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Kleiner Brite unter Strom Mini Cooper SE - elektrisches Go-Kart-Gefühl

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Der Mini Cooper SE fährt als Stromer auf jeden Fall so gut wie ein Cooper S.

(Foto: Günther Schmied)

Mini setzt Fahrer seit Jahrzehnten mit dem viel beschworenen Go-Kart-Feeling unter Strom. Im Jahr 2020 geht es aber für den Mini Cooper SE tatsächlich an die Dose. Aber kann der Brite mit E-Antrieb wirklich elektrisieren?

Mit dem Mini SE haben die Bayern jetzt auch die britische Kultmarke unter Strom gesetzt. Und damit die Sache auch standesgemäß vonstatten geht, leistet das Elektrotriebwerk stattliche 184 PS. Damit lässt der SE lediglich acht Pferde weniger laufen als der Cooper S mit turboaufgeladenem Vierzylinder. Zwar beschleunigt der die Fuhre in 6,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, wofür der Stromer 7,3 Sekunden braucht.

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Mit 184 PS ist der Mini Cooper SE nicht nur in der Stadt flott unterwegs.

(Foto: Günther Schmied)

Dafür schafft es der Benziner aber nicht, beim Start dem Insassen so richtig den Magen umzudrehen. Ja, das kann der SE, weil er bis Tempo 60 in 3,9 Sekunden so hart anreißt wie ein Rennwagen. In dieser Zeit ist der E-Mini dann auch schon 60 Meter nach vorne geschossen. Allerdings ohne die Verzögerung eines Schaltgetriebes.

Wie die Elektroautos vor 120 Jahren

Jetzt werden die Ersten wieder die Nase rümpfen und sich darüber mokieren, dass hier ein Fahrbericht über ein Elektroauto mit Beschleunigungswerten eröffnet wird. Aber gehen wir noch mal 121 Jahre zurück. Es war der Belgier Camille Jenatzy, der im Jahr 1899 mit seinem von zwei Elektromotoren angetriebenen Rennwagen eine Spitzengeschwindigkeit von 105,88 km/h fuhr und damit das Rennen im französischen Achères gewann. Kein Auto mit Verbrenner war bis dahin so schnell gefahren. Ergo: Schon damals faszinierte die Menschen die schiere Geschwindigkeit. Auch bei einem E-Auto. Wohin die Reise dann ging ist bekannt.

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Die Zeit an der Ladesäule hat Mini für seinen Stromer deutlich verringert.

(Foto: Günther Schmied)

Jetzt soll sich das Ganze umkehren, insofern setzen wir den Vergleich zwischen Cooper S 3-Türer mit Verbrenner und Automatikgetriebe und dem Cooper SE einfach fort. Erstgenannter wartet nämlich am Ende mit einem Top Speed von 235 km/h auf, der SE ist bei Tempo 150 abgeregelt. Der Grund ist klar! Der Akku hat zwar mit 32 kWh nach korrelierten NEFZ-Werten eine Reichweite von bis zu 270 Kilometern, setzt der Fahrer ihn aber permanent unter Druck, wird es deutlich weniger. Ergo: Höchstgeschwindigkeit runter. Das ist aber bekanntermaßen kein Cooper SE-Phänomen sondern eines aller Elektroautos. Hier gilt eben: Wer langsamer ist, kommt auch an weiter entfernte Ziele.

Ladezeiten deutlich reduziert

Stimmt ja auch. Dabei wurden die Ladezeiten schon deutlich reduziert. Wer zum Beispiel einen Schnelllader mit Gleichstrom und 50 kW findet, der hat die 32 kWh starke Batterie in 35 Minuten von 0 auf 80 Prozent geladen. An einer AC-Ladestation mit 11 kW sind es dann bereits zweieinhalb Stunden und wer mit 7 kW lädt, braucht mindestens sechs Stunden.

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Die Fahrt mit dem Mini Cooper SE macht dank eine tiefen Schwerpunkts und einer direkten Lenkung einfach nur Spaß.

(Foto: Günther Schmied)

Nun ist man bei einer Fahrpräsentation in den seltensten Fällen gezwungen, seine Zeit mit Laden zu verplempern, sondern kann sich ganz auf das Fahren konzentrieren. Und das macht mit dem Mini Cooper SE einfach nur Spaß. Das liegt zum einen an dem schon beschriebenen Antritt und geht weiter mit dem, ja, an dieser Stelle soll es wieder einmal bemüht werden, "Go-Kart-Feeling". Dafür sorgt nicht zuletzt, und vielleicht sogar noch etwas mehr als beim Cooper S, der 30 Millimeter tiefe Fahrzeugschwerpunkt, den der SE dem Akku im Unterboden zu verdanken hat.

