Neue Technikdetails bekanntMit der Mercedes S-Klasse kurz vor der Premiere auf Tour
Von Patrick Broich, Stuttgart
Es ist schon wieder so weit, die Mercedes S-Klasse wird renoviert. Der Hersteller selbst spricht von 2700 neu entwickelten respektive überarbeiteten Komponenten. ntv.de hat eine Runde in der berühmten Oberklasse gedreht. Auf dem Beifahrersitz.
Nein, die Außenhaut dieser S-Klasse ist nicht einfach nur in einer fancy Lackierung gehalten. Es handelt sich tatsächlich um einen noch getarnten Entwickler, der hier seine Testrunden dreht. Mit dem auf die Karosse folierten Hinweis auf die rund 140 Jahre alte Tradition des Automobilbaus aus Stuttgart.
Ich steige heute nur auf der rechten Seite ein, lasse mich eine Runde kutschieren - eigentlich ja ganz standesgemäß in dieser Liga. Und schon die erste Lautäußerung aus Richtung Bug lässt mich schmunzeln. Da ist nichts abgespeckt unter der bunten Motorhaube, da grummelt ein Achtzylinder vor sich hin. Und ja, was akustisch als Achtzylinder erkennbar wird, bestätigt sich in der Pressemappe. Dort ist vom sogenannten M177 Evo die Rede. Und wer etwas weiter liest, stutzt plötzlich. Dort wird aufgezählt, was alles überarbeitet wurde - klar, Euro 7 lässt grüßen. Von einer komplett überarbeiteten Einspritzanlage sowie einer neuen Einlassnockenwelle ist die Rede.
Aber dann dann steht da etwas, was wirklich Sprengkraft hat. Der Achtzylinder in der S-Klasse wird künftig mit einer Flatplane-Kurbelwelle ausgerüstet sein, wirklich? Das ist fast eine kleine Sensation, denn eigentlich ist diese um 180 Grad gekröpfte Kurbelwelle Merkmal besonders sportlicher Rennsport-V8, bei denen hohe Drehzahlen wichtiger sind als Laufkultur. Man erinnere sich: Der aufwendig überarbeitete AMG-GT Black Series bekam ebenfalls einen Flat-Plane-V8.
Wie es die Ingenieure dennoch geschafft haben, den typischen V8-Klangteppich zu erzeugen bei einer außerdem sämigen Laufkultur, darüber wird noch zu sprechen sein. Der S 580 4Matic mit jetzt 537 PS und 750 Newtonmetern Drehmoment plus Hybridmodul hat jedenfalls genug Potenzial, sowohl automobile Genussmenschen als auch Technikfans anzusprechen. Darunter rangieren S 450 sowie S 500 4Matic mit ihren M-256-Evo-Reihensechszylindern. Auch hier haben die Ingenieure technisch nachgeschärft beispielsweise mit einem leistungsstärkeren elektrischen Verdichter, um die Effizienz der Zylinderfüllung noch weiter zu steigern. Auch der Sechszylinder bekommt außerdem eine überarbeitete Einlassnockenwelle.
Neue Antriebe werden sauberer und stärker
Und auf Wunsch erhält der aufgefrischte Sechsender freilich einen leistungsstarken Elektromotor on top für die Variante mit extern aufladbarer Batterie. In diesem Fall sind 100 Kilometer rein elektrisch drin. Außerdem kommuniziert Mercedes eine Leistungssteigerung von 75 PS gegenüber der Vorgängervariante. Damit kratzt der Plug-in-Hybrid nun an der 600-PS-Marke. Dieselseitig bleibt es selbstverständlich bei den Ausgaben S 350 sowie S 450 - mit der Neuerung eines elektrisch beheizten Katalysators.
Nicht neu, aber jetzt serienmäßig in sämtlichen Varianten der S-Klasse ist die Hinterachslenkung mit bis zu 4,5 Grad Lenkwinkel der hinteren Räder. Damit wird der Fünf-Meter-Liner in der Stadt agil wie ein Kompaktwagen. Weitere Neuerungen beim Fahrwerk umfassen die Integration von Car-to-X-Informationen (Schwarmintelligenz), um Fahrbahnzustände weit im Voraus ermitteln zu können. So passt sich das aktive Fahrwerk früh an - es arbeitet mit einer Mischung aus der bekannten Airmatic sowie einer "E-Active Body Control" und soll sogar Temposchwellen wirkungsvoll entschärfen.
Und wie steht es um das Infotainment? Als Botschaft an die in vielen Teilen der Welt jüngere S-Klasse-Klientel als hierzulande senden die Stuttgarter: Das Flaggschiff wird in den Genuss des neuen, sogenannten Mercedes-Benz Operating System kommen - bisher bekannt aus dem taufrischen Mercedes CLA. Der Hersteller spricht von serviceorientierten Anwendungen im Rahmen einer neuen Elektronik-Architektur. Diese erlaubt über die Cloud auch Over-the-Air-Updates, um die Plattform einfacher auf dem neuesten Stand zu halten. Über die komplexen Funktionalitäten wird ntv.de dann zu einem späteren Zeitpunkt berichten, wenn das Fahrzeug in vollem Umfang getestet werden kann.
Bequem, komfortabel und leise ist die S-Klasse für ihre Passagiere jedenfalls weiterhin, wie ein kurzer erster Eindruck vermittelt. Dass das überarbeitete Mercedes-Flaggschiff Ende Januar Weltpremiere feiern wird, ist kein Zufall. Denn am 29. Januar 1886 reichte Carl Benz das Patent für seinen Motorwagen Nummer 1 ein - also vor ziemlich genau 140 Jahren.