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Keine Angst vor Trump Mini Countryman - es wächst sich aus

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Mini-Markenchef Sebastian Mackensen traut dem Countryman Großes zu. Nicht nur in den USA.

(Foto: Holger Preiss)

Inmitten von Dickschiffen präsentiert sich auf der LA Autoshow der Mini Countryman. Sein Anspruch ist nicht nur der eines stylischen SAV, er will auch Premium sein. n-tv.de hat mit Markenchef Mackensen eine erste Sitzprobe gemacht.

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Der 88 PS starke Elektromotor im MINI Cooper S E Countryman ALL4 leitet seine Kraft über ein Eingang-Getriebe an die Hinterachse, während ein Dreizylinder-Ottomotor mit 136 PS die Vorderräder antreibt.

(Foto: Holger Preiss)

Im Land der riesigen SUV und Pick-up-Trucks hat Mini auf der LA Auto Show im Convention Center die Weltpremiere seines Countryman gefeiert. Bereits seit September in der Produktion, wird er im Februar kommenden Jahres zu den Händlern in Europa rollen. Nur einen Monat später wird er sich seinen Weg in den USA bahnen, wo das Segment der SUV eine noch viel größere Bedeutung hat als in Europa.

Interessanterweise finden 30 Prozent des Mini-Geschäfts an der Westküste statt. Auch das dürfte ein Grund sein, warum Mini sich LA zur Präsentation des Countryman ausgesucht hat und nicht Paris oder Detroit im Januar 2017.

SUV boomt auch bei Mini

Trotz des Umstandes, dass der Mini-Offroader völlig neu entwickelt wurde und um 20 Zentimeter gewachsen ist, wirkt er im Vergleich zur US-amerikanischen Konkurrenz eher winzig. Anders ist es, wenn man im Innenraum Platz nimmt. Die lichte Höhe über dem Haupt hat deutlich zugelegt. Der Mitteltunnel wurde abgesenkt, die Polster gehoben und auch in Richtung Türen geht es für Arme und Schultern luftig zu. "Dass die Größe zugenommen hat, ist den Kunden zu verdanken", erklärt Mini-Markenchef Sebastian Mackensen. "Die haben gemeint, dass ihm das gut bekommen würde." Vor allem der verlängerte Radstand sorgt für mehr Platz in der zweiten Sitzreihe und für einen größeren Kofferraum.

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Der Innenraum des Mini Countryman soll Premium vermitteln.

(Foto: Holger Preiss)

Dass Mini den SUV-Trend jetzt in einer intensiveren Form für sich entdeckt hat, will Mackensen nicht bestätigen und verweist darauf, dass die Marke bereits seit 2010 mit einem SAV (Sport Activity Vehicle) am Start ist. Und tatsächlich hat sich der Mini Countryman weltweit hervorragend verkauft. Mit dem Modellwechsel werden 550.000 Exemplare der Vorgängergeneration unterwegs sein. Eine Zahl, die Mackensen - mit einem entsprechenden Aufschlag - auch gerne beim neuen Modell sehen würde.

Mit Blick auf die US-Wahlen und den künftigen Präsidenten Donald Trump, der seine Landsleute gerne wieder auf heimische Produkte fokussieren möchte, stellt sich natürlich die Frage, ob der US-Markt noch das Zeug hat, die Wünsche ausländischer Autobauer zu befriedigen. Mini als Teil von BMW sieht die Sache gelassen. Die Bayern haben schließlich in Spartenburg im US-Bundesstaat South Carolina das größte BMW-Werk der Welt gebaut. Insgesamt 70.000 Menschen arbeiten in den USA für den deutschen Autobauer, erklärt der Mini-Chef. "Im Zuge der BMW Group haben wir einen deutlichen Fußabdruck in den Staaten hinterlassen und insofern sehe ich das Thema Trump ziemlich entspannt", fasst Mackensen zusammen.

Immer weiter Richtung Premium?

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Der Country-Timer im Mini-Rundinstrument ist neu.

Mit Blick auf den neuen Countryman fällt noch etwas anderes auf: der Drang ins Premiumsegment. Optik, Haptik, Design sind im Vergleich zum Vorgänger deutlich aufgewertet. Insgesamt präsentiert sich das Interieur in einer höheren Vertikalität, ohne dabei die Mini-typische Anordnung von Knöpfen und Schaltern zu verändern. Die größte Ähnlichkeit hat der Countryman im Innenraum mit dem neuen Clubman. Das zentrale Rundinstrument, das einst den Tacho beherbergt hat, ist jetzt einer Multimediaeinheit gewichen, die über ein 8,8 Zoll großes Farbdisplay mit neuer Touch-Funktion alle Informationen ausgibt.

In Verbindung mit den optionalen LED-Scheinwerfern wird das Tagfahrlicht erstmals von einem die Scheinwerfer vollständig umlaufenden Lichtband erzeugt. Weitere Neuerungen sind der Country Timer, der Fahrten auf anspruchsvollem Terrain registriert, die ausklappbare Picnic Bench, mit der die Ladekante des Gepäckraums zum bequemen Sitzplatz für Pausen im Freien wird, und der Find Mate, der dem Fahrer des Mini Countryman die Suche nach Taschen, Schlüsseln und anderen Accessoires erleichtern soll.

Nur noch Minis, die auf eigenen Füßen stehen

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Hinter der Kofferraumklappe verbergen sich zwischen 450 und 1390 Liter Ladevolumen.

(Foto: Holger Preiss)

In den USA stehen für den Countryman zwei Ottomotoren mit TwinPower Turbo Technologie zur Auswahl. Beide Motoren können mit der neuen Ausführung des Allradantriebs ALL4 kombiniert werden. Darüber hinaus ist der Countryman als erstes Modell der britischen Marke auch mit einem Plug-in-Hybrid-Antrieb erhältlich. Als Cooper S E Countryman ALL4 soll er im rein elektrischen Fahrmodus eine Reichweite von bis zu 40 Kilometern erreichen. Auf den Diesel verzichten die Briten in den USA; in Deutschland und Europa wird der Selbstzünder für den Countryman das Motorenangebot definitiv bereichern.

Betrachtet man das Porfolio von Mini, so muss man feststellen, dass es in den letzten Jahren eingedampft wurde. Stellt sich die Frage, ob hier wieder aufgestockt wird. "Wir haben ganz bewusst ein paar Angebote, die wir in der Vergangenheit hatten, nicht mehr aufgelegt"; so Mackensen. "Im Moment haben wir vier Modelle, die in einem recht weiten Größen- und Preisbereich unterwegs sind. Das reicht vom Dreitürer bis zum Countryman. Alles Fahrzeuge, die auf eigenen Füßen stehen, die keine Nische von einer Subnische bedienen, um sich so gegenseitig Konkurrenz zu machen."

Dennoch wird es in Zukunft Neues von Mini geben. Während der Countryman bereits als Plug-in-Hybrid fährt, wird es ab 2019 einen vollelektrischen Mini geben, der das Angebot erweitert. Doch bevor es so weit ist, dürfte auch die Möglichkeit geschaffen werden, in einem Countryman richtig Gas zu geben. Während der Cooper S mit 192 PS im Augenblick die Leistungsspitze bildet, dürfe die nächste Ausbaustufe mit Sicherheit als John Cooper Works mit 231 PS vorfahren. Vielleicht sogar schon auf der NAIAS in Detroit.

Quelle: n-tv.de

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