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Customizing für die Zukunft Neuer BMW-Big-Boxer in "Revival Birdcage"

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Fast filigran wirkt der BMW-Big-Boxer im "Revival Birdcage".

(Foto: Herrmann Köpf)

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Auch die traumhaft schöne Interpretation von Custom Works ZON war in Austin zu sehen.

(Foto: Holger Preiss)

Dass BMW Motorrad einen neuen Boxer-Motor im Portfolio hat, ist spätestens seit der preisgekrönten Präsentation der "Departed" aus der japanischen Motorrad-Schmiede Custom Works ZON im Dezember 2018 kein Geheimnis mehr. In der Fachpresse firmiert das Triebwerk unter dem Namen R18, was vermuten lässt, dass es sich um einen Motor mit einem Hubraum von 1800 Kubikzentimetern handelt. Dem widerspricht auch Timo Resch nicht. Mehr gibt der Marketing-Chef von BMW Motorrad aber noch nicht preis. Aus gutem Grund. Will man doch dem, was da in den kommenden Wochen von Seiten der Bayern vorgestellt wird und was im kommenden Jahr auf die Straße rollt, nicht allzu weit vorgreifen.

"Revival Birdcage" macht Appetit auf mehr

Um aber weiter Appetit auf ein Motorrad mit dem neuen Big-Boxer-Triebwerk zu machen, haben die US-amerikanischen Customizer von Revival Cycles am Vorabend der Handbuilt Motorcycle Show in Austin (Texas) ihre Interpretation dessen vorgestellt, was um den R18 herum entstehen könnte. "Revival Birdcage" nennt Alan Stulberg, der Chef von Revival Cycles, seine Schöpfung. Der Name ist Programm, denn der Rahmen wurde aus sich kreuzenden Titanstäben erschaffen. "Das war eine echte Herausforderung", so Stulberg. "Ich hatte irgendwann diese Idee von einem Dreieck als Grundstruktur im Kopf, wusste aber nicht, wie die sich umsetzen lässt. Am Ende sind wir auf den Titan-Rahmen gekommen", erklärt der Customizer.

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Im Mittelpunkt der Interpretation von Revival steht natürlich der Big-Boxer.

(Foto: Holger Preiss)

Für Stulberg war wichtig, dass beim Betrachten des Bikes vor allem der Big-Boxer zur Geltung kommt, deshalb entschied er sich für eine offene Struktur. Vor zehn Jahren hat Stulberg Revival Cycles gegründet. Seitdem steht das kleine Unternehmen in Austin mit seinen Motorrad-Interpretationen für die "Entschleunigung" in einer sich mehr und mehr digitalisierenden Welt. "Die", so Stulberg, "erreicht man am besten mit einem einfachen Motor und zwei Rädern." Hier spielen auch die physikalischen Gegebenheiten eines Zweirades und ein "intensiver Fokus auf ein künstlerisches Design" eine Rolle.

Auch die BMW R 5 stand Pate

Doch für die Birdcage stand auch ein historisches Bike Pate: die BMW R 5, die Ernst Henne in den 1920er- und 1930er-Jahren zu einem seiner 76 Geschwindigkeits-Weltrekorde trug. Den letzten erzielte er mit 279,5 km/h am 28. November 1937 auf einer vollverkleideten BMW 500 Kompressor. Um die Birdcage zu entwickeln, haben die US-Amerikaner letztlich sechs Monate gebraucht. Bei BMW selbst hat die Zusammenarbeit mit Customizern inzwischen schon Tradition. Bereits bevor die R nineT ins Rennen geschickt wurde, gab es Vorboten auf die Scrambler, die genau aus dieser Richtung kamen.

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Der Titanrahmen des "Revival Birdcage" lässt aus allen Perspektiven den R18 zur Geltung kommen.