Dabei wiegt der Stromer mit 1365 Kilogramm gerade Mal 145 Kilogramm mehr als sein Benzin-Bruder, lässt sich aber gefühlt noch behänder um die Kurven schlenzen. Tatsächlich scheint auch das Fahrwerk ausgewogener und die Lenkung noch einen Tick direkter zu sein. Vor allem, wenn der Fahrer im Sport-Modus unterwegs ist, wird das spürbar. Selbst auf dem nicht wirklich sportlichen Kurs durch und um Miami.

Das geht in den Magen

Gut fühlt sich auch die Rekuperation an. Wie sich die Rückführung der Brems- und Rollenergie gut anfühlen kann? Nun, im Mini kann der Fahrer über einen links neben dem Startknopf platzierten Toggle-Schalter zwischen zwei Rekuperationsstufen wählen. Standard ist die Stufe mit der stärkeren Energierückführung, dementsprechend auch mit einer höheren Bremswirkung. Wer die im Zusammenspiel mit dem schon geschilderten krassen Vortrieb im Stadtverkehr zu forsch einsetzt, erzeugt allerdings eine Schaukelei im Wagen, die dem einen oder anderen am Ende den Magen heben dürfte.

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In der Serie gibt es ein 6,5 Zoll großes Zentraldisplay. Gegen Aufpreis wächst es auf über 8 Zoll an.

(Foto: Günther Schmied)

Wer hingegen die stärkere Bremswirkung in der Stadt mit leichtem Fuß einsetzt, wird über das Ergebnis bei der Energierückführung überrascht sein und die Bremse nur im Notfall bemühen. Sichtbar wird die Energiesammlung übrigens entweder im digitalen Zentraldisplay oder aber auf dem 6,5 Zoll großen Touchscreen in der Mittelkonsole. Hier kann man auch den Real Time Traffic Service mit Verkehrslage-Infos in Echtzeit abrufen oder Apple CarPlay nutzen. Doch zurück zur Rekuperation. Mit der zweiten Stufe kann das Verzögerungsverhalten beim heißen Ritt ums Eck und den damit verbundenen Lastwechsel nachhaltig beeinflusst werden. Und zwar insofern, als dass der vorhandene Schwung am Kurveneingang genutzt wird, um dann durch die Kurve zu fliegen oder durch das Abbremsen den Schwung aus dem Kurveneingang mitzunehmen. Das alles erfolgt natürlich völlig tonlos, denn es gibt ja keinen Verbrennungsmotor.

Den Turbinen-Sound gibt's gratis

Na gut, ganz ohne Ton gehts dann doch nicht, denn der Gesetzgeber schreibt vor, dass zur Gewährleistung des Fußgängerschutzes bei niedrigen Geschwindigkeiten ein Geräusch erzeugt werden muss. Beim Mini Cooper SE erfolgt das über ein Lautsprechersystem. Den Klang, der extra für den Wagen kreiert wurde, zu beschreiben, ist gar nicht so einfach. Vielleicht könnte man am ehesten sagen, dass er einer startenden Turbine gleicht. Aber hier möge jeder selbst das Ohr anlegen und sich seine eigene Suggestion schaffen.

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Das Kofferraum-Volumen des Mini Cooper SE ist mit 211 Litern so groß wie beim Cooper S.

(Foto: Günther Schmied)

Keiner Suggestion bedarf es beim Verbrauch. Mini gibt für den SE einen kombinierten Stromverbrauch von 16,8 bis 14,8 kWh auf 100 Kilometer an. Und tatsächlich lag der Verbrauch auch im sonnendurchfluteten Florida mit 15,7 kWh ziemlich genau dazwischen. Jetzt darf angemerkt werden, dass die Witterungsbedingungen mit 24 Grad mehr als ideal waren. Zur Ehrenrettung sei erwidert, dass die propere Beschleunigung des E-Triebwerks das eine um das andere Mal genutzt wurde. Hier wurde der Hochvoltspeicher also nicht geschont.

Schonen will Mini aber die Geldbörse seiner potenziellen Kunden. Der Einstiegspreis liegt nämlich bei 32.500 Euro in der untersten Ausstattungslinie Trim S. Wer den Trim XL bestellt, zahlt bereits 40.500 Euro. Aber ganz ehrlich, nötig scheint die Mehrausgabe nicht zu sein, denn bereits der Trim S hat Navi, Apple CarPlay, Real-Time-Traffic und die Sprachsteuerung und mehr braucht es eigentlich nicht. Wer also den kleinen Trim nimmt und die Bundesförderung für E-Autos mit in die Rechnung bringt, zahlt für seinen Mini Cooper SE nur noch 26.500 Euro. Für einen Mini Cooper S werden ebenfalls mindestens 26.000 Euro fällig.

Quelle: ntv.de