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Wenn der Weg das Wohnzimmer istMercedes Benz V-Klasse Marco Polo Horizon - das Einstiegs-Wohnmobil

01.01.2026, 09:34 Uhr
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Die Version Horizon markiert den Einstieg in die kleine Wohnmobilwelt von Mercedes. (Foto: Mercedes-Benz)

Viele Wohnmobile gleichen rollenden Tiny Houses und verwöhnen mit Komfort wie zu Hause. Doch ist all der Luxus wirklich nötig? Ein Test mit der einfachen Marco-Polo-Variante Horizon zeigt, dass Verzicht auch Vorteile haben kann. Günstig ist sie aber nicht.

Für viele Caravan-Fans gelten Campingbusse wie der auf der Mercedes V-Klasse basierende Marco Polo als eine Art Einstiegsdroge. Trotz vergleichsweise kompakter Abmessungen sind Küche, Essbereich und Schlafplätze meist an Bord. Der gebotene Komfort fällt damit erstaunlich hoch aus, ohne dass gleich ein acht Meter langes Reisemobil nötig wäre. Rund fünf Meter misst der Camping-Klassiker Marco Polo auf Basis der V-Klasse. Mercedes bietet ihn inzwischen auch in der abgespeckten Variante Horizon an.

Mit einem Einstiegspreis von rund 67.000 Euro liegt diese Version gut 12.000 Euro unter dem klassischen Marco Polo. Nach einem Campingwochenende wurde deutlich: Weniger bleibt zwar weniger, doch der Verzicht fällt bei Mercedes dennoch erstaunlich gediegen aus.

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Den Horizon gibt es mit dem langen Radstand und 5,14 Meter langer Karosserie, die reichlich Platz für Gepäck und Passagiere bietet. (Foto: Mercedes-Benz)

Die Fahrzeugübergabe war schnell erledigt, denn besonders viel zu erklären gibt es beim Horizon nicht. Unser Testwagen als Fünfsitzer verfügt über eine Rückbank, die sich verschieben oder durch Umklappen in eine Liegefläche verwandeln lässt.

Ausklappbares Zeltelement mit Bett

Im Westfalia-Aufstelldach verbirgt sich ein ausklappbares Zeltelement mit Bett, das sich mit wenigen Handgriffen bezugsfertig herrichten lässt. Wer unterwegs müde wird, kann so innerhalb von weniger als fünf Minuten ein kuscheliges Nachtlager beziehen und sich einer Portion Schlaf hingeben.

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Werden zwei Hebel und zwei Laschen geöffnet, lässt sich das Dach einfach mit ein wenig Händedruck von unten ausstellen. (Foto: Mercedes-Benz)

Auch für einen Campingtrip mit kleiner Familie eignet sich der Horizon. Etwas anspruchsvoller wird es allerdings, wenn auch die Rückbank zur Liegefläche umgebaut werden muss. Die Fläche fällt etwas hart und leicht uneben aus, was ein mitgelieferter Topper ausgleichen soll.

Wir waren zu dritt für ein Wochenende auf einem Campingplatz im niederländischen Zandvoort unterwegs. Auf dem sandigen Dünenplatz angekommen, reichten gut 15 Minuten aus, um beide Betten vorzubereiten und den Wagen an den Stromanschluss anzuschließen. Wir Erwachsenen entschieden uns für den 1,93 x 1,35 Meter großen Schlafplatz unten. Über den Topper legten wir zusätzlich eine 1,40 Meter breite Luftmatratze. Dank des mitgebrachten Kompressors war diese schnell aufgepumpt und egalisierte so die verbliebenen Härten.

Das-Cockpit-bietet-ein-feines-Ambiente-und-Pkw-artigen-Bedienkomfort
Das Cockpit bietet ein feines Ambiente und Pkw-artigen Bedienkomfort. (Foto: Mercedes-Benz)

Unsere zusätzliche Matratze baut allerdings recht hoch auf und schränkt die Bewegungsfreiheit nach oben etwas ein. Insgesamt stimmte der Schlafkomfort dennoch. Der Filius im Dachbett hatte sogar reichlich Platz und genoss dort ein angenehmes Zeltambiente auf einer durchaus bequemen Matratze, die von einem Tellerlattenrost getragen wird.

Reichlich Stauraum

Für drei Personen und eine typische Weekender-Ausrüstung bietet die V-Klasse reichlich Stauraum. Im Heck fanden Schlafsäcke und Kissen ebenso Platz wie prall gefüllte Reisetaschen und gleich drei Falträder. Neben zwei kompakten Brompton-Modellen war auch ein elektrisches und vergleichsweise raumgreifendes Tern Vektron mit an Bord. Zusätzlich hatten wir Campingstühle und einen Tisch eingepackt, die angesichts der stürmischen Wetterlage allerdings im Fahrzeug blieben.