(Foto: Holger Preiss)

Dass diese Projekte unterdessen so erfolgreich sind, ist für Resch dem Umstand geschuldet, dass man nicht als großer Hersteller auf die Customizer zugegangen ist und gesagt hat "hier ist unser Projekt, setzt das mal um" sondern, dass sich "beide Parteien auf Augenhöhe begegnet sind und der Freiraum bestand, Visionen uneingeschränkt umzusetzen". Klar ist natürlich, dass der Big-Boxer auch die Jungs bei Revival zwingt, die Geschichte von BMW im großen Stil zu zitieren. Das wird aber umso ehrlicher, als Stulberg glaubhaft versichert, dass "er schon immer ein Fan von BMW und dem Boxer-Motor gewesen ist". Im Fall des Big-Boxers habe ihn allerdings einmal mehr die schiere Größe in den Bann geschlagen.

"Wir meinen es ernst"

Über das mächtige Triebwerk ist unterdessen in Fachmedien reichlich spekuliert worden. Klar ist, dass sowohl die äußere Geometrie als auch die sichtbaren Elemente wie die oberhalb der Zylinder in verchromten Schutzrohren verlaufenden Stößelstangen an die Bauweise der Boxer-Motoren aus den 1960er-Jahren erinnern. Nur, dass im Fall des Big-Boxers auf deutlich mehr Hubraum und eine moderne Luft-Öl-Kühlung gesetzt wird. Bleibt die Frage an Timo Resch, wo denn die Reise abseits der abgefahrenen Customize-Projekte hingehen soll.

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Eine Luft-Öl-Kühlung für den kommenden Big-Boxer von BMW ist gesetzt.

(Foto: Holger Preiss)

"Für uns ist klar, dass wir mit der ZON und dem Birdcage den Interessierten deutlich machen, dass wir es ernst meinen, in ein für uns neues Segment einzutreten." Und auf wessen Spielwiese begibt man sich? Angesichts des Big-Boxers dürfte sicher sein, dass BMW hier Harley, Indian und Co. ins Visier nimmt. Der Milwaukee Eight mit 1745 beziehungsweise mit 1868 Kubikzentimetern oder der Indians 111er mit 1811 Kubikzentimetern passen jedenfalls sehr gut ins Schema. Mit welchem Punch der Super-Boxer zum Schlag ausholt, war leider auch Alan Stulberg nicht zu entlocken. Aber es muss ja noch etwas geben, worauf man sich in Zukunft freuen kann. Wie der R18 dann in BMW-Optik angerollt kommt, soll laut Resch schon in den nächsten Wochen zu sehen sein.

Der Big-Boxer kommt als Cruiser

Sicher ist, dass die präsentierten Varianten der Bayern mit dem R18-Motor als Cruiser, Tourer oder Bobber vorfahren werden. Und, dass sie wie die Scrambler in einem hohen Maße individualisierbar sein werden. "Das Segment lebt davon, dass man diese Motorräder optisch oder ergonomisch verändern kann", betont Resch. "Deshalb werden wir das auch vom Anfang anbieten." Es soll aber nicht ausschließlich bei der optischen Umgestaltung des Bikes bleiben. Auch bei der Motorradkleidung wird man der neuen Zielgruppe Angebote unterbreiten.

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Der Gangwahlhebel an der Birdcage wie seinerzeit als Tankkulisse.

(Foto: Holger Preiss)

Selbstredend ist die Strategie-Abteilung von BMW mit dem neuen Big-Boxer zudem auf dem Weg, das ambitionierte Ziel von 200.000 verkauften Motorrädern im Jahr 2020 zu erreichen und damit die Nummer eins im Segment der Premium-Bikes zu werden. Dabei wollen die Bayern aber nicht nur im US-Markt, wo sich Cruiser bekanntermaßen am besten verkaufen, Zeichen setzen. Resch ist sich sicher, dass BMW mit den neuen Konzepten auch in Europa, Asien und Australien punkten wird. Dem Berliner BMW-Motorrad-Werk in Spandau kann das nur recht sein. Die dürfen nämlich den Super-Cruiser für die Welt produzieren.

Quelle: n-tv.de