Auto

Die Preis-Leistungs-Kracher Mitsubishi Space Star und SsangYong Tivoli Grand

SsangYong_Tivoli_Mitsuhishi_Space_Star_Aufmacher_optional.jpg

SsangYong Tivoli und Mitsubishi Space Star: zwei in Deutschland eher unbekannte Underdog-Fahrzeuge, die einen näheren Blick wert sind.

(Foto: SsangYong/Mitsubishi)

Underdog-Autos Teil zwei: Nachdem ntv.de MG5 und Suzuki Swift auf den Zahn fühlen konnte, geht es nun um den günstigen Mitsubishi Space Star sowie den raren Praktiker SsangYong Tivoli Grand. Was sie können und was nicht, gilt es herauszufahren.

Man soll ja klein anfangen - und das ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen. Der Mitsubishi Space Star kann eigentlich gar nicht so viel Space haben mit einer Außenlänge von gerade einmal 3,85 Metern. Dieser Mitsubishi ist also ein klassischer Stadtflitzer, obwohl die Produkte der Marke ja eher auf dem Land gekauft werden. Und das gar nicht mal so schlecht. Allein von Januar bis Oktober dieses Jahres wurden knapp 14.000 Exemplare in Deutschland zugelassen - das muss man als kleiner Importeur erst einmal schaffen. Space Star hieß bei Mitsubishi übrigens ein seit dem Jahr 1998 angebotener Kompaktvan - damals einer der Pioniere des Segments. Doch der neuzeitliche Space Star kann mehr, als man denkt. Dazu später mehr.

Mitsubishi_Space_Star_VO.jpg

In knalligen Farben sieht der Space Star cool aus.

(Foto: Mitsubishi)

Schaffen muss man auch erst einmal, ein Fahrzeug so günstig anzubieten, wie Mitsubishi es mit seinem Einsteiger tut. Gerade einmal 10.380 Euro kostet der Japaner und gehört zu den günstigsten Neuwagen Deutschlands. Zwar geht es noch günstiger mit dem Dacia Sandero, der sogar die 10.000-Euro-Schwelle unterbietet - aber gleich danach kommt schon der Space Star.

Und gleich nach dem Einstieg stellt man fest, dass der Space Star tatsächlich gar nicht mal so eng anmutet wie befürchtet. Nichtsdestotrotz ist er natürlich bodenständig, aber das war ja zu erwarten. Getreu dem Motto, wo wenig ist, kann auch wenig kaputtgehen, trifft man auf herrlich nostalgische Dinge wie Kurbelfenster. Die sind auch eigentlich völlig okay - unpraktisch wird es nur, wenn man allein unterwegs ist und das Fenster auf der Beifahrerseite öffnen möchte. Zum Glück ist der Space Star nicht allzu breit, so kann man sich kurzerhand hinüberbeugen.

Space Star funktioniert weitgehend analog und mechanisch

Mitsubishi_Space_Star_HI_2.jpg

Der Mitsubishi Space Star wirkt auch nach Jahren noch modern.

(Foto: Mitsubishi)

Der Space Star ist herrlich analog, hat natürlich auch ein entsprechendes Kombiinstrument mit mechanischen Anzeigen. Unter der Haube des Fronttrieblers steckt inzwischen nur noch eine einzige Variante des Dreizylinders - inzwischen mit 1,2 Litern Hubraum. An Leistung hat der Stadtfloh 71 PS, die für das vorwiegende Ziel reichen: nämlich in der Stadt unterwegs zu sein. Wer fleißig schaltet (manuelles Fünfganggetriebe), kommt aber auch auf der Autobahn klar und bekommt den etwaigen Laster am Berg überholt. Dann wird der Space Star aber auch etwas lauter, was angesichts der Fahrzeugklasse selbstredend in Ordnung geht. Natürlich ist er kein Dynamikwunder, es geht ja schließlich um bodenständige automobile Kost.

Mitsubishi_Space_Star_IN.jpg

Infotainment ist für den Mitsubishi kein Fremdwort.

(Foto: Mitsubishi)

Wer einen Neuwagen einplant, aber dafür nicht viel Budget vorsieht, kann mit dem Space Star gut leben, er kommt ja letztlich ebenso überall hin wie eine Luxuskarosse. Und natürlich rollt der ausgereifte, seit 2012 produzierte Space Star auf Wunsch auch mit technischen Schmankerln wie LED-Frontbeleuchtung und Navi samt großem Bildschirm an den Start. Es gibt sogar Features wie autonome Notbremsung, Sitzheizung, Smartphone-Integration und Tempomat - aber dann berechnet Mitsubishi auch mal 17.000 Euro und mehr.

Zum Schluss einen Blick auf das Kofferraumvolumen geworfen: Knapp 1000 Liter passen in das Gepäckabteil, wenn man die Rücksitzlehnen umklappt. Von wegen, kleine Autos können nicht nützlich sein.