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Dank der drehbaren Vordersitze lässt sich der Innenraum auch in eine Vis-a-vis-Sitzgruppe verwandeln. (Foto: Mercedes-Benz)

Das Wetter präsentierte sich herbstlich. Teilweise kräftige Böen konnten dem aufgestellten Dachzelt nichts anhaben. Dank Stromanschluss und Standheizung blieb es nachts angenehm warm. Ein leicht geöffnetes Seitenfenster verhinderte zuverlässig beschlagene Scheiben im Innenraum. Sicherlich lassen sich Nächte komfortabler verbringen, doch unterm Strich bot der Horizon für drei Personen ein ordentliches Maß an Platz und Behaglichkeit.

Einfache Ausstattung

Die bewusst einfache Ausstattung des Horizon wirkt insgesamt konsequent, denn als vollwertiger Wohnzimmerersatz ist dieser Camper nicht gedacht. Es gibt keine Küche, kein WC, keine Nasszelle und auch keinen ausgeklügelten Stauraum in Schränken. Lediglich unter der Sitzbank gibt es drei Schubladen. Im Vordergrund steht schlichtes Camping.

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Aus der herausnehmbaren und verschiebbaren Konsole kann man einen kleinen Tisch hervorholen. (Foto: Mercedes-Benz)

Auch angesichts der Witterung haben wir deshalb unsere Mahlzeiten überwiegend in Restaurants eingenommen. Statt Zeit in den Aufbau umfangreicher Ausrüstung zu investieren, blieb Raum, um die Umgebung zu erkunden. Gerade für Wochenendtrips erweist sich dieses reduzierte Konzept als durchaus sinnvoll.

Größte Stärke: Komfort und Fahrkomfort

Wenn der Weg das Ziel ist, spielt der Horizon ohnehin seine größte Stärke aus. Einen vergleichbaren Komfort und Fahrkomfort bietet in diesem Segment kein anderer Mitbewerber. Unser Testwagen war allerdings auch üppig motorisiert und ausgestattet. Unter der Haube arbeitete der 300 d, kombiniert mit Allradantrieb und Luftfederung. Letztere macht aus dem Van einen sanften Gleiter mit dem Abrollkomfort einer Limousine.

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Alternativ kann die Rückbank zusammen mit einem im Kofferraum eingelegten Fußteil und einem Topper in ein Bett verwandelt werden. (Foto: Mercedes-Benz)

Beim Abstellen macht sich die feine Fahrwerkstechnik mit einem leisen Zischen und dem Absenken der Karosserie bemerkbar. Insgesamt fühlt sich die V-Klasse eher wie ein ausgewogener und kultivierter Pkw an als wie ein Nutzfahrzeug. Dazu tragen die souveräne Allradtraktion, die schnell und weich schaltende 9-Gang-Automatik sowie der kräftige Durchzug des 174 kW/237 PS und 500 Newtonmeter starken und kultiviert klingenden Zweiliter-Diesels bei. Der Spurt auf 100 km/h gelingt in 8,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 214 km/h. Das kann sich sehen lassen.

Kehrseite: der Verbrauch

Die Kehrseite zeigt sich beim Verbrauch. Auf schnellen Etappen kletterten die Werte auch wegen des Allradantriebs in den zweistelligen Bereich. In den Niederlanden pendelte sich dank strenger Tempolimits der Konsum hingegen bei rund 6,5 Litern ein. Im Schnitt standen am Ende 8,0 Liter auf dem Bordcomputer, was sogar etwas unter dem Normwert ist.

Sehr-wohnlich-und-bequem-ist-das-kleinere-Bett-im-Dach
Sehr wohnlich und bequem ist das kleinere Bett im Dach. (Foto: Mercedes-Benz)

Ein einfaches Basismodell als günstige Alternative war unser Testfahrzeug allerdings nicht. Als 300 d mit Allradantrieb und der 5,14 Meter langen Karosserie liegt der Horizon bereits knapp jenseits der 81.000-Euro-Marke. Mit Airmatic, AMG Line, Premium-Paketen, elektrischen Türen, Winterpaket und diversen Extras summierte sich der Preis auf rund 97.000 Euro. Von einem Schnäppchen kann damit trotz reduzierter Campingausstattung also keine Rede sein. Für dieses Geld ließen sich alternativ auch sehr viele Hotelübernachtungen bezahlen.

Quelle: ntv.de, Mario Hommen, sp-x

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