in den Einstellungen findet. Mit ihnen ist es deutlich leichter, seine elektrische Tour so zu planen, dass man am Ziel noch genügend Strom hat, um emissionsfrei bis vor Omas Haustür zu fahren.

Dank Volvo ohne Tadel

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Bei den Fahreigenschaften profitiert der Lynk 01 von dem, was ihm der Volvo XC40 mitgegeben hat.

(Foto: Lynk)

Im Fahrbetrieb hat der Chinese zu den Europäern aufgeschlossen. Das Fahrwerk ist auch dank Volvos Genspende ohne Tadel. Das Gleiche gilt für Bremsen, Lenkung und all das andere, was für Komfort, Kurven und Federung wichtig ist. Hinzu kommt das komplette Paket an angesagten Assistenzsystemen. Eine Aufpreisliste gibt es nicht, der Teilzeit-Stromernde hat nur die Wahl der Außenlackierung: Schwarz oder Blau.

Ein weiteres Extra hat der Lynk & Co ganz exklusiv. Serienmäßig sind zwei Kameras. Eine Dashcam guckt nach vorn und kann bei einem Unfall von Vorteil sein, wenn es um die Schuldfrage geht. Die andere ist im Bereich des Innenspiegels montiert und hat den Innenraum im Blick. Zum Beispiel die Kinder, die auf den Rücksitzen geschmolzene Schokolade auf dem Bezug verteilen oder auch das Hochgefühl der beiden Frontpassagiere auf der Vergnügungsfahrt am Wochenende. Dank permanenter Online-Verbindung können die Schnappschüsse in Echtzeit über die sozialen Netzwerke publik gemacht werden. So ist sie nun mal, die schöne neue digitale Welt.

Quelle: ntv.de, Peter Maahn, sp-x

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