Marke SsangYong könnte in Deutschland etwas Sichtbarkeit gebrauchen

SsangYong_Tivoli_VO.jpg

Mit seinem kantigen Design wird aus dem Praktiker SsangYong Tivoli ein schicker Zeitgenosse.

(Foto: SsangYong)

Der deutlich exotischere SsangYong Tivoli Grand ist dagegen explizit auf Praxistauglichkeit und Komfort abonniert und ebenfalls ein richtiger Underdog. Dabei ist SsangYong eigentlich eine spannende Marke - in den frühen 1950ern gegründet, Jeep-Modelle in Lizenz gebaut, Technologie-Partnerschaft mit Mercedes gehabt und zuletzt unter die Fittiche der indischen Mahindra & Mahindra (ebenfalls tätig im Jeep-Lizenzbau) genommen. Dass SsangYong gerade wieder einen Investor sucht, merkt man dem operativen Geschäft nicht an. Gerade erst haben die Koreaner den elektrisch angetriebenen Korando e-Motion in den Markt gebracht.

In Deutschland hat SsangYong keine sonderlich große Sichtbarkeit - von Januar bis Oktober dieses Jahres konnte die Underdogmarke gerade einmal 1576 Zulassungen verzeichnen. Dabei haben die Koreaner interessante Modelle zu heißen Preisen im Köcher. Das hier besprochene Crossover aus Van und SUV namens Tivoli Grand wird mit einem Basispreis von 20.490 Euro wirklich maximal fair angeboten.

SsangYong_Tivoli_HI.jpeg

Der überarbeitete SsangYong Tivoli kommt fast schon stylisch rüber.

(Foto: SsangYong)

Immerhin ist die Rede von einem wahrhaft erwachsenen Auto mit einer Außenlänge von 4,48 Metern sowie 2,60 Meter Radstand. Ein ähnlich gelagerter Volkswagen Tiguan mit nur 130 statt 163 PS unter der Haube kostet über 10.000 Euro mehr. Natürlich ist bei den Wolfsburgern vor allem innen alles ein bisschen feiner und akkurater gemacht - aber ist das einen derart satten Aufpreis wert?

Infotainment beim Tivoli ist top

Denn schlecht ist der Tivoli mitnichten, bietet eine immer noch ordentliche Verarbeitung und auch das nötige elektronische Rüstzeug, um heutzutage Punkte einsammeln zu können bei der jungen Generation. Die Sitze gefallen sogar ausgesprochen gut, während die Mittelkonsole samt Screen ein bisschen altbacken aussieht. Eine gewisse Funktionalität allerdings muss man ihr zugestehen, und das Kombiinstrument besteht wie - anno 2022 üblich - aus Anzeigefläche, jedenfalls bei der Top-Ausstattungslinie.

SsangYong_Tivoli_IN.jpeg

An digitaler Anzeigefläche fehlt es dem SsangYong Tivoli nicht.

(Foto: SsangYong)

Richtig gut auch sind die Platzverhältnisse vorn und hinten, die zusammen mit den komfortorientierten Stühlen zum Prädikat "langstreckentauglich" führen. Und während das nackte Basismodell immerhin über viele Sicherheitsmerkmale verfügt, unter denen auch die autonome Notbremsung weilt plus Bordcomputer und Tempomat als technische Add-ons, sei dem Kunden dennoch mindestens die etwas teurere Ausstattungslinie "Amber" (24.490 Euro) ans Herz gelegt. Sie bietet Bluetooth-Freisprechanlage, Parkpiepser, Rückfahrkamera und Smartphone-Integration - mehr braucht man nicht.

Vielleicht noch einen ordentlichen Motor unter der Haube? Der 1,5 Liter große Vierzylinder-Benziner mit 163 Pferdchen ist gesetzt und darf als sachliche Angelegenheit durchgehen. Beim Testwagen war eine klassische Sechsgang-Wandlerautomatik für die Kraftübertragung zuständig. Keine Schaltrucke, dafür spontane Übersetzungswechsel gibt es mit diesem Automaten, der im Gegensatz zu den hypermodernen Vielgänger nicht so häufig irgendwelche Kupplungen öffnen und schließen muss, was sich in der Praxis durch erfreuliche Abwesenheit von Zugkraftunterbrechungen auswirkt.

Und selbst wenn der Direkteinspritzer mit entsprechender Drehzahl mal einen Tick rauer wird, bleibt er ein authentisch-sympathischer Kerl, der den 1,4-Tonner beflissen, aber natürlich nicht rasant antreibt. Noch etwas zum Schluss? Mit 1440 Litern Kofferraumvolumen stellt der Tivoli Grand nicht nur für seine menschliche Fracht viel Platz zur Verfügung. Schade, dass man ihn hierzulande so selten sieht. Aber vielleicht kommt die Zeit des Tivoli ja noch. Verdient hätte er es.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen